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01.04.1994

Poweropen Association veroeffentlicht Standards Die Power-PC-Gemeinde will Intel nun das Fuerchten lehren

HANNOVER (jm) - Die Power-PC-Hersteller erregen Aufsehen: Auf der CeBIT machten sich Tausende von Messebesuchern ein Bild von der Leistungsfaehigkeit der Apple-Power-Macs, die mit dem IBM-Motorola- Prozessor ausstaffiert sind. Die Poweropen Association Inc. (PAI) hat derweil auf der Uniforum in San Franzisko grosse Teile der Spezifikationen fuer die Power-RISC-Plattform vorgestellt. Ausserdem eroeffnete die Industriegruppe eine europaeische Niederlassung in Paris.

Die Intel Corp. ist wegen der ihr erwachsenden Konkurrenz offensichtlich nervoes geworden und nimmt sich ihrer ernsthaft an: Davon zeugen Abmahnungen, die der PC-Prozessormonopolist den drei Hauptakteuren IBM, Apple und Motorola durch seine Rechtsanwaelte ueberreichen liess.

Nach Intels Darstellung verstiessen alle drei gegen das Verbot vergleichender Werbung: Die Unternehmen hatten auf ihren Staenden ein Kraeftemessen zwischen Power-Macintosh-Rechnern und Pentium-PCs veranstaltet.

Die Power-Show auf der CeBIT verfehlte ihre Wirkung nicht. Apples Stand platzte aufgrund des enormen Publikumsinteresses foermlich aus allen Naehten. Ian Diery, Executive Vice-President and General Manager der Personal Computer Division bei der Apple Inc., meldete anlaesslich der weltweiten Vorstellung der Rechner in New York, dass bereits 150 000 feste Buchungen fuer Power-Macs vorliegen. Inzwischen, so eine Apple-Sprecherin, zaehlte das Hauptquartier in Cupertino weltweit schon ueber 200000 Kaufinteressenten.

An 18 Staenden konnten darueber hinaus Power-PC-Systeme oder - Implementationen begutachtet werden. Neben Apple zeigten unter anderem Vobis - Deutschlands Primus in Sachen PC-Verkaeufe - Peacock, Parsytec und Bull Rechner mit der neuen Chiparchitektur. Adobe, Letraset, Agfa Gevaert, Claris, Graphisoft und Microsoft gehoeren zu den Unternehmen, die Software fuer die RISC-Plattform von IBM und Motorola praesentierten.

Christof Basener, Produktmarketier bei der Peacock AG, mochte die Power-PC-Euphorie nicht ganz teilen. Auf seinem System lief lediglich eine Mandelbrot-Berechnung unter Windows NT. Basener glaubt, dass eine stabile NT-Version fuer die RISC-CPU von IBM, Motorola und Apple erst Ende dieses Jahres vorliegen wird.

Momentan stecke das Betriebssystem fuer die Power-Architektur noch im Alpha-Entwicklungsstadium. Entsprechend sei mit NT- Applikationen nicht vor Anfang 1995 zu rechnen.

Auch wer mit dem Gedanken liebaeugelte, einen Power-PC-Rechner mit IBM-Board von Vobis zu kaufen, zog unbefriedigt ab. Das geoeffnete Gehaeuse des RISC-Computers gewaehrte zwar Einblicke in sein Innenleben, ansonsten stand er aber inaktiv herum. Derweil rechnete sein Power-Mac-Nachbar - der bereits in der Vobis- Angebotsbroschuere "Denkzettel" gefuehrt wird - anstandslos in der Textverarbeitung Wordperfect. Diese liegt als Power-Version bereits im Betastadium vor. Auch Microsofts Windows-Software Excel lief ueber die Insignia-Emulationssoftware Softwindows ohne Probleme auf dem Power-Mac.

Zu einer positiven Bewertung kommt auch die CW- Schwesterpublikation "Macwelt". Sie testete fuer ihre Mai-Ausgabe DOS-Windows-Anwendungen auf einem Power-Mac 8100/80. Aehnlich ihrem US-amerikanischen Mutterblatt "Macworld" kam die Muenchner Redaktion zu dem Befund, dass der groesste Teil der Intel-PC- Applikationen auf dem Power-Rechner laeuft. Ausnahme: Die Anwendungen Starwriter und Photoshop machten unter Softwindows Probleme.

Gleiches gilt fuer Pagemaker in der Version 4, das nicht mit dem im ROM-Speicher gelagerten LC-Emulator kooperierte. Die Version 5 hingegen erwies sich als lauffaehig.

Neben Apples Blitzstart sind es vor allem Meldungen aus dem Bereich der Embedded-Anwendungen, die den Eindruck festigen, dass die Power-PC-Architektur rosigen Zeiten entgegensieht.

Tom Mace, President der Poweropen Association, wies darauf hin, dass ein im Mai 1993 geschlossener Vertrag mit dem weltweit zweitgroessten Autokonzern Ford der Power-Plattform hohe Absatzstueckzahlen sichern wird. Mace rechnet mit sechs Millionen Power-PC-Prozessoren, die Ford pro Jahr in seine PKWs einbauen werde. Des weiteren haetten sich drei grosse Telekommunikations- Unternehmen auf die RISC-CPU eingeschworen.

Ein Motorola-Mitarbeiter meinte zudem, dass sich "eines der fuehrenden TK-Unternehmen Europas" entschieden habe, fuer Embedded- Anwendungen auf die Power-PC-Architektur zu wechseln.

Der Poweropen Association gehoeren als Gruendungsmitglieder Apple, Bull, Harris, IBM, Motorola, Tadpole Technology und Thomson-CSF an.

Insgesamt zaehlt die Industriegruppe ueber 180 Mitglieder. Auch das im November 1993 gegruendete Taiwan New PC Consortium (TNPC) setzt auf die Hardware von IBM und Motorola. Im TNPC sammeln sich 24 Firmen der Inselrepublik - unter anderem solche Schwergewichte wie Tatung, Mitac und DTK.

Behaelt Mace, der sich auf Industrieanalysten beruft, mit seinen Prognosen recht, so stehen die Marktchancen fuer den Power-PC-Chip gut: Apple hofft, 1994 eine Million Power-Macs absetzen zu koennen. Auch die IBM nutzt seit September 1993 fuer ihre Workstations die RISC-Bausteine. In diesem Jahr sollen zudem PC-Systeme mit der Power-PC-CPU neben IBMs Intel-Rechner treten.

Dem stehen 65000 Pentium-Chips entgegen, die Intel nach den Worten von Mace im abgelaufenen Jahr veraeusserte. Fuer 1994 prognostizieren Andrew Allison und Michael Slater, Prozessorgurus aus den USA, den Verkauf von 900000 Pentium-Systemen.

POE-Spezifikationen

Die POE-Spezifikationen (Poweropen Environment) umfassen sowohl Programmier-(APIs) als auch Binaer-Schnittstellen (ABIs). 95 Prozent liegen laut Poweropen-President Tom Mace fest. Zu den APIs gehoeren System- und Bibliotheksaufrufe, die zu Motif, X-Windows und den Macintosh-Application-Services konform sind.

Haelt man sich an die ABI-Spezifikationen, koennen die fuer unterschiedliche Hardwareplattformen geschriebenen Anwendungen ohne Rekompilierung auf den Systemen verschiedener Rechnerhersteller laufen. Bestandteil der POE-Festlegungen sind auch Spezifikationen fuer die Hardware selbst. Der Poweropen-Chef Tom Mace rechnet damit, dass ab dem dritten Quartal dieses Jahres System-, ein Quartal darauf auch Applikations-Zertifizierungen vergeben werden.