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SAP-Software für kleine Firmen zu teuer


17.05.1996 - 

Potsdamer Mittelständler fand billigere Alternative am Main

So mancher Firmentraum scheitere an zu hoch gesteckten Zielen, sagt Harro Rhenius, kaufmännischer Leiter bei der Potsdamer HWG. IT-Dienstleister, die sich bescheidenere Aufgaben stellten, hätten dagegen gute Chancen, eine lukrative Nische zu finden. Das nach der Wende aus der zentralistisch geleiteten Potsdamer Wasser- und Abwasserbehandlung der ehemaligen DDR hervorgegangene Outsourcing-Unternehmen stehe in dieser Beziehung mit beiden Beinen auf der Erde: "Das erfordert die Eigenart unserer Klientel, bei der das Geld nicht locker sitzt", erklärt der Brandenburger.

Das knapp 100 Mitarbeiter zählende Servicehaus - Umsatz 1995: Zwölf Millionen Mark - betreut etwa 50 Kunden, zu denen vor allem Kommunen sowie Firmen der Energie- und Wasserversorgung zählen, von denen insgesamt 180000 Haushalte, 260 Wasserwerke sowie 100 Kläranlagen abhängen. Angeboten werden kaufmännische und technische Dienstleistungen: Abrechnung der Energie- und Wasserversorgung, Rechnungswesen, grafische Informationssysteme.

Bis dato war das im eigenen Rechenzentrum auf zwei Simens-Nixdorf-Großrechnern unter dem Betriebssystem BS2000 realisiert. Angeschlossen waren rund 40 Terminals sowie 60 PCs, die über T-Online (früher: Datex-J) und Datex-P eingebunden wurden. Als Anwendung diente die Standardsoftware R/2 von SAP.

R/2- und Mainframepreise vergraulten gute Kunden

"R/2 ist keine schlechte Lösung", erinnert sich der Brandenburger, aber auch daran, daß es "ein zu großer und zu teurer Spaß für uns war". Allein für die Miete des Walldorfer Pakets habe man über 60000 Mark monatlich berappen müssen. Auch der alte Wartungsvertrag für die Siemens-Anlage "hat die Kosten nach oben getrieben". Diese mußten an die Klientel weitergegeben werden. Das Resultat war: Drei große Kunden verließen den Dienstleister und sahen sich nach preiswerteren Anbietern um.

Diesem Beispiel folgte auch der Potsdamer Outsourcer. Gesucht wurde nach einem "bezahlbaren System, das die Kunden bei der Stange hält". Eine schlanke Hardwarelösung fand der Dienstleister bei der Berliner BBO Datentechnik GmbH. Das etablierte Unternehmen mit einem Umsatz im letzten Jahr von acht Millionen Mark hatte das günstigste Angebot präsentiert - "Wartung vor Ort inklusive": ein Unix-System HP 9000 mit 250 MB RAM, 256 KB Cache, 12 GB Harddisk, 48 GB DDS-2-Autoloader. Der Preis lag bei 165000 Mark. Die Vernetzung funktioniert via ISDN.

Die Alternative zur SAP-Software holten sich die Brandenburger bei der Informationstechnik für Systeme GmbH (Ifs) in Frankfurt am Main. Die 1969 gegründete Tochter der Main-Kraftwerke AG und der RWE Energie AG, Essen, setzte im letzten Jahr etwa 70 Millionen Mark um. "Europaweit", sagt Claus Hajek, Marketing-Chef des 320köpfigen Unternehmens, "werden mit unserem Energie- und Anwendungssystem EAS etwa 25 Millionen Zähler abgerechnet".

Für den deutschsprachigen Raum habe sich das "Integrierte Rechnungs- und Planungssystem" (IRP) bewährt. Das von den Frankfurtern entwickelte Produkt komme mit weniger Ressourcen aus als der Programmriese R/3, heißt es stolz. Im Zentrum der Lösung - zwischen dem Betriebssystem und der eigentlichen Anwendung - "haben wir ein Basissystem integriert".

Es sei für die gesamte Kommunikation zuständigt, biete Mehrsprachigkeit, verwalte die Daten und steuere die verwendeten Peripheriegeräte. Dabei sei es egal, so der Rheinländer weiter, welche Plattform der Kunde auf den Clients und Servern favorisiere.

Kostenersparnis von rund 40 000 Mark

Ob Windows, OS/2 oder SNIs Unix-Derivat Sinix, angepaßt werde nur über die Schnittstelle im Basissystem. Die Anwendung selbst bleibe unberührt. Das erspare dem Nutzer zeitaufwendige Voreinstellungen er könne sich sofort auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren. Etwa 4 GB belege das integrierte Paket auf dem Host.

Das Angebot vom Main hat das Brandenburger Servicehaus überzeugt. Schon aus Kostengründen: Etwa 40000 Mark im Monat betrage die Einsparung, rechnet Rhenius vor. Zur Zeit installiere man beide Abrechnungssysteme des Frankfurter Softwareunternehmens. Einschließlich Schulung der Mitarbeiter erfordere die Anwendung vergleichsweise wenig Manpower. Mit dem künftigen ISDN-Netz sollen "unsere Kunden und Standorte auch über Wide-Area-Netzwerke miteinander verbunden sein".

Bis ins nächste Jahr will das Havelländer Unternehmen weitere 300000 Mark in sein Informations- und -Kommunikationsnetz investieren. Außerdem denkt man dort darüber nach, in die Software-Entwicklung einzusteigen - ob im Alleingang oder mit Hilfe Dritter, ist noch nicht entschieden.