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08.04.1982 - 

Issco rüstet sich, um auf einem aufblühenden Teilmarkt die dominierende Rolle zu spielen:

Präsentationsgrafik - verdichtete Information

KOBLENZ - "Ehrgeizig, aber untermauert" nennt Fred Schaaf, Geschäftsführer der Issco Deutschland GmbH. Koblenz, die Plane der Muttergesellschaft Integrated Software Systems Corporation im kalifornischen San Diego, den europäischen Markt von Deutschland aus zu öffnen und dabei die Marktführerrolle zu übernehmen. Betätigungsfeld der Koblenzer ist der Markt für Hardware-neutrale Präsentationsgrafik-Software - in betonter Abgrenzung zum CAD/CAM-Geschäft.

Der europäische Markt für Computergrafik sei eben erst im Entstehen begriffen, konstatiert Schaaf und verweist dazu beispielhaft auf zwei Umstände:

1.) 1979 habe er mit eineinhalb Mann Belegschaft angefangen und seine Koblenzer Europa-Zentrale 1981 auf zehn Leute ausgebaut. Im laufenden Jahr wolle er auf 15 Mitarbeiter kommen.

2.) Die Berliner AMK-Messegesellschaft habe unlängst bekanntgegeben sie werde ab 1983 die neue Kongreß-Messe "C.A.M.P." (Computer Graphics-Anwendungen für Management und Produktivität) im Jahresrhythmus veranstalten.

Daß sich auch der Teilmarkt "Präsentationsgrafik" in Europa noch im Anfangsstadium befindet, belegt Schaaf mit weiteren Zahlenbeispielen aus dem eigenen Haus: Issco komme weltweit auf insgesamt 1000 Installationen (bei durchschnittlich 100 Benutzern je System), während Europa bisher nur 165 Issco-Installationen verzeichne. (In der Kundenliste stehen BASF, Bayer, BMW und RWE.) Allein in den USA habe Issco zwölf eigene Niederlassungen, in Europa dagegen nur fünf.

1980 habe Issco in Europa eine Million Mark umgesetzt, 1981 gut zweieinhalb Millionen, und 1982 würden es 7,5 Millionen sein, wovon auf Deutschland ein Drittel entfalle. Zielprojektion für 1986 sind nach Schaafs Worten 55 Millionen Mark Umsatz in Europa, darunter 17 Millionen in Deutschland, und in beiden Regionen ein Marktanteil von 50 Prozent.

Issco will seine Kunden von den Vorzügen überzeugen, die damit verbunden sind, wenn Managemententscheidungen nicht mehr auf Computerlisten gestützt, sondern anhand von Busineß-Grafik aus dem Computer vorbereitet werden. 60 Prozent der "Fortune Top 500" -Unternehmen in den USA, heißt es dazu, seien Issco-Kunden. Häufig, erläutert Schaaf, hätten zuerst die Führungskräfte erkannt, wie paradox es sei, in der betriebseigenen EDV zwar aktuelle Daten verfügbar zu haben, die Führungsstabssitzungen aber mit angestaubten Dias, Plantafeln oder Flip-Chart-Grafiken zu bestreiten.

Bibliothek aus 700 Unterprogrammen

Außerdem verlange das jährlich um sechs bis zehn Prozent steigende Informationsvolumen nach adäquaten Wegen, die Übersicht zu behalten. Die beiden Wege, die Issco dazu bietet, sind die Software-Pakete "Disspla" und "Tell-a-graf". Disspla existiert seit einem Jahrzehnt und ist inzwischen auf eine Bibliothek aus 700 Subroutinen zur Darstellung von Formen und Farben angewachsen.

Eine Disspla-Anwendung geht in der Regel so vonstatten, daß die Endbenutzer dem betrieblichen Rechenzentrum ihre Anforderungen mitteilen und von diesem die fertigen Grafiken geliefert erhalten. Die Disspla-Unterprogramme sind in Fortran geschrieben und können von Anwendungsprogrammen in anderen höheren Programmiersprachen aufgerufen werden. Disspla wie auch Tell-a-graf belegen nach Angaben der Koblenzer in der Regel 0,8 bis ein MB Arbeitsspeicher.

Tell-a-graf - so Issco - ist ein Dialogprogramm für Endbenutzer ohne Programmierkenntnisse, ein sogenannter grafischer Interpreter. Zur Grafikerstellung gibt der Benutzer hier Kommandos in englischer Normalsprache ein. Beide Programmpakete können nach Angaben von Issco zwei- und dreidimensionale ein- und mehrfarbige Grafiken variablen Formats erzeugen.

Für Textteile, Kommentare und Erläuterungen bieten sie 15 verschiedene Zeichensätze samt der in Europa gebräuchlichen diakritischen Zeichen. Sie sind nicht nur zu IBM-, Univac-, CDC-, Honeywell- und Siemens-Großrechnern kompatibel, sondern auch zu Super-Minis von Prime, DEC, Perkin-Elmer etc. Es gibt auch Fälle, ergänzt Schaaf, wo die Issco-Software auf einem dedizierten Minicomputer läuft.

Der von Disspla und Tell-a-graf erzeugte grafische Code wird von Interfaces für, wie Schaaf versichert, alle marktgängigen Ausgabegeräte übersetzt. Schaaf zählt dazu auf:

- Flachbettplotter von HP, Tektronix, Tewidata etc.,

- Trommelplotter von Benson, Calcomp, Zeta,

- Elektrostatische Printer/Plotter wie Versatec,

- Kathodenstrahlröhren und Rasterschirme (Tektronix, Ramtek, HP etc.),

- Belichtungseinheiten und Fotosatzgeräte zur Ausgabe von Dias und Mikrofilm.

Zur Integration in Datenbankanwendungen bedarf es bei Disspla des Programmierers, um die erforderlichen Daten zu extrahieren; Tell-a-graf kann mit einer Option "Bank Data" ausgestattet werden, die die Daten in ein interpretationsfähiges Format bringt. Schaaf verschweigt nicht, daß die Benutzerschulung in einem so neuen Gebiet wie der Präsentationsgrafik einen ziemlich großen Aufwand mit sich bringt, glaubt Issco hier jedoch gut gerüstet.

Englisch zur Fehlervermeidung

Immerhin kann der polyglotte Geschäftsführer die Schulungsveranstaltungen in deutscher, englischer oder französischer Sprache durchführen. Zudem gibt es Benutzerhandbücher und ergänzende Literatur sowie eine systemspezifische Dokumentation für den Systemmanager. Daß die Manuals in Englisch verfaßt sind, hält Schaaf für unproblematisch. "Die Kunden wollen dies so", begründet er, da übersetzte T(...)te regelmäßig Unklarheiten enthielten und Mißverständnisse auslösten.

Neben den schriftlichen Unterlagen und der Schulung umfaßt eine Issco-Installation nach Schaafs Darstellung auch das Liefern sämtlicher Software-Schnittstellen und das Testen sämtlicher Routinen in einem Paket. Dies alles zusammen, räumt er ein, ist nicht billig im Vergleichs zum Angebot des Mitbewerbs. Beunruhigt zeigt er sich davon jedoch nicht - im Gegenteil: Er habe beobachtet, daß Busineß-Grafik den Anwender erst dann zufriedenstelle, wenn die Palette der Möglichkeiten breit sei. Darum sei er versucht, dem Anwender zu raten: "Kauf Dir Low-Level-Software, damit wir uns draufsetzen können."