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24.06.1977 - 

Britischer Computer-Experte greift Bundespost an:

Post als Technologie-Bremse attackiert

GUERNSEY/BONN -"Bei der Integration von Datenverarbeitung und Nachrichtentechnik gerieten die Europäer gegenüber den USA in einen gewaltigen Rückstand. Ursache seien die staatlichen Fernmeldebehörden, die nur schleppend jede Neuerung zulassen." Dies erklärte der britische Computer-Experte Fred Lamond auf einem CII-Honeywell-Bull-Seminar auf der Insel Guernsey. Lamond griff namentlich die Deutsche Bundespost an, die mit ihrer Modem-Politik Anwendern bis zu vier Jahren Wartezeit aufzwinge.

Damit seien die Verhältnisse in der Bundesrepublik nach Schweden und Großbritannien am drittschlechtesten. Lamonds Vorwürfe gipfelten darin, daß "manche Postbehörden sich für zehn Jahre auf bestimmte Modems festlegten, die für die Telefonübertragung von Computerdaten notwendig seien, ohne die rasche Entwicklung zu berücksichtigen. Der Brite behauptete, heute könnte man für den Preis einer einzigen Monatsmiete die für die vorgeschriebenen Uraltgeräte verlangt wird, ein modernes Gerät kaufen.

In diese Kerbe zielt auch DatevVorstand Heinz Sebiger, der die Preise für das 1200-Baud-Standard-Postmodem mit 185 Mark "als schlechthin unangebracht'' bezeichnet, zumal es die heutige Chip-Technik gestatte, die gleiche Modem-Leistung für 75 Mark einzukaufen. Die Bundespost selbst ist sich keines Versäumnisses bewußt weil sie in den "öffentlichen Fernmeldenetzen für die Kompatibilität der DFÜ-Einrichtungen auf der Basis weltweiter Standards sorge." In der Antwort auf eine CW-Anfrage führt die DBP weiter aus: Die Standards werden -im Gegensatz zu den Lamond-Behauptungen - ständig fortentwickelt, also dem technischen Fortschritt angepaßt, und dies unter Mitwirkung amerikanischer Firmen.

Nach der Anzahl der an Fernmelde-Netzen betrieblichen Datenstationen liegt die Bundesrepublik jedenfalls hinter dem Vereinigten Königreich an zweiter Stelle.

Die Deutsche Bundespost zähle zu den liberalen Fernmeldeverwaltungen in Europa, bei der die Zulassungsprozedur für private Datenübertragungseinrichtungen zur Alltagsroutine gehöre und in aller Regel innerhalb von drei Monaten erledigt werden könne.

Die Politik der DPB zielt im Hinblick auf die Datenverarbeitung auf höchsten volkswirtschaftlichen Nutzen und auf Freizügigkeit für den Einsatz privater EDV-Einrichtungen und Terminals. Sie kooperiert mit der Industrie in Normenausschüssen und zieht Vertreter der Industrie zu den Beratungen im CCITT zu. Der technologische Fortschritt dient dabei nur als Mittel zur Erreichung dieser Ziele. Er ist vor allem eine Sache der Industrie wird aber auch nach Kräften staatlich gefördert (DV-Programm der Bundesregierung).