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07.07.1989 - 

Nach Postreform visiert die "Telekom" das Geschäft mit Massendiensten an:

Post krempelt Ärmel zum Wettbewerb hoch

BONN (pg) - Der Startschuß zur Postreform ist gefallen. Seit dem 1. Juli regiert Minister Christian Schwarz-Schilling über das "Bundesministerium für Post und Telekommunikation" - bisher "Post und Fernmeldewesen". Jetzt wird der gelbe Riese in die autonomen Bereiche "Telekom ", "Postdienst " und "Postbank" unterteilt, die in neuem Management- und Marketing-Gewand der Konkurrenz im zum Teil freien Wettbewerb das Fürchten lehren wollen.

Buchstäblich in letzter Minute vor der Postreform legte der Postminister selbst noch Hand bei der Umbenennung seines Ministeriums an. Telegen wie es sich für einen Minister der Telekommunikation gehört, versuchte Schwarz-Schilling die letzten drei fehlenden Buchstaben der neuen Ministeriumsbezeichnung in einen Granitblock einzutreiben. Rasch zeigte sich jedoch, daß der Minister im Umgang mit der Feder geschickter als mit dem Hammer ist. Er versäumte es daher nicht, zu betonen, sein Handwerk bei der Postreform besser verstanden zu haben.

Als Resultat jahrzehntelanger Bemühungen, der Deutschen Bundespost ein neues Gewand zu geben, bezeichnete Schwarz-Schilling die Postreform bei der anschließenden Pressekonferenz. Allerdings hat die Dreiteilung bisher fast nur auf dem Papier stattgefunden. Erst im Laufe der nächsten Monate würden die Unternehmen, so der Minister, Gestalt annehmen. Schwarz-Schilling weiter: "Wenn man eine Reform schon jahrzehntelang hinausgezögert hat, kommt es bei der Besetzung der Gremien auf einen Monat nicht mehr an. "

Status quo ist, daß derzeit vier Aufbaustäbe an "einem exakten Fahrplan für die Einrichtung der drei Generaldirektionen und des Bundesministeriums für Post und Telekommunikation" tüfteln. Vermutlich im September soll nach der Entscheidung der Bundesregierung die konstituierende Sitzung der Aufsichtsräte erfolgen. Unter deren Beteiligung wird dann die Bildung der Vorstände über die Bonner Bühne gehen.

Fest steht jedoch schon, daß die Posten der Vorstandsvorsitzenden aller drei Unternehmen mit Personen aus der freien Wirtschaft besetzt werden. Ansonsten sollen sich die Vorstände laut Schwarz-Schilling etwa zu 50 Prozent aus Mitarbeitern der Deutschen Bundespost und Außenstehenden rekrutieren, wobei es keinen beamtenrechtlichen Bonus für diese Positionen geben werde.

Die drei Unternehmensbereiche "Telekom", "Postdienst" und "Postbank" bleiben auch in Zukunft rechtlich unter dem Dach der Deutschen Bundespost angesiedelt. Intern sind sie verpflichtet, aus Überschüssen das Minus eines anderen Bereichs auszugleichen. In den nächsten Jahren profitiert davon die mit 1,5 Milliarden Mark in der Kreide stehende Brief- und Paketpost. Sie wird jedoch, so prognostiziert der Postminister, in vier bis fünf Jahren aus den roten Zahlen sein.

Zur Sicherung der Finanzkraft der Bundespost und ihrer Infrastrukturaufgaben wird sie ihr Netz-, Telefondienst- und Briefdienstmonopol behalten. Bei allen anderen Telekommunikationsdiensten und -endgeräten wird die "Deutsche Bundespost Telekom" als freier Wettbewerber in einem für private Anbieter und Hersteller offenen Markt auftreten. Für die "Telekom" wie auch die beiden anderen Bereiche gilt: Die Unternehmen entscheiden autonom und in eigener Regie wie sie in ihrem Bereich auf Marktsituationen reagieren Die Preisgestaltung wird im wesentlichen in Händen der jeweiligen Vorstände liegen und auf Beschluß erfolgen.

Tarife richten sich nach Lage des Markts

Mit ganz neuen und ungewohnten Marketingbandagen scheint die Post in Zukunft kämpfen zu wollen. Der Minister ließ zwar kaum Informationen über die zukünftige Marketingstrategie aus dem Sack, aber sein bei diesem Punkt aufgesetztes Pokerface läßt einen reaktionsschnelleren gelben Riesen als bisher am Markt erwarten. Der Post-Chef: "Die Frage, ob die Telekom einen bestimmten Dienst oder ein bestimmtes Endgerät anbietet oder nicht, ist nicht mehr Gegenstand eines politischen Abstimmungsprozesses, sondern Ausdruck strategischen unternehmerischen Handelns."

Im Klartext heißt das: Die Post will schneller auf Markt und Kunden reagieren. Dies scheint insbesondere bei den Gebühren zu gelten. Laut Schwarz-Schilling würden künftig Leistungsentgelte wesentlich schneller und flexibler geändert und dem Verbraucher- und Wettbewerberverhalten angepaßt werden. Außerdem werde die Post an ihren Schaltern mehr Leistungen anbieten, der Produktentwicklung größte Aufmerksamkeit schenken und Mitarbeitern für besondere Akquisitionserfolge Zulagen zahlen.

Die Spekulationen des Vorsitzenden des Bundestagspostausschusses, Peter Paterna (SPD), die Öffnung des Fernmeldebereichs sei mit deutlichen Gebührenerhöhungen verbunden, verwies der Minister ins Reich der Fabel. Vielmehr glaube er, daß der Wettbewerb zu einer Tarifsenkung bei Fernseldediensten führen werde.

Besonders rosig sieht der Minister die Zukunft der "Telekom", weil sie in einem stark dynamischen Bereich angesiedelt sei. Zur Marktstrategie der Telekom sagte Schwarz-Schilling auf Anfrage der COMPUTERWOCHE: "Es wäre völlig sinnlos, wenn die Telekom den Ehrgeiz hätte, in jeden Dienst hineinzugehen. Die Telekom wird größere Massendienste mehr im Visier haben als Spezialdienste für ganz spezifische und sehr kleine Kundenkreise." Von daher werde sich, so fuhr der oberste Dienstherr der Postbeamten fort, von Natur aus eine Arbeitsteilung mit den privaten Anbietern ergeben.

"Telekom" zielt stark auf Value-Added-Services ab

Von Interesse für die " Telekom'' bei der Erschließung neuer Märkte sind laut Minister die Bereiche mit den größten Wachstumsraten. Das seien bei den Non-Voice-Diensten vor allem die Mehrwertdienste. Das Angebot der "Telekom" soll dabei flächendeckend durch Marketingstäbe und Kundenberater unter die Kunden gestreut werden.

Insbesondere im Bereich der Mehrwertdienste, so versicherte der Post-Oberste, sei es ein strategisches Ziel, am internationalen Markt teilzuhaben. Die Post habe deshalb im vergangenen Jahr zusammen mit der France Telecom die Eucom, eine Gesellschaft für Value-Added-Services gegründet. Außerdem will sich die Post an der Gesellschaft "Managed Data Network Services" beteiligen und ist mit 15 Prozent bei Infonet eingestiegen - beides Unternehmen, die im internationalen Geschäft der Mehrwertdienste eine Rolle spielen wollen.

Um im weltweiten Business der Telekommunikation den Zug nicht zu verpassen, wird die "Telekom" demnächst Auslandsbüros in Washington, Tokio, Paris, Brüssel und London eröffnen. Deren Aufgabe wird die Beratung und Betreuung von Kunden, die PR-Arbeit für die Leistungen der "Telekom", die Beobachtung der ausländischen Märkte sowie die Kooperation mit fremden Fernmeldeverwaltungen sein.

Endgeräte-Monopol fällt im Juli 1990

Auswirkungen wird die Postreform für den bisherigen Postkunden auch bei Endgeräten haben. Geschäfte über TK-Anlagen werden ab dem 1. Oktober 1989 nur noch auf privatrechtlicher Basis (bisher hoheitlich) abgewickelt. Bestehende Verträge mit Kunden von TK-Anlagen können erfüllt oder aber neu gefaßt werden. Ab 1. Juli 1990 wird schließlich noch das Monopol bei den Endgeräten wegfallen. Telefone für den Hauptanschluß können dann im Handel frei erworben werden.