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16.03.2001 - 

Geschäftsmodelle für den E-Commerce/Schnäppchenjagd im Netz

Preis-Leistungs-Vergleiche sind beliebt

Internet-Vergleichsdienste liegen im Trend. Häufig wird dabei nicht nur der günstigste Preis ermittelt. Speziell für komplexe Dienstleistungen - etwa im Banken- und Versicherungssektor - stehen dem Kunden umfassende Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten zur Verfügung. Von Klaus Manhart*

Online angebotene Preisvergleiche erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Immer mehr Schnäppchenjäger wollen sich die Mühe des eigenhändigen Suchens ersparen und steuern die Sites spezieller Online-Dienstleister an, die bei Shopping-Touren, Versicherungsabschlüssen oder der Telefontarifauswahl den günstigsten Anbieter ermitteln. Einer Umfrage des Hamburger Forschungs- und Beratungsunternehmens Mediatransfer zufolge nahm im vergangenen Jahr jeder dritte Surfer die Leistungen von Preisvergleichsdiensten in Anspruch. Knapp die Hälfte der Befragten gab an, Online-Services dieser Art in Zukunft häufiger nutzen zu wollen. Die Kunden erwarten von solchen Dienstleistern vor allem Aktualität, Herstellerunabhängigkeit sowie das Einbeziehen möglichst vieler Anbieter.

Keine Zeit zum PreisvergleichReine Preisvergleichsdienste suchen für den Kunden einfach den günstigen Anbieter - ein Verfahren, das sich vor allem für wenig erklärungsbedürftige Artikel eignet und voraussetzt, dass der Kunde genaue Vorstellungen von dem gewünschten Produkt hat. Ein Beispiel für einen solchen Dienst ist Preisfinder.de: Hier gibt der Anwender in ein Online-Formular ein, welches Produkt - Hersteller, Modell und Preis - er sucht. Ab einem Auftragswert von 750 Mark werden die Preisfahnder aktiv und machen sich auf die Suche nach einem günstigeren Anbieter, den sie dann dem Kunden mitteilen. Nennt Preisfinder.de dem Kunden die Adresse des Händlers, wird die Differenz zwischen den Preisen der beiden Anbieter aufgeteilt: Zwei Drittel der ersparten Kaufsumme erhält der Kunde, das übrige Drittel bekommt der Preisvergleicher, der sich ausschließlich über diese Gebühren finanziert. Der Kunde zahlt den vereinbarten Preis an den Händler, das Preisfinder-Honorar wird gesondert in Rechnung gestellt.

Laut Firmensprecherin Elke Push basiert die Geschäftsidee von Preisfinder.de auf der Tatsache, dass viele Verbraucher nicht die Zeit haben, selbst Preisvergleiche durchzuführen. Zudem kann der Dienst häufig günstigere Preise herausschlagen: "Als Großanfrager erhalten wir bei den meisten Händlern Sonderkonditionen, die direkt an den Kunden weitergegeben werden." Recherchiert wird nach allem, was der Markt zu bieten hat. Nur bei Reisen und Dienstleistungen verweist Preisfinder.de den User an spezialisierte Agenturen.

Mehr Transparenz im NetzAndere Anbieter konzentrieren sich auf bestimmte Marktsegmente. Evendi.de beispielsweise ist ein bundesweiter Preisvergleichsdienst für Produkte aus den Bereichen Computerhardware, Software, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik. Der Dienst wurde im Sommer 1997 unter dem Namen "Hardware-Guide" bei AOL mit dem Ziel gegründet, für mehr Preistransparenz zu sorgen. Ein Jahr später erfolgte der Schritt ins Web.

Evendi.de bietet den Einzelhändlern eine Plattform, mit der sie sich einer größeren Kundschaft präsentieren können, als dies mit ihrem eigenen Shop möglich wäre. Der Kunde wiederum findet auf Evendi.de laut Mitgründer Malte Schiphorst detaillierte Produktinformationen, "die einen großen Transparenzfortschritt gegenüber herkömmlichen Informationsmöglichkeiten darstellen."

Virtuelles EinkaufszentrumUm beide Interessen zusammenzuführen, entwickelte Evendi.de ein virtuelles Einkaufszentrum mit unabhängigem Preisvergleich. Neben Werbeeinnahmen finanziert sich Evendi.de über Gebühren, welche die teilnehmenden Händler für die Herstellung des Kontakts zu den potenziellen Kunden an Evendi zahlen. Die Höhe der Provision hängt davon ab, wie hoch das Interesse der Anwender an den jeweiligen Produkten ist. Für die Verbraucher ist die Nutzung von Evendi.de kostenlos.

Weiter als die einfachen Preisvergleicher gehen Dienste, die auch andere Kriterien miteinbeziehen. Pricecontrast.com etwa sucht nicht nur nach einem günstigen Anbieter, die Produkte und Online-Shops werden auch von bisherigen Käufern bewertet. Die Bestellung kann der interessierte User direkt nach seiner Registrierung online angeben, PriceContrast leitet sie dann an den jeweiligen Anbieter elektronisch weiter und schickt dem Kunden eine Order-Bestätigung per E-Mail. Wer dagegen nicht zu den gebotenen Konditionen einkaufen möchte, trägt seinen Wunschpreis in eine vorgegebene Maske ein und wird per E-Mail informiert, sobald die Ware zum genannten Preis verfügbar ist.

Bewertung durch bisherige KäuferGegründet wurde der Service von Harald Meurer und Matthias Pirner in der Überzeugung, dass nur eine Plattform, die alle Prozesse der Kaufentscheidung abdeckt, auf lange Sicht erfolgreich sein kann. Bei einem Partner im Internet, der diese Prozesse möglichst geschlossen anbiete, kaufe der Kunde regelmäßig. "Dies zeigt auch unsere überdurchschnittlich hohe Wiederkaufsquote", so Meurer. Die Produktpalette von PriceContrast reicht von Computer und Unterhaltungselektronik über Waschmaschinen bis hin zu Wein und Beauty-Artikeln. Rund 400000 User pro Monat - quer durch alle Altersgruppen und demografische Strukturen - tummeln sich dem Mitbegründer zufolge auf der Plattform. Pricecontrast finanziert sich wie Evendi.de über Werbeeinnahmen sowie über Verkaufsprovisionen, welche die Handelspartner bei erfolgreich abgeschlossenen Transaktionen an den Dienstleister abführen. Für den Käufer ist der Service kostenlos.

Aber auch Dienstleistungen sind ein beliebtes Betätigungsfeld der Preisvergleicher. Groß ist die Nachfrage zum Beispiel nach Websites, die den Markt für Telefon- und Internet-Tarife unter die Lupe nehmen. Die ständigen Preisschwankungen sind für preisbewusste Internet-Surfer ein großer Anreiz, solche Angebote zu konsultieren. Licht in den Dschungel der Internet-Tarife bringen will zum Beispiel die Website Onlinekosten.de. Nebem einem Preis-Leistungs-Vergleich von Telefon- und Internet-Tarifen beantwortet der Dienst auch konkrete Fragen - etwa: Wer bietet zur Zeit die günstigsten Online-Tarife? Welcher Provider hat den schnellsten Internet-Zugang? Welche Flatrate-Anbieter sind zu welchen Konditionen am Markt? Die Finanzierung erfolgt über Werbeeinnahmen und Provisionsgeschäfte.

Durchblick ohne langes SuchenEinen ähnlichen Service bietet Rainbowtarife.de: Hier findet der Besucher ohne Datenbankabfrage und lange Suche Telefon- und Online-Tarife auf einen Blick. Die Geschäftsidee stammt von Michael Radtke und Burkhard Uhde, die sich bei einer Steuerberatungssozietät mit dem Thema Telefonkostenminimierung beschäftigten. Als Vorlage für Kollegen und Arbeitgeber entwarfen sie eine Excel-Tabelle mit den jeweilig günstigsten Telefonanbietern. Nach kurzer Zeit war die Liste so gefragt, dass sie auch extern weitergegeben wurde.

Aus der Idee entstanden seit dem Web-Launch im April 1999 eine umfassende Übersicht aller Internet-by-Call-Anbieter in der Reihenfolge ihrer Preise, ein Kurzüberblick mit fünf Anbietern im Bereich Call-by-Call (national/mobil/Ausland) sowie ein Vergleich der Versender von SMS-Kurznachrichten im Web - ein Bereich, der sich wachsender Beliebtheit erfreut. Aktuelle News und kostenlose E-Mail-Accounts runden das Angebot ab. Rainbowtarife.de ist bislang ein reines Privatprojekt und arbeitet laut Mitbegründer Burkhard Uhde noch nicht profitabel. Um zumindest einen Teil der Ausgaben zu decken, finanziert sich das Startup über Sponsoring-Maßnahmen und Bannerwerbung.

Während bei den meisten Vergleichsdiensten der Preis im Vordergrund steht, gibt es speziell im Dienstleistungssektor zahlreiche Produkte, für deren Kauf auch andere Kriterien maßgebend sind. Ein typisches Beispiel sind Finanzdienstleistungen und Versicherungen: Die Wahl einer Geldanlage oder Versicherung hängt von diversen Faktoren ab - etwa von der Risikobereitschaft beziehungsweise den Lebensumständen des potenziellen Käufers. Vergleichsdienste, die in diesem Segment tätig sind, brauchen ein wesentlich ausgefeilteres Analyseinstrumentarium als die reinen Preisvergleicher.

Die Kölner Onvista AG (www.onvista.de) zum Beispiel bietet Vergleichsdienste rund um Aktien, Neuemissionen, Optionsscheine, Investmentfonds und Versicherungen. Bestandteile der Aktieninformationen sind unter anderem Realtime- und Neartime-Kurse zu allen 9000 in Deutschland handelbaren Papieren sowie interaktive Vergleichstabellen und Analyse-Tools. Auch zu den 20000 hierzulande handelbaren Optionsscheinen und den derzeit rund 4300 Investmentfonds bietet das Unternehmen individuelle Such- und Vergleichsmöglichkeiten.

Über solche Online-Tools erlaubt es Onvista.de seinen Kunden, sich schneller, besser und aktueller zu informieren, als ihnen das etwa über Print-Medien möglich ist. Dank relationaler Datenbankstrukturen sind alle Informationen beliebig miteinander verknüpfbar. Auf diese Weise sind laut Onvista umfangreiche Vergleiche möglich: innerhalb des gleichen Landes, des gleichen Indizes, der gleichen Branche - jeweils nach individuell wählbaren Parametern. Hinzu kommen intelligente Analyse-Tools - etwa die "Risk-Return-Map", mit der sich das Risiko und die Performance einer Aktie ins Verhältnis setzen lassen. Mittlerweile ist das 1998 gegründete Unternehmen mit - so die Firmenangaben - mehr als 80 Millionen Page Impressions pro Monat eines der meistgenutzten Finanzportale Deutschlands.

Die Finanzierung erfolgt über Lizenzen, Werbung und E-Commerce. Die größte Einnahmequelle ist das Lizenzgeschäft: Laut Firmensprecherin Anja Seipp werden hier rund 60 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet. Die Datenbank mit Wertpapier- und Finanzmarktinformationen sowie volkswirtschaftlichen Rahmendaten verkauft Onvista.de an derzeit rund 40 Lizenznehmer - in erster Linie Finanzdienstleister wie die Advance Bank, Consors, Deutsche Bank 24 oder Direkt Anlage Bank. Wegen des modularen Aufbaus der Onvista-Datenbank lassen sich diese Informationen laut Seipp individuell auf die Abnehmer zuschneiden: "Der Kunde bestimmt selbst, welche Bestandteile unseres Informationsangebots er auf welche Art und Weise in seine Website integriert."

Ein zweites Standbein sind Werbeeinnahmen. Rund 35 Prozent steuert das Geschäftsfeld Werbung derzeit zum Gesamtumsatz von OnVista bei.

Eine weitere Einnahmequelle sind E-Commerce-Aktivitäten, die Onvista über Erlösbeteiligungsmodelle abrechnet - etwa die Entwicklung und Vermarktung von Finanzprodukten.

*Klaus Manhart ist freier Journalist in München

Abb: Preisvergleich im Web

Wie häufig planen Sie in Zukunft Preisvergleichsdienste zu nutzen? Quelle: Mediatransfer