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11.10.2002 - 

Kompakte Lektüre für Systemarchitekten

Praxiswissen zur Anwendungsintegration

MÜNCHEN (ws) - Enterprise Application Integration (EAI) ist zweifellos ein Modethema, und Hersteller bewerben oft die Wunderwirkungen ihrer Tools. Wolfgang Keller hingegen nährt keine Illusionen über das mühselige Geschäft der EAI. Er beschreibt viele Verfahren und Werkzeuge, auf die Projekte zurückgreifen können.

Mit der Entstehung eines Milliardenmarkts für EAI rühren Hersteller und Dienstleister kräftig die Werbetrommel für die Integration alter und neuer Anwendungen. Wenn Insellösungen dann generell als inakzeptabel dargestellt werden, gerät das eigentliche Anliegen hinter derartigen Projekten gelegentlich in Vergessenheit. Der Autor beschreibt den Zweck von EAI einfach damit, dass Anwendungen, die nur Teilaufgaben eines Geschäftsprozesses abdecken, in einem einheitlichen Vorgang zusammenspielen sollen.

Eine Reihe von ökonomischen Trends verstärkt die Notwendigkeit für derartige Unterfangen. Wolfgang Keller nennt unter anderem die B-to-B-Integration, die Verbreitung von Standardsoftware für ERP sowie Fusionen zwischen Unternehmen. Auch wenn der Autor die firmenübergreifende Anwendungsintegration etwa bei E-Commerce-Projekten nicht zu EAI zählt, so bedienen sich diese doch weitgehend der gleichen Techniken. ERP-Pakete andererseits decken häufig nur sekundäre Geschäftsprozesse wie Rechnungswesen oder Materialwirtschaft ab und müssen oft mit proprietären, wettbewerbskritischen Anwendungen kommunizieren.

Wahl der Integrationsmethoden

Nach allgemeinen Erörterungen darüber, wann EAI sinnvoll sein kann, geht der Autor auf einige spezifische Anwendungsfälle ein. Dazu zählen etwa Multichannel-Architekturen für den Vertrieb oder so genannte Trade Rooms.

Zu Beginn eines EAI-Projekts stehen die Verantwortlichen vor vielen grundlegenden Designentscheidungen. Dazu gehören etwa die Wahl der Integrationsmethoden, sei es über die Benutzer-Schnittstelle, über Funktionsaufrufe, Datenbanken oder Komponenten. Das Buch stellt die Vor- und Nachteile der wichtigsten Verfahren dar und kommt zum Schluss, dass bei größeren Projekten meist eine Mischung diverser Ansätze unvermeidbar ist. Zu den technischen Weichenstellungen gehören außerdem die Wahl der Kommunikationsmodelle (synchron versus asynchron). Das Buch gibt hier einen ausgezeichneten Überblick über die unterschiedlichen Middleware-Optionen.

Die Festlegung auf eine grundsätzliche Vorgehensweise schließlich bestimmt, welche Werkzeuge in Frage kommen. Der Autor stellt eine "Taxonomie typischer EAI-Funktionalitäten" zusammen, die bei der Wahl des richtigen Integrations-Servers helfen soll - soweit überhaupt einer benötigt wird. Ein kurzer Abschnitt beschreibt zudem, welche Aufgaben Data-Warehouse-ETL-Tools (ETL = Extraktion, Transformation und Laden) bei EAI übernehmen können.

Neben den Integrationswerkzeugen von EAI-Spezialisten kommen auch Applikations-Server der großen Plattformanbieter für die Anwendungsintegration in Frage. Ein kurzer Abschnitt betrachtet daher Java 2 Enterprise Edition (J2EE) aus der EAI-Perspektive. Darüber hinaus widmet der Autor Microsofts EAI-Strategie ein eigenes Kapitel. Dabei spielt die Biztalk-Initiative inklusive des dazugehörigen "Biztalk Server" eine zentrale Rolle. Die mittlerweile als Integrationstechnik hoch gehandelten Web-Services dienen Microsoft im Rahmen von .NET generell als Mechanismus für die Entwicklung verteilter Anwendungen. Daher bespricht Wolfgang Keller die für Web-Services relevanten Standards in diesem Zusammenhang. Bei dieser Gelegenheit beschreibt er auch die mögliche Funktion einiger ".NET Enterprise Server" innerhalb eines EAI-Projekts.

Zahlreiche Praxis-Tipps

Nach all den Informationen, die bei der Auswahl der richtigen Werkzeuge helfen sollen, erhält der Leser noch praxisnahe Tipps im Umgang mit EAI-Verkäufern. Der Autor widerlegt zu diesem Zweck eine Reihe von typischen Marketing-Sprüchen der Hersteller.

Insgesamt enthält das Buch eine Vielzahl von essenziellen Informationen für EAI-Verantwortliche. Dabei glänzt es besonders durch die Vermittlung reicher praktischer Erfahrung. Die Einschränkung des Autors, dass sich das Buch wegen der einschlägigen Praxisberichte vornehmlich für Leser aus dem Versicherungs- und Bankengewerbe eigne, kann man getrost vergessen. Vielmehr lohnt sich die Lektüre für jeden, der sich mit Techniken und Problemen komplexer Softwarearchitekturen auseinandersetzen muss.

Wolfgang Keller: Enterprise Application Integration. Erfahrungen aus der Praxis. Heidelberg: Dpunkt 2002. 220 Seiten, 39,00 Euro.