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E-Learning kann nur eine vor- und nachbereitende Rolle spielen


09.11.2001 - 

Präsenzseminare dominieren

E-Learning macht Unternehmerohren hellhörig: keine Reisekosten, keine Abwesenheitszeiten und damit bis zu 30 Prozent weniger Ausgaben. Aber reicht das aus, um Lernende zu motivieren? Auch im E-Learning ist die Qualität der Inhalte und deren methodisch-didaktische Aufbereitung ausschlaggebend für den Lernerfolg. Von Peter Viol*

Auf dem E-Learning-Markt tummeln sich derzeit so viele Player wie nie. Lerninhalte werden von Content-Anbietern gekauft und multimedial aufgepeppt. Das Ergebnis: ein schönes und teures Spielzeug - aber nichts dahinter. Die Qualität der vermittelten Inhalte, ihre Didaktik und auch der Lernerfolg kommen bei all dem E-Hype oft zu kurz.

Das Frankfurter Unternehmen Educational financial portal (Efiport) hat für das E-Learning aufbereitete, bankfachliche Inhalte zusammengestellt. Diese sind in über 40 Jahren Bildungsarbeit der Bankakademie e.V. entstanden. Ein Team aus Medienpädagogen, Bankbetriebswirtschaftern, Informatikern und Psychologen entwickelte diese Inhalte weiter. In Kooperation mit den Fachautoren der Akademie und deren Verlag wird das Angebot laufend aktualisiert und von Trainingsspezialisten bei Bedarf erweitert.

Flexibles Bildungsangebot gewünscht"Oft ist nur der Begriff E-Learning neu, das Angebot aber nicht mehr als eine elektronische Schiefertafel", so Joachim Hasebrook, Vorstand von Efiport. Wer beispielsweise berufsbegleitend lernt, braucht auch ein flexibles Bildungsangebot. Freie Zeiteinteilung, selbst wählbare Lernaufgaben und der ständige Austausch zwischen Studierenden und Tutoren sind für ein Selbststudium ein absolutes Muss. E-Learning bietet die Chance, alle Gestaltungs- und Wahlmöglichkeiten mit Kommunikation und Betreuung optimal zu verbinden.

Der Produktionsprozess der Inhalte in dem Frankfurter Unternehmen ist mehrstufig: Zunächst erstellt ein Fachautor den Text. Dann gliedern ihn Drehbuchautoren gemäß den Anforderungen des Internet und fügen Interaktionselemente ein. Danach wird das Web Based Training (WBT) auf Basis dieses Drehbuchs in HTML und Javascript programmiert. Die Online-Inhalte erhalten weitere Übungen und Fallbeispiele sowie Checklisten und Verweise auf zusätzlich vertiefende Informationen. Zudem wird darauf geachtet, dass pro Bildschirmseite eine Sinneinheit dargestellt wird. Teilweise werden Inhalte auch als vertiefendes Expertenwissen gekennzeichnet, um unterschiedlichen Lernniveaus Rechnung zu tragen.

Zertifikatskurse für BerufstätigeDie Zielgruppen dieses E-Learning-Angebots sind Berufstätige in Banken und anderen Unternehmen sowie interessierte Privatanleger. So wird zum Beispiel Credit Suisse Deutschland in seiner Online-Finanzakademie Efiport Inhalte zu Investmentfonds, Aktienanalysen oder Lebens- und Rentenversicherung einsetzen. Berufstätige können sich zudem in Zertifikatskursen weiterbilden. Diese Seminare handeln unter anderem von E-Commerce, Finanzmathematik, internationalem Bankgeschäft oder Projekt-Management.

Dabei kommen unterschiedliche Medien zum Einsatz. So arbeiten die Teilnehmer in Präsenzveranstaltungen wie Workshops und Repetitorien mit Fachbüchern und Studienführern. WBTs, Foren, Online-Tests und die Betreuung durch Online-Tutoren stehen allerdings im Vordergrund. Zertifizierungskurse schließen die Kandidaten mit einer Prüfung in Frankfurt ab. Darüber hinaus finden die Nutzer in themenorientierten Online-Abonnements E-Nachschlagewerke sowie Link- und Materialsammlungen.

Was die Methodik der Weiterbildungsangebote angeht, so steht für Peter Littig, Direktor Bildungspolitik und -strategie bei der Dekra-Akademie und Mitglied des Vorstands des Verband der Softwareindustrie Deutschlands (VSI), fest: "E-Learning ist zwar momentan ein viel beachtetes Thema in den Medien, tatsächlich aber dominieren im IT-Bereich traditionelle Lernformen wie beispielsweise Präsenzseminare." Ob E-Learning schließlich eingesetzt werden kann, hängt vom Seminarthema ab. Trotzdem meint Littig: "Will ich Bildung vermitteln, kann E-Learning nur eine vor- und nachbereitende Rolle spielen. In allen Bereichen hingegen, die auf Persönlichkeitsqualifikation oder kommunikative Fähigkeiten abzielen, also zum Beispiel Lehrgänge, die Mitarbeiter zu Managern qualifizieren sollen, halte ich E-Learning für weniger geeignet."

In Zusammenarbeit mit Speditionen und der Gedas-telematics GmbH entwickelt die Dekra Akademie derzeit ein Internet gestütztes Lernprogramm. Dieses informiert die Disponenten schnell und unkompliziert über neue Updates ihres Telematiksystems. Damit können Speditionen komplette Tourenpläne inklusive aller Auftragsdaten an ihre Lieferwagen senden. Dank abrufbarer Positionsmeldungen der Fahrzeuge reagieren Disponenten so rasch auf neue Situationen. Genauso schnell und effizient soll aber auch die Einweisung in das Programm geschehen. Da regelmäßige Präsenzschulungen zeit-, kostenaufwändig und teuer sind, bedienen sich die Speditionen Internet-basierter Lernprogramme.

Das WBT simuliert die einzelnen Masken des Telematiksystems wie Fahrtweg und Routenplanung und den damit verbundenen Workflow. "Unser Ziel ist es, dem Lernenden in möglichst kurzer Zeit Handlungskompetenz zu vermitteln", so Peter Brachinger, Produkt-Manager Information und Kommunikation bei der Dekra-Akademie. Ingenieure, die sowohl die Prozesse in den Speditionen als auch die Einzelheiten des Telematiksystems kennen, liefern die für die Arbeits- und Programmabläufe nötigen Inhalte.

Neuerungen sind via Browser abrufbarInternet-tauglich wird der Inhalt über HTML-Programmierung, die Neuerungen lassen sich nun via Browser abrufen. Ein visueller Sprecher führt den Lernenden in das Programm ein. Er erläutert dem Teilnehmer, welche Neuigkeiten er sich im entsprechenden Update aneignen kann. Kleine übersichtliche Lernportionen, die in einem erkennbar größeren Zusammenhang stehen, verhindern den multimedialen Overkill. "Gerade weil E-Learning eine hohe Selbstlernkompetenz erfordert, die oft erst noch erworben werden muss, sind Ziele, Inhalt und Nutzen für den Lernenden genau zu beschreiben und nachvollziehbar zu machen", erläutert Brachinger. Zu festgelegten Zeiten steht außerdem ein Online-Tutor zur Verfügung, der via Whiteboard - einer Zeichenfläche - und Chat mit den Teilnehmern kommuniziert.

*Peter Viol ist freier Journalist in München.