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22.06.1984 - 

Entscheidung über Glasfasernetz heute noch nicht möglich:

Post hält sich mehrere Netzoptionen offen

STUTGART (cmd) - In einer als "programmatisch" angekündigten Rede zur Eröffnung der "telematica" in Stuttgart stellte Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling das neue Gesamtkonzept seines Hauses zur Weiterentwicklung des Fernmeldenetzes vor.

Die Kernpunkte: Einsatz digitaler Vermittlungssysteme von 1985 an, Einführung des digitalen dienstintegrierten schmalbandigen Fernmeldenetzes (ISDN) ab 1988 und Aufbau eines Glasfaser-Overlaynetzes "in den voraussichtlichen Bedarfszentren" von 1985/86 an.

In einem Pressegespräch betonte der Minister, daß das jetzt vorgestellte langfristige Konzept "als qualitativer Orientierungsrahmen für die Öffentlichkeit, die Wirtschaft und die Industrie zu verstehen sei. Außerdem plane man bis Ende dieses Jahres, ein "mittelfristiges Konzept" für die nächsten fünf Jahre vorzulegen.

Mit dem Glasfaser-Overlaynetz von Teilnehmer zu Teilnehmer für den schnellen Text- und Datenaustausch, Videokonferenzen und Bildfernsprechen - so Schwarz-Schilling - werde bereits heute ein Schritt in Richtung auf das Breitband ISDN getan, ein Glasfasernetz, in das alle bestehenden und künftig zu erwartenden Individualkommunikationsdienste integriert werden können. Während sich andere Länder immer noch im Diskussionsstadium befänden, werde in der Bundesrepublik schon eine konkrete Entwicklung eingeleitet. Die entsprechenden Planungen für einen "bedarf- und nachfragegerechten Ausbau" dieses Overlaynetzes soll noch in der zweiten Hälfte dieses Jahres in Angriff genommen werden.

Das Gesamtkonzept wird nach Meinung des Ministers auch der Streitfrage "Kupfer oder Glasfaser", die ohnehin nicht technischer sondern medienpolitischer Natur sei, die Spitze nehmen: Der Einsatz beider Techniken sei so aufeinander abgestimmt, daß die Netze später zusammenwachsen können. Technisch und wirtschaftlich werde es allerdings frühestens Anfang der neunziger Jahre vertretbar sein, auch die Programmverteilung in das breitbandige Individualkommunikationsnetz zu integrieren. Solange sollten sich Kupfer- und Glasfasernetze "ohne gegenseitige wirtschaftliche Behinderung entwickeln und parallel nebeneinander bestehen können".

Ob der Schritt zu einem breitbandigen Universal-Fernmeldenetz dann auch tatsächlich vollzogen werde, könne heute noch nicht abschließend entschieden werden. Hier müsse erst die weitere Kostenentwicklung der Netztechniken und die Nachfrage nach Breitbanddiensten abgewartet werden.

Schwarz-Schilling wörtlich: "Die Deutsche Bundespost verfolgt mit diesem Konzept auch ein Stück neue Unternehmensphilosophie. Wir werden uns nicht mehr frühzeitig auf eine Technik festlegen, sondern immer mehrere Optionen so lange wie nötig offen halten." (Ein detaillierter Bericht über Einzelheiten des Konzeptes folgt im Zusammenhang mit der Telematica-Berichterstattung in der nächsten CW-Ausgabe.)