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17.11.2000 - 

Was bei der Einführungs eines Online-Lernsystems beachtet werden muss

Prantl: "Die größere Freiheit bedeutet auch eine höhere Eigenverantwortung

Kontinuierliches Lernen ist für Unternehmen unerlässlich, um mit der hohen Veränderungsdynamik Schritt zu halten und sich immer wieder neu im Markt zu positionieren. Das Konzept von der "lernenden Organisation" steht daher hoch im Kurs und der E-Learning-Markt wächst rasant. Hermann Prantl, Sprecher der Geschäftsleitung der Trilog Gruppe, zeigt in einem CW-Gespräch auf, welche Trends sich abzeichnen und worauf Unternehmen achten müssen, wenn sie ein Online-Lernsystem einführen. Von Marion Stürze*

CW: Worin sehen Sie die Stärke des Online-Learning?

PRANTL: In der Möglichkeit, das System zum individuellen Lernprozess-Manager für Mitarbeiter zu machen. Vor allem große Unternehmen, die mehrere tausend Mitarbeiter schulen, stellen mit Web-basierten Lernplattformen verschiedene Qualifizierungsmaßnahmen, Lerninhalte und Medien ins Intranet. Die Plattform hilft auch bei der Klärung des Qualifizierungs- und Entwicklungsbedarfs und erlaubt maßgeschneiderte Lernprozesse. Die Mitarbeiter kombinieren ihren Interessen und Zielen entsprechend ein eigenes Programm und wählen zwischen verschiedenen Lernmethoden. Die größere Freiheit bedeutet aber auch höhere Eigenverantwortung: Mit Online-Learning nehmen Mitarbeiter ihren Qualifizierungsprozess selbst in die Hand.

CW: Welchen Nutzen bringt Online-Learning den Unternehmen?

PRANTL: Jedes Unternehmen, das eine Lernplattform einführt, sollte sich bewusst sein, dass es damit seine Organisation verändert. Online-Learning wird erst dann einen Nutzen bringen, wenn Technik und Organisation zusammenpassen. Vor der Implementierung muss ein Unternehmen klären, welche Ziele es in der Aus- und Weiterbildung verfolgen will, welche Lerninhalte angeboten werden und wie die Verknüpfung mit den Arbeitsprozessen aussehen soll. Zur Investitionssicherung des Lernsystems gehört also ein maßgeschneidertes Implementierungskonzept. Dies erfordert drei Komponenten: Information, Marketing, Qualifizierung.

CW: Können Sie die drei Komponenten näher erläutern?

PRANTL: Information heißt: Die Führungsspitze des Unternehmens muss wissen, was auf sie zukommt. In einem zwei- bis dreitägigen Workshop informieren wir über den Ansatz und die Potenziale der Lernplattform und entwickeln gemeinsam mit dem Kunden einen Orientierungsrahmen sowie Vorschläge für eine Strategie. Marketing heißt, dass wir die Entscheider im Unternehmen dabei unterstützen, den Mitarbeitern die Möglichkeiten des Systems für ihre persönliche Entwicklung aufzuzeigen. Im Rahmen der Qualifizierung vermitteln wir den Anwendern Vertrauen in das System, indem wir sie schulen und im Umgang mit Online-Learning unterstützen. So findet die Lernplattform bei den Führungskräften und Mitarbeitern Akzeptanz.

CW: Wie sieht das in der Praxis aus? Welches Vorgehen empfehlen Sie den Unternehmen?

PRANTL: Wir empfehlen ein schrittweises Vorgehen und warnen vor einer Maximalstrategie, bei der die ganze Bandbreite an Modulen und Funktionen auf einmal eingesetzt wird. Unternehmen beginnen mit einem klar begrenzten Funktionsumfang und einer abgrenzbaren Zielgruppe, um Erfahrungen zu sammeln. Ein Beispiel dafür ist die Allianz. Sie hat mit einem System für die berufliche Erstausbildung begonnen, eine überschaubare Zielgruppe ausgewählt und geht mit ihren Erfahrungen jetzt daran, technische und organisatorische Fragen Schritt für Schritt zu bearbeiten. Auf dieses schrittweise Vorgehen kann kein Unternehmen verzichten, denn die Organisation durchläuft einen Lernprozess, der nicht in sechs Wochen abzuwickeln ist. Es ist sinnvoll, im Einführungsprozess regelmäßig Auswertungen vorzunehmen.

CW: Welche Lösungen und Ansätze stehen Unternehmen zur Verfügung?

PRANTL: Derzeit gibt es drei Varianten auf dem Markt. Geschlossene Systeme mit einem geringen Leistungsumfang sind rasch einsetzbar. Allerdings muss sich die Organisation des Kunden diesem System anpassen. Dieser Weg ist für Kurssysteme geeignet, die einem festgelegten Muster folgen und wenig Anpassung erfordern.

Variante zwei ist die Projektlösung. Der Kunde bestimmt in einer Vorstudie, wie sein Lernsystem aussehen soll und lässt es sich anfertigen. Dies ist die teuerste und zeitaufwändigste Lösung, weil im Dialog zwischen Anbieter und Kunde Schritt für Schritt, Funktion für Funktion, Modul für Modul neu definiert werden muss.

Variante drei sind umfassende Systeme, die nach dem modularen Konzept aufgebaut sind. Sie haben den Vorteil, dass Unternehmen rasch mit einem Basismodul Content-Management, also den Zugriff auf Medien und Maßnahmen, betreiben können. Um dieses Basismodul herum lassen sich dann nach und nach weitere Module einführen, etwa Skill-Management, Lernprozessplanung oder erweiterte Kommunikationsfunktionen wie Chat-Foren, Newsgroups oder Virtual Classrooms.

CW: Führt ein Unternehmen eine Lernplattform ein, geht es nicht nur um die richtige Technik, sondern auch um den Content. Woher bekommen Unternehmen die Lerninhalte, und wie werden sie aufbereitet?

PRANTL: Es kommt darauf an, wie das Unternehmen vorher technologisch E-Learning betrieben hat, etwa in Form von Computer Based Training (CBT) oder Web Based Training (WBT). In diesem Fall werden die Lerninhalte einfach in die Lernplattform als Medienquelle integriert. Für Unternehmen ohne diese Lernsysteme ist der einfachste Weg zum Online-Learning, zunächst einmal die vorhandenen elektronischen Materialien im Intranet zur Verfügung zu stellen.

CW: Wie sieht die Zukunft von Online-Learning aus?

PRANTL: Grundsätzlich sollten Unternehmen in eine zukunftsoffene Lernplattform investieren. Sie muss skalierbar sein und zudem die Möglichkeit bieten, Lern- und Informationssysteme in kompletten Business-Communication-Lösungen zu integrieren. Technisch ist es bereits möglich, solche Systeme zur Unterstützung des Arbeitsprozesses auf einer Oberfläche abzubilden und nahtlose Übergänge zu schaffen. Entscheidend ist, wie schnell Unternehmen künftig die Veränderungen bei der Einführung eines solchen umfassenden Lernsystems bewältigen. Im Content-Bereich geht der Trend in Richtung Modularisierung und verstärkter Interaktion, beispielsweise in Form von virtuellen Seminaren.

CW: Wird Online-Learning auch in Zukunft vor allem von großen Unternehmen eingesetzt?

PRANTL: Das Intranet-gestützte Online-Learning ja; die Lernplattform für mittelständische Unternehmen entsteht hingegen im Internet. Über Internet-Portale wird es bald möglich sein, geschlossene Benutzergruppen wie mittelständische Unternehmen mit Content-Lieferanten zusammenzubringen. Investitionen in Millionenhöhe sind damit nicht erforderlich. Je nach Nutzungsdauer fällt eine Gebühr an den Content-Lieferanten an. Das Internet bietet zudem den Vorteil, dass Unternehmen sich direkt austauschen können. Die Tendenz ist also, dass große Unternehmen individualisierte Lösungen im Intranet bevorzugen, kleine und mittelständische Unternehmen jedoch Internet-Lösungen.

CW: Was kostet die Einführung einer Web-basierten Lernplattform?

PRANTL: Die Gesamtkosten variieren sehr stark, je nachdem wie viele Module ein Unternehmen einsetzt. Ein Konzern mit beispielsweise 15000 Anwendern muss, je nach Funktionsumfang, zwischen einer und zwei Millionen Mark in eine Online-Lernplattform investieren.

*Marion Stürze ist freie Journalistin in München.

Das UnternehmenDie Trilog Gruppe, Kirchheim bei München, ist auf IT- und Media-Dienstleistungen spezialisiert. Im Bereich E-Learning bietet Trilog neben der Lernplattform "ILF" (Information and Learning Framework) eine Online-Learning-Lösung für die berufliche Erstausbildung an, das "Azubi Lern Forum" (ALF). Die Lösung zum Generieren von Online-Hilfen "Assistware" komplettiert die Learning-Produktpalette. Darüber hinaus liefert Trilog seinen Kunden Lern-Content und unterstützt große Unternehmen bei komplexen Systemeinführungsprojekten. Zu den Kunden der Learning Division zählen die Allianz Versicherungs-AG, der Versicherungsverbund Parion oder die Westfälische Provinzial.