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22.03.1991 - 

Mehrwertdienste im Wettbewerb mit kommerziellen Anbietern(Teil 1)

Postreform: Die Telekom muß ihr Angebot neu überdenken

Die Deutsche Bundespost Telekom hat als eines von drei Postunternehmen im Zuge der Postreform ihre Arbeit auf geänderter rechtlicher Grundlage aufgenommen. Die vor allem aus der deutschen Wiedervereinigung resultierenden Probleme scheinen allerdings vieles von dem zu verdecken, was an neuen, ebenfalls drängenden Aufgaben von der Telekom zu bewältigen sein wird. Der vorliegende Aufsatz beschäftigt sich mit den Auswirkungen der neuen Wettbewerbssituation auf das Dienstleistungsangebot der Telekom. Im ersten Teil untersuchen Oswald Ludwig und Hans-Detlev Schulz* die Telekom-Zielgruppe-Büro-Anwender.

Zu den wesentlichen offenen Fragen zählt vor allem die Überarbeitung eines Dienstleistungskonzeptes, das gegenwärtig noch in dem hoheitlichen Kontext interpretiert werden muß, in dem es entstanden ist. Da sich die Telekom durch die Reorganisierung der Post mit einem Großteil ihres Dienstleistungsangebotes im freien Wettbewerb mit anderen Anbietern befindet, ist es von größter Dringlichkeit, die Telekom-Mehrwertdienste auf ihre Konkurrenzfähigkeit und Zukunftschancen zu hinterfragen und das Angebot gegebenenfalls konzeptionell zu revidieren.

Der Leistungumfang der Telekom kann in die Bereiche- Monopolleistungen, Pflichtleistungen und freie Leistungen aufgegliedert werden. Während das Monopol der Telekom den konkurrenzlosen Betrieb des Netzes und des Telefondienstes sichert, wird sie bei den Pflichtleistungen und den freien Leistungen im Wettbewerb mit privaten Anbietern stehen. Welche der etablierten Telematikdienste zu Pflichtdiensten ernannt werden, ist derzeit Gegenstand von Verhandlungen zwischen der Telekom und dem zuständigen Ministerium.

Bei den freien Leistungen ist die Strategie der Telekom bereitsdeutlich geworden. Durch Firmenneugründungen und Beteiligungen wiebeispielsweise an "Eucom" nahm der Carrier den Wettbewerb auf. Wesentlich komplizierter ist die Situation im Bereich der Pflichtdienste, nicht zuletzt deshalb, weil die Telekom hier - ihrem Infrastrukturauftrag nachkommend - den Dienst in einer definierten Mindestqualität flächendeckend anbieten muß. Kommerzielle Anbieter können hingegen ihre Dienstleistung unter gleichem Namen und mit technisch kompatiblen Systemen in den für sie lukrativen Marktsegmenten anbieten.

Den Wirtschaftsseiten der Tagespresse war zu entnehmen, welches Engagement der neue Telekom-Vorstand in Verhandlungen mit dem Postministerium darauf verwendet, die Grenzziehung zwischen freien Leistungen und Pflichtdiensten zu seinen Gunsten zu gestalten. Um jedoch im Bereich der bisherigen Telematikdienste einer betriebswirtschaftlichen Kalkulation annähernd standhalten zu können, sind grundsätzlichekonzeptionelle Überlegungen angebracht.

Öffentliche Telematikdienste zeichnen sich gegenüber anderen TK-Anwendungen wie zum Beispiel dem Filetransfer dadurch aus, daß sie die Mindestqualität des Vermittlungs- und Übertragungsnetzes sowie der Endeinrichtungen definieren, die von der anbietenden Fernmeldeverwaltung garantiert werden. Darüber hinaus ist für den Anwender von Bedeutung, daß es sich die Dienstanbieter zur Pflicht gemacht haben, trotz technischer Fortentwicklung die Kompatibilität mit bereits existierenden, angeschlossenen Geräten zu garantieren.

Gegenwärtig werden von der Telekom im Rahmen der Text- und Datenkommunikation die Dienste Telex, Teletex, Bildschirmtext (Videotext), Telefax und Telebox (MHS) angeboten. Dabei unterscheidet das Postunternehmen zwischen "netznahen" und "anwendungsnahen", Diensten. Bei netznahen Diensten ist der Aufwand zusätzlich zur Bereitstellung des Netzes geringer, bei anwendungsnahen Diensten entsprechend größer. Alle oben aufgelisteten Dienste zählen zu den anwendungsnahen Services.

Als netznahe Dienste gelten zum Beispiel Datex-L, Datex-P, Temex oder das an Bedeutung gewinnende Netzwerk-Management. Ein Engagement der Telekom im Bereich der netznahen Dienste erscheint wahrscheinlich. Die Telekom besitzt großes Know-how in der Organisation und Verbindung unterschiedlicher Netze. Deshalb liegt die Folgerung nahe, daß ein Vermarkten dieses Erfahrungsschatzes insbesondere bei Großanwendern erfolgversprechend wäre. Im Gegensatz dazu erscheint die Fortführung des bisherigen Engagements in den anwendungsnahen öffentlichen Diensten als fraglich, da dieses Engagement in Teilbereichen bisher auch mit erheblichen Defiziten verbunden war und ist.

Im Vergleich zu den netznahen Diensten fällt allerdings auf, daß die Telekom für anwendungsnahe Dienste nicht nur über Know-how, sondern auch über eingespielte Arbeitsgruppen verfügt, die diese Dienste warten, vermerkten und weiterentwickeln. Sofern also ein grundsätzlicher Bedarf für anwendungsnahe Dienste ausgemacht werden kann, ist es nicht erforderlich, eine neue Infrastruktur für diese Dienste zu etablieren, sondern es empfiehlt sich, die bestehende Infrastruktur nach kommerziellen Gesichtspunkten zu aktualisieren und weiterzuentwickeln.

Im Zentrum der Zukunftsplanung für öffentliche Telematikdienste darf keine eingeschränkte Benutzergruppe stehen, wie es bei den kundenspezifischen Lösungen Filetransfer für Banken, Electronic Cash für den elektronischen Zahlungsverkehr und Elfe für die elektronische Übertragung der Fernmelderechnung der Fall ist. So wichtig und kommerziell attraktiv die eine oder andere dieser Anwendungen auch sein mag, die Unterstützung durch öffentliche Telematikdienste muß im Anspruch weiterreichen. Sie darf sich nicht nur an Großunternehmen wenden, sondern, sollte auch Klein- und Mittelbetriebe und sogar private Anwender im Auge haben.

Dreistufiges Konzept für Büro-Anwender

Dieser Anspruch ist zweifelsohne inhaltlich gerechtfertigt. Erbeschreibt darüber hinaus auch das Dilemma, in dem sich die Telekom heute zwischen Infrastrukturauftrag und privatrechtlichen Geschäftsbeziehungen befindet. Will die Telekom beidem gerecht werden, muß sie die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe für anwendungsnahe Telematikdienste klar herausarbeiten und mit aktualisierter und weiterentwickelter Technologie, in einem kommerzielltragfähigen Konzept zusammenbringen, Abstrakt kann die Zielgruppe deranwendungsnahen Telematikdienste nur einen Namen haben: Das Büro!

Im Büro werden Schriftstükke, Briefe und Dokumente erstellt, weiterbearbeitet, abgelegt und versandt. Hier kann und muß mit zunehmender Elektronisierung ein umfangreicher Bedarf dafür entstehen, daß von dritter Seite klar definierte Garantien für die zu erbringenden Leistungen übernommen werden. Dieses muß in drei Stufen erfolgen: der lokalen Unterstützung bei der Bürotätigkeit, der lokalen Kommunikation in Inhouse-Systemen (für beides übernimmt der jeweilige EDV-Hersteller die Garantie) und der offenen Kommunikation. Für den letzten Bereich gilt es zu klären, in welcher Form die Öffentlichen Telematikdienste in der Zukunft eine Chance haben.

Für eine zukunftsweisende Strategie zur Verbreitung der Dienste im Rahmen einer neustrukturierten Deutschen Bundespost Telekom sind folgende Teilaspekte zu untersuchen: die Bedarfsfelder, Liberalisierungserfordernisse und -möglichkeiten sowie die technischen Randbedingungen. Gemeinsam geben sie ein zukünftiges Diensteszenario ab, das sich aus dem Telekom-Angebot von heute evolutionär entwickeln muß.

Bei der Frage nach dem Bedarf bieten sich drei der oben genannten Dienste in der Büroumgebung heute unmittelbar an: Telefax, Teletex und Telebox. Jeder der drei Dienste deckt ein anderes Bedarfsfeld ab; das Hauptproblem ist also, die unterschiedlichen Bedarfsfelder genau zu identifizieren und die Dienste dann in einem der Postreform angepaßten Konzept mit einer integrierten Technik für die Bürokommunikation zur Verfügung zu stellen.

Edifact und EDI für spezielle Usergruppen

Der Btx-Dienst nimmt in diesem Rahmen eine gewisse Sonderstellung eine da seine zugrundeliegende Technik und sein Dienstekonzept nicht primär die kreativen Bürotätigkeiten, wie Erstellen, Weiterbearbeiten, Versenden und Ablegen von Dokumenten unterstützt. Er muß vielmehr im Zusammenging mit rezeptiven Arbeiten wie Informationsbeschaffung (Flugpläne, Telefonbuch, Veranstaltungskalender etc. ), Buchung, (Reisebüros, Flug- und Bahnreservierungen etc. ) und Bestellung (Versandhandel) gesehen werden.

Identifiziert man die Handlungsabläufe in der Bürowelt, die kreativen Arbeitsvorgängen unterzogen werden - also Nachrichten, Mitteilungen, Geschäftsbriefe und Formulare, umfangreichere Texte und anspruchsvolle Dokumente - so ist zusammen mit eben diesen Arbeitsvorgängen bereits ein Szenario des elektronisch unterstützten Büros entworfen.

Es ist die Grundthese dieses Aufsatzes, daß die drei identificharten und heute bereits technisch existierenden Komponenten (Fernkopieren, Nachrichtenübermittlung, Textkommunikation) das Bedarfsfeld der Bürokommunikation ausreichend abdecken. Hervorzuheben ist, daß in allen drei Komponenten die Übertragung von häufig genutzten Daten über Edifact oder EDI unterstützt wird.

Edifact und EDI sind nicht eigentlicher Gegenstand eines öffentlichen Dienstes, da sie als Anforderung spezieller Nutzergruppen eingestuft werden. Sie müssen (und sind) aber sehr wohl als solche Spezialanwendung im Rahmen der Bürokommunikation möglich. Es kommt nun wesentlich darauf an, daß dieser Bedarf in einer integrierten Form und Technik, unabhängig von bestimmten Endgeräten, innerhalb eines liberalisierten Dienstekonzeptes angeboten wird. Dabei müssen trotzdem die Leistungen klar identifiziert werden, die einen Mehrwert rechtfertigen.