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05.09.1997 - 

Klage gegen die neuen Modalitäten der Fusion angestrebt

Preisdrückerei durch BT bringt MCI-Aktionäre auf die Palme

BT wird jetzt für die 80 Prozent der MCI-Anteile, die dem Unternehmen noch nicht gehören, den MCI-Anteilseignern pro Aktie 3,75 BT-Aktien plus 7,75 Dollar bezahlen. Auf der Basis des aktuellen MCI-Kurses würde sich so ein neuer Kaufpreis von knapp 19 anstatt der zunächst vereinbarten 24 Milliarden Dollar ergeben. Das ursprüngliche Angebot an die MCI-Aktionäre sah 5,4 BT-Aktien und sechs Dollar pro MCI-Anteilsschein vor.

Die erneuten Verhandlungen waren notwendig geworden, nachdem die institutionellen BT-Anleger aufgrund schrumpfender Gewinne und unerwartet hoher Anlaufverluste von MCI im lokalen US-Telefongeschäft starken Druck auf das Management des Londoner Carriers ausgeübt hatten. Anfang Juli hatte MCI überraschend erklärt, daß allein in diesem Jahr im kürzlich aufgenommenen Wettbewerb mit den regionalen "Baby-Bell"-Gesellschaften ein mit rund 800 Millionen Dollar doppelt so hoher wie ursprünglich geplanter Verlust anfallen würde. Gleichzeitig wurde für 1998 ein noch größeres Minus in Aussicht gestellt.

Daß es den Briten jetzt gelungen ist, eine so deutliche Reduzierung des Übernahmepreises durchzusetzen, wurde in Branchenkreisen dennoch mit einer gewissen Überraschung registriert. Nicht wenige Experten hatten damit gerechnet, daß die MCI-Verantwortlichen hart bleiben und notfalls den Merger sogar platzen lassen würden.

MCI benötigt einen starken Partner, um den Vorstoß in das in den USA seit dem vergangenen Jahr liberalisierte Ortsnetzgeschäft finanzieren zu können, interpretiert man nun das Zugeständnis der Amerikaner. Dies um so mehr, da dem US-Branchenzweiten auch im bisherigen Kerngeschäft der Ferngespräche durch neue Wettbewerber die Felle davonzuschwimmen drohen. BT seinerseits ist dringend auf einen Zugang zum US-Markt angewiesen, den sich die großen europäischen Wettbewerber des Unternehmens, France Télécom und Deutsche Telekom, durch ihre Allianz mit Sprint (Global One) längst gesichert haben. Zudem wird die "Vernunftehe" der beiden Carrier, die sich mit einem erneuten Partnerwechsel äußerst schwer getan hätten, von Experten auch auf die zunehmend als Bedrohung empfundene Konkurrenz durch das Internet gewertet (siehe Kasten).

An der Hauptzielsetzung des neuen Unternehmens Concert, neben der Spitzenposition im weltweiten TK-Markt auch nennenswerte Marktanteile im ehemaligen Revier der früheren US-amerikanischen "Baby Bells" zu erobern, soll sich nichts ändern. Synergieeffekte sollen jedoch die dabei unabdingbaren Anlaufverluste so gering wie möglich halten. Zuversicht schöpft man auch aus der relativ guten Marktposition des schon bestehenden gleichnamigen Joint-ventures beider Gesellschaften, das bis dato internationale Daten- und Sprachdienste anbietet und erst unlängst weitere bedeutende Großkunden gewinnen konnte.

Ob der neue Mega-Carrier allerdings Anfang 1997 an den Start gehen kann, ist immer noch ungewiß. Zwar wurde nun durch das von der Federal Communications Commisssion (FCC) erteilte grüne Licht auch die letzte kartellrechtliche Hürde genommen, gleichzeitig müssen jedoch die Aktionäre beider Gesellschaften den geänderten Verträgen in außerordentlichen Hauptversammlungen noch zustimmen.

Vor allem auf das Plazet der MCI-Anteilseigner ist man gespannt, denn diese haben sich jetzt nicht nur mit einem voraussichtlich rund 20 Prozent geringeren Kaufpreis zu begnügen, sondern werden auch mit nur noch 25 statt den geplanten 33 Prozent an der neuen Company beteiligt sein. Entsprechend groß ist dort offenbar der Unmut hinter den Kulissen. Das MCI-Management habe sich über den Tisch ziehen lassen, heißt hinter vorgehaltener Hand, und nach einem Bericht der britischen Zeitung "The Independent" haben sich einige der institutionellen Anleger bereits organisiert und bereiten eine Gruppenklage gegen den US-Carrier vor.

Neue Konkurrenz im Netz

Die auf der IFA '97 angekündigte Beteiligung der Deutschen Telekom AG am israelischen Internet-Telefonie-Spezialisten Vocaltec wirft (auch) ein neues Licht auf die internationale TK-Szene und gibt demzufolge im Zusammenhang mit der Fusion von BT und MCI Anlaß zu Spekulationen: Den global agierenden Carriern dürfte, so Experten, in Zukunft nicht nur der zunehmende Wettbewerb untereinander in ihren bisherigen Kerngeschäftsfeldern Daten- und Sprachdienste sowie Mobilfunk zu schaffen machen, sondern auch das Internet - insbesondere in Form der Telefonie via World Wide Web. Marktforscher gehen davon aus, daß allein BT im Jahr 2005 Umsatzeinbußen von rund 105, die Deutsche Telekom sogar von mehr als 170 Millionen Dollar durch die neue "Konkurrenz im Netz" wird hinnehmen müssen. Dies übrigens ungeachtet dessen, daß ein Teil der Umsätze der Anbieter von Internet-Telefonie den Carriern durch die Bereitstellung von Internet-Backbones wieder zurückfließt. Ähnlich wie Microsoft verspätet auf den Internet-Zug aufsprang, dürften die großen Netzbetreiber hier massive Anstrengungen unternehmen, verlorenes Terrain zurückzuerobern, heißt es. Fusionen und Allianzen scheinen daher auch aus diesem Grund zweckmäßig - Kostenminimierung, Synergieffekte bei der Entwicklung innovativer Lösungen sowie der Glaube an eine aufgrund von Größe gegebenen Marktdominanz lassen grüßen!