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10.10.2003 - 

Deutsche und Dresdner lagern Zahlungsverkehr an Post-Tochter aus

Postbank entwickelt mit SAP

MÜNCHEN (wh) - Die Outsourcing-Welle in der deutschen Finanzbranche erfasst immer mehr Funktionsbereiche. Aus Kostengründen lagern Deutsche Bank und Dresdner Bank die Abwicklung des Zahlungsverkehrs an die Postbank aus. Gemeinsam mit SAP entwickelt die Post-Tochter dazu eine neue Softwareplattform.

Während andere Finanzinstitute zunehmend IT-Aufgaben an externe Dienstleister abgeben, geht die Postbank den umgekehrten Weg: Sie übernimmt die Abwicklung des Zahlungsverkehrs der zwei mächtigsten Konkurrenten. Gelingt der Deal, steigt das Bonner Unternehmen mit rund 5,3 Milliarden Transaktionen jährlich zum zweitgrößten deutschen Anbieter in diesem Bereich auf. Nur die zur Sparkassenorganisation gehörenden Landesbanken und Sparkassen kommen zusammengerechnet auf ein höheres Volumen, nutzen dabei aber keine gemeinsame IT-Plattform.

Die Postbank, die erst kürzlich Pläne für einen Börsengang im Herbst 2004 vorlegte, schafft sich damit neben dem klassischen Privatkundengeschäft ein zweites Standbein. "Zahlungsverkehr ist für uns ein Kerngeschäft", erläuterte Dirk Berensmann, im Vorstand der Postbank verantwortlich für den Bereich IT & Operations. "Dessen Herzstück ist die IT." Im Gegensatz zur Konzernmutter Deutsche Post, die ihre Rechenzentren an den Dienstleister T-Systems ausgelagert hat, betreibt die gelbe Bank auch die zentrale IT-Infrastruktur in Eigenregie. Berensmann: "Anders wären wir nicht in der Lage, die günstigsten Preise anzubieten." Deutsche Bank und Dresdner Bank könnten mit dem Outsourcing des Zahlungsverkehrs jährlich zweistellige Millionenbeträge einsparen.

Bis es so weit ist, müssen die Institute noch eine Reihe von Fragen klären, denn bislang sind lediglich Vorverträge unterzeichnet. Diesen zufolge übernimmt die Postbank die DB Payments AG von der Deutschen Bank und die Dresdner Zahlungsverkehrsservice GmbH von der Dresdner Bank. Ab dem Jahr 2004 sollen alle Transaktionen auf eine gemeinsame IT-Plattform überführt werden. Die Postbank entwickelt dazu mit SAP ein zusätzliches Modul für den Zahlungsverkehr. Den derzeitigen Plänen zufolge sollen sich die Großbanken die Kosten teilen. Berensmann hofft, dass SAP einen Großteil der Aufwendungen trägt. Denn das Walldorfer Softwarehaus plane, die so entstandenen Applikationen später auch anderen Großkunden aus der Finanzbranche anzudienen.

Der IT-Vorstand hat bereits einschlägige Erfahrungen mit SAP gesammelt. Zu seinen wichtigsten Projekten zählte die gemeinsame Entwicklung eines internen Buchungssystems für die Postbank. Nach seinen Angaben handelte es sich um "die weltweit erste Standardsoftware für das Kerngeschäft großer Retail-Banken". Daraus entstand das SAP-System "Account Management" (AM). In der vollen Ausbaustufe werde die Postbank damit rund 20 Millionen Konten steuern und drei Milliarden Transaktionen jährlich abwickeln. An dieses "Buchungskernsystem" will Berensmann die Software für den Zahlungsverkehr andocken.

Deutsche Bank und Dresdner Bank forcieren mit dem Deal ihre Strategie, alle Bereiche abzustoßen, die sie nicht zum Kerngeschäft zählen. Der Zahlungsverkehr rechnet sich nur bei sehr hohen Transaktionsvolumina. Fast drei Jahre lang verhandelten die Finanzkonzerne deshalb über eine Zusammenlegung. Die Gespräche, an denen zeitweise auch die Hypovereinsbank beteiligt war, scheiterten jedoch immer wieder an technischen und finanziellen Fragen. Die Hypovereinsbank verhandelt noch mit der Bayerischen Landesbank und den bayerischen Sparkassen.

Erst vergangene Woche hatte die Deutsche Bank bestätigt, wesentliche Teile ihrer Anwendungsentwicklung an externe Dienstleister abzugeben. Von der Auslagerung an die Postbank sind die rund 1065 Angestellten der DB Payment AG betroffen. Die Dresdner Bank trennt sich mit der Dresdner Zahlungsverkehrsservice GmbH von rund 1200 Mitarbeitern. Nur ein Teil dieser Arbeitsplätze wird unter dem Dach der Postbank erhalten bleiben, ist am Bonner Hauptsitz zu hören.

Branchenexperten sehen in dem Outsourcing-Deal ein Signal für eine weitere Konsolidierung im teuren Back Office der Banken. Für die Transaktionsabwicklung könnten sich in Deutschland langfristig nur drei bis vier Institute durchsetzen, lautet eine Prognose. Die Postbank jedenfalls ist "für weitere Partner offen", so ein Sprecher. Gleichzeitig erwägt das Unternehmen seinerseits, die Abwicklung des Wertpapiergeschäfts an die Deutsche-Bank-Tochter ETB (European Transaction Bank) auszulagern.