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09.10.1992 - 

Microsoft, Compaq und SNI als Partner im Gespräch

Power-PC-CPU von Motorola und der IBM kann an den Start gehen

MÜNCHEN (jm) - Drei Monate vor dem anvisierten Termin kündigen Motorola und die IBM die Produktionsreife des gemeinsam entwickelten Power-PC-Prozessors "601" an.

Erste mit der RISC-CPU ausgestattete Systeme will Big Blue Mitte 1993, Apple Anfang 1994 auf den Markt bringen. Außerdem wartete Motorola mit der Mitteilung auf, man stünde mit Microsoft in Gesprächen über eine Portierung von Windows NT auf die Gemeinschaftsentwicklung.

Für Überraschung sorgte die Aussage von Tobias Thuemmler, Marketing Manager Central Europe bei Motorola, man verhandele auch mit Compaq über eine Lizenzierungsvereinbarung. Compaq-Chef Eckhard Pfeiffer hatte seiner Company bekanntlich im Frühjahr 1992 eine Neuausrichtung in Sachen Produktpolitik verordnet.

Die veränderte Strategie des texanischen PC-Edelcloners sollte zunehmend auch die Klasse preisgünstiger Rechner wie der Prolinea-PCs betonen. Motorolas Aussage zeugt jedoch davon, daß Compaq dem Engagement für leistungsfähige - und teurere - RISC-Systeme noch nicht gänzlich abgeschworen hat. Neben Compaq verhandelt Motorola nach eigenen Angaben auch mit SNI.

OEMs wollen sich hoch nicht festlegen

Zum festen Kundenstamm gehören bislang lediglich die Groupe Bull, die den Power-PC-Prozessor in kommerziellen Multiprozessor-Systemen verwenden will, sowie der Elektronik- 'und Rüstungskonzern Thomson-CSF. Die Franzosen planen, den Chip in Echtzeitrechnern für militärische sowie Luft- und Raumfahrt-Anwendungen einzusetzen.

Offensichtlich wegen der zwar nicht zahlreichen, jedoch sehr interessanten Konkurrenzangebote auf dem RISC-Markt (HP, DEC, Silicon Graphics/ Mips, Sun) zögern nach Meinung von Branchenkennern potentielle OEMs noch, sich auf den IBM-Motorola-Prozessor festzulegen. Als weiteren Grund für die zögerliche Haltung möglicher Lizenznehmer des Power-PC-Chips diskutieren Insider eine unerwünschte Morgengabe: Durch die Systemanbieter IBM und Apple entstände eine abschreckende Konkurrenzsituation für OEMs.

Von besonderem Interesse und nicht ohne Pikanterie dürften die Verhandlungen sein, die Motorola im Alleingang mit William H. Gates III führt. Ähnlich wie DEC mit der Alpha-CPU und Hewlett-Packard mit der HP-PA-RISC-Plattform will sich der Prozessorhersteller und Systemanbieter aus Schaumburg im US-Bundesstaat Illinois der Zugkraft des zukünftigen Server-Betriebssystems von Microsoft versichern, um einen Markterfolg der Power-PC-CPU zu realisieren.

Auf die Frage, ob Big Blue durch diesen Schachzug des Partners nicht eigene OS/2- und AIX-Strategien durchkreuzt sähe, meinte Klaus Schröder, Manager der Motorola-Division Field Applications Engineering, trocken: "Wir haben mit der IBM ein Abkommen, das die freie Vermarktung des Power-PC-Chips durch Motorola vor. sieht. Also sprechen wir auch mit Microsoft."

Der 601-Prozessor ist der erste Baustein eines vierstufigen RISC-Produktplanes der beiden Unternehmen: Nach dem zum Einsatz in preiswerten Tischrechnern gedachten 601-Prozessor folgt Anfang 1994 der Power-PC-Chip "603". Wegen seines auf niedrigen Stromverbrauch zielenden Designs soll er in mobilen Rechnern arbeiten. In kurzen Abständen würden dann die "604"-CPU für Arbeitsplatzrechner des mittleren Leistungsbereiches sowie für das Hochleistungssegment der Workstations und Server-Systeme die "620"-Recheneinheit folgen. Beim Power-PC-Prozessor handelt es sich um die Ein-Chip-Implementation des modifizierten RISC-Power-Chips, der in IBMs RS/6000-Workstations rechnet. Motorola steuerte, das Bus-Interface aus dem 88110-RISC-Prozessor bei, das für Mültiprozessor-Unterstützung ausgelegt ist.

Als erstes System mit dem Gemeinschaftsprozessor scheint die Tisch-Workstation RS/6000, Modell 220, vorgesehen. Der unter dieser Bezeichnung heute schon verfügbare Rechner soll nach Brancheninformationen im Frühjahr 1993 eine Leistungsverbesserung erfahren, indem die bisherige Taktfrequenz von 33,3 Megahertz um etwa 25 Prozent erhöht wird. Später im kommenden Jahr soll im Zuge einer weiteren Upgrade-Aktion die bisherige Power-Chip-Implementation durch die 601-Version ersetzt werden (siehe auch Beitrag auf Seite 31).