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15.09.1995

PPS-Anbieter vor grundlegenden strategischen Entscheidungen

Friedhelm Nyhuis, geschaeftsfuehrender Gesellschafter der GTT Gesellschaft fuer Technologie Transfer, Hannover

Nicht zuletzt die vom Aachener CIM-Center durchgefuehrte Untersuchung (siehe CW Nr. 31 vom 4. August 1995) zeigt: Der Markt fuer PPS-Loesungen ist in Bewegung. Lean production, Business Re- Engineering und die permanente Veraenderung der Geschaeftsprozesse stellen neue Anforderungen an die Leistungsfaehigkeit der PPS- Systeme. Hinzu kommen die Tendenzen in der Software-Entwicklung wie Standardisierung, objektorientierte Programmierung, grafische Oberflaechen, offene Systeme und Client-Server-Architekturen.

Also steht die Mehrzahl der Softwarehaeuser vor einer Ueberarbeitung beziehungsweise Weiterentwicklung der rund 200 angebotenen PPS- Produkte.

Angesichts der damit verbundenen Investitionen stellt sich die Frage nach den Alternativen, will man nicht mit einer veralteten Technologie aus dem Markt ausscheiden. Zur Zeit gibt es sechs strategische Optionen fuer die Unternehmenspolitik:

1. Die Going-alone-Strategie

2. Die Baukasten-Strategie

3. Die Branchennischen-Strategie

4. Die Kooperationsstrategie

5. Die Funktionsnischen-Strategie

6. Die Rueckzugsstrategie

Das eigenstaendige Agieren auf dem Markt - die Going-alone- Strategie - mit selbst entwickelten, umfassenden Loesungen ist die traditionelle strategische Ausrichtung. Die Entwicklung der naechsten Softwaregeneration aus eigener Kraft werden aufgrund des finanziellen und personellen Ressourcenbedarfs jedoch nur rund zehn Prozent der derzeitigen Anbieter schaffen. Hierzu sind nicht zuletzt Kenntnisse der objekt-orientierten Software-Entwicklung und die Faehigkeit zur Reduzierung der Entwicklungszeiten notwendig. Die Unternehmen muessen umdenken.

Die Baukasten-Strategie, das heisst die Beschraenkung der Entwicklung auf einen Kernbereich in Kombination mit dem Zukauf genau definierter Bausteine, ist eine Alternative zur eigenstaendigen Weiterentwicklung eines kompletten PPS-Paketes. Der Fremdbezug kann sich dabei auf Funktionsbausteine (zum Beispiel Monitoring-Funktionen, spezifische Berechnungsalgorithmen), Oberflaechenbausteine (zum Beispiel grafische Oberflaechen) oder Bausteine im Bereich des Datenbankzugriffs beziehen.

Waehrend der Zukauf von Datenbank-Tools und grafischen Oberflaechen bereits vielfach praktiziert wird, besteht im Bereich der Funktionsbausteine derzeit noch ein eingeschraenktes Angebot. Die systematische Integration der im Markt vorhandenen Bausteine in die eigene PPS-Loesung eroeffnet die Moeglichkeit, auch in Zukunft selbstaendig mit einer leistungsfaehigen, branchenuebergreifenden Komplettloesung vertreten zu sein. Ein weiterer Weg zur Sicherung einer eigenstaendigen Unternehmenspolitik ist die sogenannte Branchennischen-Strategie. Sie beinhaltet im Kern eine Spezialisierung auf die Anforderungen bestimmter Branchen. Voraussetzung ist hier jedoch, dass sich die spezialisierte Software in ein Gesamtpaket integrieren laesst.

Die Kooperation mit anderen PPS-Herstellern ist eine ebenso alte wie problematische Strategieoption. Im positiven Fall bringen die Partner ihre jeweiligen Staerken ein. In der Praxis scheitern viele Ansaetze der Zusammenarbeit zumeist an der menschlichen Komponente. Das Festhalten an gewachsenen Loesungen und die mangelnde Bereitschaft, das Know-how des Partners zu akzeptieren, lassen viele Kooperationen scheitern.

Die Funktionsnischen-Strategie, das heisst, die Konzentration beispielsweise auf BDE- oder Leitstandloesungen, kann man derzeit besonders bei Softwarehaeusern, die in Kontakt mit SAP stehen, beobachten. Die Vorteile liegen in den erheblichen Marktchancen, die aus dem Auftreten mit einem starken Partner resultieren. Die Nachteile bestehen jedoch in der Abhaengigkeit von diesem Partner. Eine eigenstaendige Marktpositionierung laesst diese Strategie in den wenigsten Faellen zu.

Beim Rueckzug auf das Feld der Individualprogrammierung faellt es schwer, von einer Strategie zu sprechen. In Kombination mit der Positionierung als Haendler, der fremde PPS-Standardprodukte vertreibt, individuell anpasst und umfassende Service- oder Supportleistungen anbietet, kann aber auch diese Option das Ueberleben sichern. Allerdings ist damit eine umfassende Neudefinition des Selbstverstaendnisses und des Leistungsspektrums notwendig.

In Abhaengigkeit von der Situation beinhalten alle Optionen Marktchancen. Wichtig ist das Bewusstsein der Unternehmensleitung, dass strategische Entscheidungen notwendig sind, um auch in Zukunft am Markt ueberleben zu koennen. Wer hier schlaeft, geht ein grosses Risiko ein.