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03.06.1988 - 

In Planspielen wird auch über Ersatz des bisherigen Netzes nachgedacht

Post: Datex-P-Entseheidung fällt Ende Juni

BONN/MÜNCHEN/FRANKFURT (cmd) - Die Auftragsvergabe für den Ausbau des Datex-P-Netzes bleibt für die Konkurrenten Siemens und AEG Olympia/Northern Telecom weiterhin eine Zitterpartie: Einen Tag vor der ursprünglich geplanten Entscheidung verschob das Bundespostministerium kurzerhand den Zuschlagstermin auf den 24. Juni.

Die Bedenkzeit der Bundespos dürfte nicht zuletzt damit zusammenhängen, daß im Zuge der geplanten Neustrukturierung des Fernmeldewesens das Thema "Value Added Services auf X.25-Basis" einen weit höheren Stellenwert als bisher erhält. Voraussetzung ist allerdings ein entsprechend dimensioniertes Datex-P-Netz das die Infrastruktur für diese möglichen neuen Dienste bereitstellt

Bei ihren bisherigen Überlegungen in Sachen Datex-P ging die Post davon aus, daß das bisherige Netz mit derzeit etwa 30 000 Anschlüssen - die sogenannte Ausbauphase I - von 1989 an schrittweise durch ein neues Netz ergänzt wird, das dann bis 1995/96 auf rund 100 000 Anschlüsse erweitert werden kann. Bei der ursprünglich für den 27. Mai terminierten Entscheidung der Bundespost geht es zunächst um die Auftragsvergabe für diese Phase II, deren Gesamtwert sich nach Schätzungen der Branche zwischen 300 und 500 Millionen Mark bewegt. Mit von der Anbieterpartie waren anfangs neben Siemens und dem deutschkanadischen Konsortium AEG Olympia/Northern Telecom unter anderem auch Nixdorf und Philips; beide blieben jedoch bereits bei der Vorauswahl der Post auf der Strecke.

Anfang Mai nun - kurz vor der Beratung der Postreform im Bundeskabinett (siehe CW Nr. 21 vom 20. Mai 1988, S. 1: Telekom-Politik: Bundesrat mit mehr Einfluß) - forderte das Fernmeldetechnische Zentralamt der Bundespost in Darmstadt die beiden übriggebliebenen Mitbewerber auf, bis zur Monatsmitte zusätzlich ein verbindliches Angebot für den möglichen Ersatz der Phase I abzugeben. Zwar sei dies, so betont Klaus Buechner, Geschäftsführer der deutschen Northern Telecom-Tochter in Frankfurt, auch vorher schon Bestandteil der Bewertung gewesen, doch habe die Post von den beiden Lieferanten bis dato hierfür nie ein offizielles Angebot verlangt. Für denjenigen, der den Zuschlag erhält, wird der Auftrag damit noch lukrativer: Das Auftragsvolumen steigt dann um 40 Prozent und umfaßt ein Netz für bis zu 140 000 Anschlüsse.

Nach wie vor ist jeder der beiden Konkurrenten sicher, daß er letztlich den Sieg davonträgt. Die kanadische Northern Telecom, die bereits Lieferantin des derzeitigen Datex-P-Netzes der Bundespost ist, hatte sich im Hinblick auf die anstehende Entscheidung über die Phase II schon 1985 mit AEG zusammengetan und eine Lizenznehmer-/Distributor-Vereinbarung getroffen. Für den Fall, daß die AEG Olympia den Zuschlag erhält, winken 500 neue Arbeitsplätze in Baden-Württemberg: Am Standort Konstanz wird dann künftig das im März dieses Jahres angekündigte System DPN 100 gefertigt und auch die gesamte Systemwartung stationiert. Arbeitsplätze, allerdings bereits bestehende, führen auch die Siemensianer ins Feld. Sollte die Post der Konkurrenz den Zuschlag geben, so sieht der Elektrokonzern bis zu 500 Arbeitsplätze seines Werkes im hessischen Bad Hersfeld gefährdet.

Darüber hinaus setzen die Münchener jedoch vor allem auf ihr neues System EWSP, das sie im letzten Oktober auf der Genfer Telecom als das derzeit schnellste Paketvermittlungsnetz vorgestellt haben. Präsentiert wurde damals auch eine EWSP-V getaufte Gemeinschaftsentwicklung (V steht für Verbindungsunterstützung) von Siemens und Digital Equipment. Dieses System, so hieß es, könne erstmals alle bestehenden Datennetze durch Dienstübergänge verbinden und darüber hinaus auch zusätzliche Dienste, wie zum Beispiel gezielte Verteilung oder Speicherung von Nachrichten, unterstützen.