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07.02.1986

"PPS-Systeme sind momentan ein leichtes Geschäft"

COMPUTERWOCHE sprach mit Kurt Eisele, Fachbereichsleiter PPS bei der PSI Gesellschaft für Prozeßsteuerungs- und Informationssysteme mbH, Berlin

þHerr Eisele, glaubt man den Studien und Analysen über Systeme zur Produktionsplanung und -steuerung, soll das Marktpotential in den nächsten fünf Jahren um mindestens 30 Prozent wachsen. Wird das Geschäft für Sie als PPS-Entwickler und -Anbieter künftig problemloser?

Die Prognosen kann ich aus meiner Erfahrung nur bestätigen. Die Nachfrage nach entsprechenden Systemen ist derzeit immens. Wir brauchen diesen Markt nicht mehr zu wecken. Von daher ist PPS momentan ein leichtes Geschäft. Aber die vielen Anfragen zu selektieren und auch einen Abschluß zu tätigen, ist nicht einfach.

þMit welchen Problemen haben Sie hier zu kämpfen?

Zum einen sind die Entscheidungsprozesse in den Unternehmen extrem lang. Erfahrungsgemäß beträgt die Spanne vom Erstkontakt bis zum Vertragsabschluß mehr als ein Jahr. Zum anderen ist der Wettbewerb extrem stark. Derzeit bieten in der Bundesrepublik über 100 Unternehmen PPS-Pakete an. Von der Darstellung in den Hochglanzbroschüren der Anbieter gleichen sich die Pakete teilweise wie ein Ei dem anderen - da kann jeder alles.

þWie reagieren nach Ihren Erfahrungen die Anwender auf diese Art von Information?

Im allgemeinen sind sich die Anwender durchaus im klaren, welche immense Bedeutung einem PPS-System in einem Unternehmen zukommt. Auch die relativ hohen Investitionskosten tragen zur weiteren Sensibilisierung bei. Wenn die Benutzer aber im Auswahlprozeß die Vor- und Nachteile der einzelnen Systeme beurteilen und diese bezogen auf ihre kundenspezifischen Anforderungen herausfiltern sollen, sind die meisten jedoch überfordert.

þInwieweit hat sich in den letzten Jahren die Einstellung der Benutzer zu PPS-Systemen verändert?

Die seit einiger Zeit andauernde Diskussion um Computer Integrated Manufacturing (CIM) ist auch bei den Anwendern nicht spurlos vorübergegangen. Der gehobene industrielle Mittelstand insbesondere kundenauftragsbezogene Fertiger, Einzel- oder Kleinserienfertiger, haben erkannt, daß sie mit Insellösungen über den gesamten PPS-Bereich mittelfristig nicht existieren können. Und sie messen dem PPS-System zunehmend einen höheren Stellenwert bei - nämlich als Mittelpunkt der gesamtbetrieblichen Organisation. Die User verlangen jetzt zu allen anderen Systemen Schnittstellen, sowohl zum kommerziellen Bereich als auch zu allen technischen Systemen innerhalb einer CIM-Lösung.

þDie Umsetzung dieser Forderungen erfordert bei der Entwicklung eines PPS-Systems ein entsprechend detailliertes Konzept.

Ja, die Strategien müssen stimmen. Gerade bei den auftragsbezogenen Fertigern ist die Realisierung eines PPS-Konzeptes besonders schwierig - die Probleme der Serienfertiger sind etwas einfacher zu lösen. Ein PPS-System muß besonders ausgerichtet sein auf die Arbeitsweise der Anwender, der Konstrukteure, der Angebotsersteller, also auf die sogenannten Projektanten. Wenn beispielsweise ein auftragsbezogener Fertiger für eine Vorabdisposition bei einem Exoten erst einen Artikelstamm anlegen muß, dann ist das PPS-System schlecht konzipiert.

þDer Druck auf die Durchlaufzeiten etwa im deutschen Maschinenbau ist immens und steigt ständig. Da sind Änderungen im bestehenden Konzept oder strategische Neuerungen künftig geradezu vorprogrammiert. Wie wird das in einem PPS-System berücksichtigt?

Generell muß das System sehr flexibel ausgelegt sein. Der Lebenszyklus eines PPS-Systems liegt zwischen 10 und 15 Jahren, weil es sehr aufwendig ist, ein PPS-System in eine bestehende Organisation einzubauen beziehungsweise die Organisation auf das System auszurichten. Deshalb müssen noch nach Jahren weitere "Komponenten der Zukunft'' eingebunden werden können, die man heute noch nicht erkennen oder abschätzen kann. Konkret auf die Durchlaufzeit bezogen muß zum Beispiel ein Einzelfertiger die Methode der Standardisierung, das heißt die Erhöhung der Wiederverwendung von Teilen und Baugruppen konsequent in seinem Unternehmen durchsetzen. PPS-Systeme müssen diese Vorgehensweise komfortabel unterstützen, etwa durch Suchsysteme und Möglichkeiten der Auftragskomponierung.