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Umstellung auf 9370 unter DPPX würde Epos-Probleme nicht lösen:

Postplaner müssen IBM-8100-Suppe auslöffeln

16.06.1989

MÜNCHEN - Die Bundespost will nun doch alle Postämter in ein durchgängiges DV-Konzept einbinden. Weil dazu Mitte der neunziger Jahre 20 000 Postschalter-PCs vernetzt werden sollen, bleiben die IBM-Midrange-Rechner 8100, für die die Postler mit großem Aufwand Software geschrieben haben, auf der Strecke. Nicht einmal die Beibehaltung des Betriebssystems DPPX ist sicher.

Ein fetter Hardwareauftrag steht der europäischen DV-Industrie ins Haus: 16 000 "Schalterteminalsysteme mit Terminaldrucker für das Projekt EPOS' werden demnächst zur Lieferung bis 1991 ausgeschrieben, wie einer Notiz im EG-Amtsblatt vom

8. Juni zu entnehmen ist. Doch um "Terminals" handelt es sich bei den Geräten für den Einsatz von DV am Postschalter' (= EPOS) streng genommen nicht. Die neuen PCs, die den Gesamtbestand an DV-Arbeitsplätzen in den Postämtern wie geplant auf 20 000 erhöhen sollen, werden nämlich fürs erste offline arbeiten. Denn ein verbindliches Konzept für die Vernetzung fehlt noch.

Beim Betriebssystem legte sich das Bundespostministerium (BPM) auf OS/2 fest; die 4000 Nixdorf-Systeme, die bereits in Deutschlands Postämtern installiert sind oder es bald werden, will man vom alten 80186-Prozessor auf den schnelleren 80286 umrüsten, damit sie OS/2-tauglich werden. Das Paderborner Produkt, das dem technischen Stand von 1985 entspricht (damals wurde dieser Auftrag vergeben), hat sich in der Praxis als zu langsam erwiesen. Mit den 300 Funktionen, die der Postbeamte damit ausfahren kann, sei die Maschine überfordert, meint Karl-Friedrich Grunewaldt, Leiter des Referats 1 1 9 /Informationsverarbeitung für das Postwesen im BPM.

In der Tat hatten Beschwerden des Verbands der Postbenutzer über Epos in der Tagespresse zu Schlagzeilen geführt wie: "Post führt Computer ein - jetzt dauert alles länger!" Um den Schalterbeamten neue Schulungen und den Kunden weiteren Verdruß zu ersparen, wollen die Postler wenigstens an der posteigenen, Epos-Benutzeroberfläche festhalten. Von IBMs "Presentation Manager" ist also keine Rede. Die eigentliche Ausschreibung mit ihren detaillierten Spezifikationen liegt noch nicht vor; Poststratege Grunewaldt will aber auf jeden Fall handelsübliche Produkte einsetzen.

Mit der für die neunziger Jahre geplanten Anbindung der Schalterterminals an die zentrale Post-DV dies war bereits bei den ersten Epos-Planungen Anfang der 80er Jahre angedacht worden - kommt aber ein neues Problem auf die Computerleute der künftigen BPM-Unternehmensbereiche Postdienst und Postbank zu. Denn die Vernetzung würde über die "mittlere DV-Ebene" der Post erfolgen, und die besteht derzeit aus gut 300 IBM-Informationssystemen Typ 8150. Doch die Produktfamilie 8100 ist seit April 1989 gar nicht mehr auf dem Markt. Wenn es nach der IBM geht, sollen die Anwender auf die neueren Modelle des Abteilungsrechners ES/9370 umsteigen, der bisher kein Renner unter den Produkten der Stuttgarter ist.

Hier bekommt das BPM schmerzlich zu spüren, wie wenig die Lebenszyklen von Computern zu den Planungszeiträumen großer Anwender passen: 1985 waren die Rechner, die unter dem Betriebssystem DPPX operatorlos laufen sollten, geordert worden - obwohl Kritiker bereits damals mutmaßten, diese technische Entwicklung werde in eine Sackgasse führen, weil sie nicht in die IBM-Mainline-Philosophie passe.

Bei neuer Ausschreibung nach allen Seiten offen

Seither entwickelten Post-Experten zusammen mit externen Beratern Applikationen wie beispielsweise die "Dezentrale Leistungs- und Kostenrechnung" (Delkos); hierbei ist für 1990 der Probebetrieb geplant, erst 1991 - also zwölf Jahre nach den ersten Auslieferungen von 8100-Geräten - steht schließlich der "Wirkbetrieb" auf dein Programm.

Ob die Bundespost an dem Außenseiter-Betriebssystem DPPX festhält, ist inzwischen fraglich. Denn in diesem Fall hieße die Alternative, entweder auf ein und derselben Ebene mit zwei Betriebssystemen zu arbeiten - DPPX für bestehende und beispielsweise Unix für neue Anwendungen - oder eben die Netzanbindung gleichfalls unter DPPX zu realisieren (wohl in der 370er-Version auf der 9370). Und das, obwohl das ursprüngliche Trägersystem gar nicht mehr hergestellt wird.

Wie Referatsleiter Grunewaldt bestätigte, wird es in absehbarer Zeit eine Ausschreibung für neue Midrange-Systeme geben, bei der wir keines der marktgängigen Betriebssysteme ausschließen". Freilich steckten "etliche hundert Mannjahre" an Entwicklungsaufwand in den DPPX-Anwendungen, und gewiß werde man nicht wieder bei Null anfangen" - wohl nicht zuletzt, weil im BPM zu viele Leute dringend auf das Kalkulationsinstrument Delkos warten. Denn die Post leidet darunter, daß die bisherige Kostenrechnung vor allem im Hinblick auf die neuen selbständigen Unternehmensbereiche - viel zu grob gerastert ist.

Grunewaldt, der die Entscheidung für 8100 und DPPX nicht zu verantworten hatte (sein Referat gibt es erst seit 1988), läßt trotz dieser Einschränkungen eine gewisse Distanz zu den Alt-Produkten erkennen: "Ich bin nicht mit DPPX verheiratet bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag." Der Bonner DV-Planer schließt nicht aus, daß das BPM mit seiner mittleren Ebene in eine andere Software-Welt migrieren könnte, sofern es Chancen gebe, die Programme weitestgehend automatisiert in diese andere Betriebssystem-Umgebung zu portieren.

Inzwischen haben die Epos-Verantwortlichen ein zusätzliches Problem zu lösen. Die Postsparkassenämter in Hamburg und München haben nämlich angesichts der schleppenden Einführung von Epos ein Pilotprojekt gestartet, in dessen Rahmen IBM-Systeme der Banken-Baureihe 4700 angeschafft werden. In den hundert wichtigsten Postämtern werden diese Spezialterminals an gesonderten Schaltern installiert, die dem Postbankdienst vorbehalten sind. Diese Systeme sollen den Postsparern ein bankenübliches Serviceniveau bescheren; am Standärd-Epos-Schalter hingegen muß der Beamte noch umständlich über ein Multitel (demnächst über eine integrierte Btx-Funktion des PC) den Kontostand abrufen.

Wenn dereinst die Integration der Schalterterminals ansteht, müssen die Entwickler in den Technischen Zentralämtern in Darmstadt - die Postbank soll ein eigenes bekommen - 4700 und Epos wieder zusammenführen. Aber diese beiden Produktlinien werden wenigstens ein gemeinsames Betriebssystem haben: OS/2.