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15.04.1983

Post: So viele Btx-Hersteller wie möglich

Mit Ministerialrat Konrad Schmidt, Leiter der Unterabteilung Datendienste im BPM, sprach Helga Biesel

- Wie lautet der aktuelle, offizielle Starttermin für Bildschirmtext und wie sieht der genaue Phasenplan derzeit aus?

Folgendes ist vorgesehen: Wir beginnen mit der Abnahme der ersten technischen Einrichtungen von IBM im November. Nach erfolgreicher Abnahme werden wir spätestens Anfang des zweiten Quartals '84 den Dienst offiziell aufnehmen.

- Was steckt hinter der Nachricht, daß die Bundespost zu Funkausstellung in Berlin dennoch einen "CEPT-Start" wagen wird?

Wir wollen auf der Funkausstellung präsent sein mit Bildschirmtext, und zwar nicht nur mit dem, was wir bisher gezeigt haben, sondern einen praktisch schon realitätsnahen Dienst bieten. Im wesentlichen heißt das, wir wollen die neuen, international schon abgestimmten Leistungsmerkmale vorführen und wollen auch neue Teilnehmer schalten. Das heißt, wir werden eine Übergangslösung konzipieren, indem wir die jetzigen Einrichtungen des Feldversuches ergänzen, etwas umstricken - das wird noch einiges kosten -, und das wird uns ermöglichen noch neue Teilnehmer zuzuschalten - keine Anbieter, sondern nur Privatpersonen. . .

- . . . und zwar bundesweit?

Ja. Wir werden uns bemühen, noch etwa 5000 Teilnehmer zuzuschalten. Diese neuen Teinehmer müssen mit neuen CEPT-fähigen Geräten ausgerüstet sein.

- Haben sie eine Vorstellung davon, was diese Zwischenlösung die Post kosten wird?

Natürlich haben wir Vorstellungen!

- Wie werden denn die Gebühren während des Provisoriums aussehen?

Die Gebühren werden sich nach der vom Verwaltungsrat am 21. März beschlossenen Verordnung richten, die bereits Übergangsverfügungen enthält. Sie tritt zum 1. September in Kraft; darüber hinausgehende Sonderkonditionen sind nicht vorgesehen. In einer Einführungsphase können wir nie flächendeckend präsent sein. Das bringt natürlich einige Härten mit sich. Es war abzuwägen: Sollen wir arbwarten, bis wir von in der Fläche präsent sind und erst zwei Jahre später kommen, oder nicht doch früher, aber mit gewissen Härten?

- Bedeutet "Härten" auch, daß die für 84 und 85 vorgesehenen teilweise halbierten Gebühren, auch zum ursprünglich kalkulierten Zeitpunkt wieder abgesetzt werden, oder ist mit einer phasenverschobenen Gebührenvergüngstigung zu rechnen?

Ab 1. September werden die Ermäßigungen gelten. Über eine Phasenverschiebung der Vergünstigungen kann der Postminister erst dann Aussagen machen, wenn klar ist, wie weit sich die Verzögerung auswirken wird. Für den Break-even-Point rechnen wir allerdings mit keiner nennenswerten Verschiebung.

- Gibt es so etwas wie einen "Normenkrieg"? Wie weit ist man im Laufe des IBM-Projektes von den ursprünglichen Spezifikationen der Einheitlichen Höheren Kommunikations Protokolle (EHKP) abgekommen in Richtung auf internationale Märkte? Es gibt ernstzunehmende Stimmen, die EHKP für restlos überholt halten.

Zum Beispiel ist das, was in Berlin demonstriert werden soll, ja wohl auch nur eine gewisse Untermenge von CEPT, genauso wie andere "national praktizierte" Videotext-Standards der Ebene 6.

Nein! Wir wollen in Berlin die vollständigen Leistungsmerkmale des CEPT bieten!

- Den gesamten Zeichenumfang?

Ja! Mit DRCS etc. Wir haben uns im Laufe der Systementwicklung von IBM an den ursprünglich vereinbarten internationalen Standard gehalten. Nur dann, wenn dieser Standard in seiner Definition oder Spezifikation Lücken hatte, haben wir diese natürlich füllen müssen, weil wir ja ein System aufbauen, was laufen muß. Wir haben schon seit Monaten eine Spezifikation fertig, die international (im Rahmen des CEPT) abgestimmt ist und die für die IBM Basis der Systementwicklung ist. Diese Spezifikation ist auch offizielle Basis für eine CCITT-Empfehlung.

Also: Diese "ernstzunehmenden Stimmen" artikulieren eine Sorge, die nicht begründet ist.

- Stichwort "Decoderkrieg": Im Postverwaltungsrat ist am 31. März in einer Sondersitzung von einer "unheiligen Allianz" gesprochen worden zwischen Btx-Decoderherstellern, die noch nicht so marktfähige Produkte wie Loewe Opta präsentieren können, und der Bundespost. Wie begegnen Sie diesem Vorwurf?

Es gibt keine Allianz. Ich halte den Verdacht für völlig unbegründet. Wir sind als Post daran interessiert, so viele Hersteller wie möglich zu haben. Daß am Anfang nur einer da ist - nun gut; wir sind froh, daß er da ist.

- Das bedeutet, daß die Endgeräte in der Zwischenphase von dieser einen Firma kommen?

Nein, wir kennen andere Hersteller in der Bundesrepublik, die auch zu diesem Zeitpunkt Geräte liefern werden.

- Die Informationspolitik der Post hat sich in Sachen Bildschirmtext etwas chaotisch dargestellt; sie gab zu vielerlei Spekulationen Anlaß. Verbirgt sich hinter der beschriebenen Vorgehensweise vielleicht eine innere Notwendigkeit? Welche?

Es gibt keine inneren Notwendigkeiten. Der Minister hat die Verwaltungsratmitglieder - sobald es ging, das war auf der Verwaltungsratsitzung am 21. März, - informiert. Die Erklärung ist aber, weil diese Sitzungen nicht öffentlich sind, möglicherweise etwas untergegangen. Die Presse hat erst eine Woche später reagiert.

- Offenbar war die Mitteilung so abgefaßt, daß man sie und ihre Tragweite nicht ganz genau verstanden hat?

Ich kann das nicht bestätigen! Die Erklärungen waren umfassend und deutlich. Darauf folgende Anfragen aus der Öffentlichkeit haben wir sofort und in gleicher Weise beantwortet.

- Der rechtliche Rahmen von Bildschirmtext steht noch zur Diskussion. Es hat Anregungen gegeben, dem Parlament ein förmliches "Bildschirmtext-Gesetz" vorzulegen. Wie stellt sich die Post dazu?

Wir halten die vorliegende Rechtsverordnung für ausreichend. Die Frage eines förmlichen Bildschirmtextgesetzes dürfte nicht mehr zur Diskussion stehen.

post Post(h)um

"Die technischen und organisatorische Vorbereitungen der Bundespost für den geplanten Beginn der Bildschirmtext-Einführung im Herbst 1983 laufen auf vollen Touren. Zwar ist der verbleibende Zeitraum für ein Projekt solchen Ausmaßes nur sehr kurz, aber eine längere Wartezeit war weder gegenüber der Wirtschaft, die Bildschirmtext gewerblich nutzen möchte noch gegenüber den Anbietern, die die Versuche von Post und Ländern mit teilweise erheblichen finanziellen Einsatz jetzt schon seit über zwei Jahren bestreiten, zu vertreten."

Statement des Bundesminister Hans Matthöfer anläßlich des 4. bundesweiten Treffens der Bildschirmtext-Anwender am 23. September 1982 in Stuttgart