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02.08.1996 - 

Entscheidungshilfen für Anwender

PPS-Konfiguration ist oft noch Herstellersache

Die Möglichkeiten, Standard-PPS-Produkte kundenorientiert anzupassen, ist derzeit das Thema eines von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) geförderten und vom Aachener Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) betriebenen Projekts. Anlaß für die Untersuchung gaben die strukturellen Veränderungen, die mittlerweile in der Fertigungsindustrie stattfinden und eine Veränderung der Geschäftsprozesse sowie der Planungs- und Steuerungsverfahren erfordern.

Die ersten Ergebnisse des fortlaufenden Projekts, bei dem 73 PPS- Anbieter befragt wurden, liegen nun vor. Die Hersteller sollten anhand grundsätzlicher Kriterien der Auftragsabwicklung angeben, welche Konfigurationsmöglichkeiten ihre Produkte bieten. Dieser Aspekt ist zum Beispiel dann interessant, wenn man die zeitliche Abhängigkeit planmäßiger und außerplanmäßiger Aufgaben, deren Koordination und Verantwortlichkeit darstellen will - ein Komplex, der normalerweise in Form von Prozessen modelliert wird.

Um etwa zu erkennen, wann ein Mitarbeiter welche Aufgaben erledigen muß, wird die aktuelle Situation einer Auftragsbearbeitung über sogenannte Zustandsinformationen (zum Beispiel technische Machbarkeitsstudie) abgebildet. Insbesondere dann, wenn die Aufgabenteilung über Bereichsgrenzen hinweggeht, ist es sinnvoll, diese Angaben (Betriebsdaten) im PPS-System abzubilden.

Dazu stehen produktseitig Datenfelder zur Verfügung, deren Verwendung weitgehend vorgegeben ist und anhand von Parametern variiert werden kann. Falls die vom PPS-System angebotenen Datenfelder nicht den Belangen des Unternehmens entsprechen, ist es unter Umständen notwendig, die Feldtypen zu ändern oder das Datenbankmodell um neue Felder zu ergänzen. Bei 87,7 Prozent der untersuchten Standard-PPS-Systeme lassen sich die Datenfeldtypen vom Anbieter verändern. Über die Hälfte der Produkte (53,4 Prozent) erlaubt zudem, daß die Modifikationen auch von der DV- Abteilung des Unternehmens und in elf Prozent sogar vom Endanwender vorgenommen werden können.

Ähnlich stellt sich die Situation für den Fall dar, daß in der Datenbank Felder hinzugefügt werden müssen: In 84,9 Prozent der Standard-PPS-Lösungen lassen sich weitere Datenfelder integrieren, wobei 67,1 Prozent der Systeme dieses Prozedere auch der kundeninternen DV erlauben. 13,7 Prozent der Hersteller halten die Handhabung ihrer Programme für derart einfach, daß der Anwender selbst neue Datenfelder erstellen kann.

Die Möglichkeit, alle Informationen (Zustände) eines Auftragsabwicklungsprozesses im DV-System abbilden zu können, gehört zwar zu den wesentlichen Voraussetzungen einer PPS- Einführung, dies alleine reicht allerdings noch nicht aus. Für den Anwender ist es wünschenswert, wenn das PPS-System algorithmierbare Arbeitsschritte automatisch durchführt und er über anstehende Aufgaben oder eingetretene Ereignisse informiert wird.

In der Praxis besteht beispielsweise das Problem, daß konstruktive Änderungen an bereits freigegebenen Produkten dazu führen, daß laufende Bestellungen des Einkaufs überflüssig werden. Das PPS- System sollte den Einkauf in diesem Fall zumindest auf die Änderungen aufmerksam machen.

Aus der Untersuchung geht hervor, daß lediglich 53,4 Prozent der Produkte auf solche Ereignisse mit eigenen Aktionen reagieren. Noch geringer ist mit 39,7 Prozent der Anteil derjenigen Systeme, die in solchen Fällen den Informationsaustausch zwischen den Anwendern aktiv unterstützen. Lediglich 16,4 Prozent der Lösungen erstellen für den Anwender eine aus den Ereignissen resultierende Aufgabenübersicht.

Steht das firmenspezifische Datenmodell, muß bei der PPS-Auswahl darauf geachtet werden, daß der Mitarbeiter nicht mit Informationen überfrachtet wird. Es kann daher sinnvoll sein, nicht benötigte Felder auszublenden, besonders wichtige Bereiche farblich zu kennzeichnen, neue Felder hinzuzufügen oder ganz neue Masken aufzubauen. 52,1 Prozent der PPS-Angebote erlauben das Ausblenden nicht benötigter Felder - 47,9 Prozent stellen hierfür Maskengeneratoren zur Verfügung. Das Umbenennen von Feldern ist nur in 23,3 Prozent der untersuchten Systeme möglich.

Wenn der Anwender bei Auftragsabwicklungsprozessen in mehreren Masken arbeiten muß, sollte das Programm komfortable Navigationsschaltflächen bereitstellen. Die Aufträge können schneller erledigt werden, wenn sich die Schlüsselfelder automatisch in die jeweilige Zielmaske übernehmen lassen. Diese Anforderung wird lediglich von 35,6 Prozent der Systeme erfüllt.

Neben der Online-Darstellung wird vom Anwender häufig die Ausgabe frei wählbarer Daten in Form von selbst kreierten Listen und Dokumenten gefordert. Im Einkauf oder Vertrieb erwarten viele Unternehmen, daß zum Beispiel die Gestaltung der Rechnungen und Lieferpapiere nach firmenspezifischen Kriterien erfolgt. Immerhin 75,3 Prozent der betrachteten Systeme werden dieser Anforderung gerecht.

Um den Komfort der PPS-Systeme beurteilen zu können, gaben die Hersteller auch an, von wem die Anpassung der Benutzer- Schnittstelle sinnvollerweise vorgenommen werden sollte. Dabei schätzten 32,9 Prozent der Befragten den Komfort ihres Systems so hoch ein, daß die Oberfläche vom Endanwender modifiziert werden kann. Im allgemeinen (90,4 Prozent) sieht man diese Aufgabe jedoch besser in den Händen der DV-Abteilung aufgehoben. Immerhin 6,9 Prozent der Produkte kann nur der Anbieter selbst anpassen.

Neben der Abbildung der Geschäftsprozesse ist es im Hinblick auf eine Verbesserung der PPS-Ziele wichtig, daß die Standardlösung über geeignete Planungs- und Steuerungsverfahren verfügt und diese situationsgerecht eingestellt werden können. Die Anpaßbarkeit der Verfahren und Methoden basiert in 86,3 Prozent auf Parameter- Einstellungen. Allerdings sind nur 16,4 Prozent der Systeme in der Lage, diese Verfahren regelbasiert anzupassen und zuzuordnen.

37 Prozent der Befragten geben an, daß ihre PPS-Pakete objektorientiert programmiert sind, so daß die kundenorientierten Entwicklungszeiten entscheidend verkürzt werden und eine Anpassung sogar im Unternehmen selbst möglich ist. In 35,6 Prozent der Fälle stehen laut Hersteller Programmgeneratoren zur Erstellung kundenspezifischer Anwendungen zur Verfügung.

Die Hilfsmittel zur Prozeßmodellierung haben jedoch den Nachteil, daß sie von der Mehrzahl der Endanwender nicht genutzt werden können. Diese sind dagegen gewohnt, ihren Bedarf mit Hilfe von PC- Standardsoftware wie Tabellenkalkulationen und Statistik-Tools selbst zu decken. Von Bedeutung ist deshalb auch die Online- Schnittstelle zwischen PPS und Desktop-Programmen. Derartige Interfaces für den Endanwender können eigenen Angaben zufolge 68,5 Prozent der Hersteller anbieten.

*Christoph Hannen und Reiner Schmitz sind wissenschaftliche Mitarbeiter am Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) an der RWTH Aachen.