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24.02.1984 - 

DFÜ-Anwender als "Trittbrettfahrer" charakterisiert

Post nennt als ISDN-Start Anfang/Mitte 1988

BERLIN - "Das ISDN steht vor der Tor", kommentierten etliche Teilnehmer der "Online '84" in Berlin ironisch das Großaufgebot an Referenten aus den Reihen der Bundespost zum Thema "Integrated Services Digital Network" Enttäuschend bis dürftig waren dagegen für manchen DFÜ-Anwender die Statements aus dem Ministerium im Hinblick auf den weiteren Gang der Ereignisse bei den Datei-Diensten und -Netzen. Kritisiert wurden vor allem die Pläne, bei Datex-P und Datex-L "an der Gebührenschraube" zu drehen.

Wie groß das Informationsbedürfnis unter den bundesdeutschen DFÜ-Anwendern ist, machte der Online-Kongreß VI deutlich, der unter dem Oberthema "Datennetze, Netzwerkmanagement und postalische Kommunikationsdienste" stand. Alle vier Symposien waren meist bis auf den letzten Platz besetzt, bei manchen Referaten gab es sogar überfüllte Säle.

Die Frage, welchen Stellenwert die Post künftig den Datendiensten innerhalb der öffentlichen Netze zubilligt, dürfte auf der "Online" beantwortet worden sein: Im Mittelpunkt stehen die Digitalisierung des Fernsprechnetzes und der Aufbau des ISDN, die Datendienste spielen als "Trittbrettfahrer" (O-Ton Bundespost) nur eine untergeordnete Rolle.

Immerhin gibt es trotz ISDN-Euphorie einige Orientierungspunkte, an die sich Anwender in bezug auf ihre Netzplanungen halten können, wie Harald Lydorf vom zuständigen Referat "Datendienste" im Postministerium deutlich machte.

- Das "Sorgenkindi" Datex-P soll in seiner Verfügbarkeit stabilisiert werden, und man hofft, die notwendigen Arbeiten bis Mitte April abgeschlossen zu haben. Parallel dazu wird es im Frühjahr eine internationale Ausschreibung für die zweite Stufe dieses Netzes geben. Dieses Nachfolgesystem ist auf rund 100 000 Anschlüsse ausgelegt und wird "mindestens die nächsten zehn Jahre" bestehen. Gerüchte, wonach Datex-P ganz aufgegeben werde, seien daher abwegig; außerdem sprächen auch die regen internationalen Datex-P-Verbindungen gegen diese Annahme.

- Das Datex-L-Netz wird noch in der zweiten Hälfte dieses Jahres für Geschwindigkeiten von 64 000 Bit pro Sekunde ausgebaut (64-KBit-Modellnetz).

- Ab 1985 gibt es für die schnelle Datenübertragung bis 2 MBit neben terrestrischen auch Satellitenverbindungen über Telecom 1.

- Die Umstellung des Direktrufnetzes von analoger auf digitale Technik soll bis 1986 abgeschlossen sein. Die Post will sich darüber hinaus um höhere Verfügbarkeit der Leitungen bemühen.

Ohne ausdrücklich auf die künftige Gebührenpolitik bei den Datel-Diensten einzugehen, deutete Lydorf zumindest die Richtung an: "In mehreren Schritten" werde angestrebt, daß " jeder Dienst für sich kostendeckend" arbeite.

Noch gänzlich unklar scheint dagegen zu sein, wie die Daten-Dienste in das ISDN einbezogen werden sollen. Hier, so betonten Lydorf und andere Sprecher aus dem Postministerium sowie aus dem Fernmeldetechnischen Zentralamt (FTZ) in Darmstadt, "sind erste Vorstellungen da, aber konkret kann man noch nichts sagen", "müssen Auswirkungen noch formuliert werden" und "stehen endgültige Entscheidungen noch aus".

Zum Thema ISDN selbst gab es auf der Online erstmals auch öffentlich konkretere Terminvorstellungen und -planungen. Danach hat die Bundespost vor, Mitte/Ende 1986 ein zwei Jahre dauerndes Pilotprojekt in Mannheim und Stuttgart mit je 400 ISDN-Teilnehmeranschlüssen zu starten. Bereits im Dezember wurden die beiden Lieferanten der digitalen Vermittlungssysteme, Siemens und SEL, für die erste Stufe zur Abgabe eines Angebotes aufgefordert.

Anfang/Mitte 1988 sollen, wenn es nach der Post geht, dann die ersten ISDN-fähigen digitalen Ortsvermittlungsstellen serienmäßig verfügbar sein und in Betrieb gehen. Alle bis dahin bereits installierten Ortsvermittlungen werden von diesen. Zeitpunkt an umgerüstet. 1990 sollen etwa je 100 digitale Fern- und Ortsvermittlungen eingerichtet sein., über die Mehrzahl der potentiellen ISDN-Teilnehmer erreichbar ist. Etwa fünf Jahre später will man eine "allgemeine Flächendeckung" erreichen.

Detaillierte Vorstellungen über die Dienste, die im ISDN angeboten werden sollen, hat die Bundespost ebenfalls: Die Palette reicht vom ISDN-Fernsprechen über ISDN-Teletex, ISDN-Faksimile, ISDN-Textfax, ISDN-Bildschirmtext bis hin zu ISDN-"Sicherheitsdiensten" (wie Alarm- und Notrufdienste oder Telemetriedienste zum Fernmessen und Fernsteuern von technischen Anlagen). Verbindungen zu vorhandenen Netzen - allerdings mit der Einschränkung "soweit wirtschaftlich vertretbar" - sind lediglich für das analoge Fernsprechnetz (einschließlich der Möglichkeit, Daten zu übertragen) sowie für den Datex-L-Dienst mit 2400 Bit; pro Sekunde geplant.