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05.02.1988 - 

US-Branchenkenner erwarten Shake-out in den nächsten zwei Jahren:

Prime drängt in Minisupercomputer-Markt

WIESBADEN (cp) - Mit ihrem ersten Minisupercomputer hat die Prime Computer Inc. jetzt ein Marktsegment betreten, das US-Branchenanalysten zufolge von den ersten Ausläufern eines Tiefs gestreift wird. Der von Cydrome Inc. entwickelte Rechner namens MXCL 5 soll Prime in diesem Bereich einen Vorsprung vor DEC und IBM verschaffen.

In den schnell wachsenden Minisupercomputer-Markt, angeführt von Convex Computer im fahre 1984, sind laut Wall Street Journal seither so viele Mitbewerber eingestiegen, daß die Gewinne in jüngster Zeit für den einzelnen nicht mehr befriedigend ausfielen. "In diesem Marktsegment gibt es kaum noch Luft, und die Preise sinken in den Keller", sagte ein Marktforscher der Gartner Group, Stamford. Prime werde sein Marketing daher baldmöglichst verbessern müssen.

Ein weiterer Branchenbeobachter erwartet, daß innerhalb der nächsten zwei Jahre der Minisupercomputer-Markt ausgedünnt werde, weil viele kleinere Anbieter mit Preisnachlässen ums Überleben kämpfen würden. Nach den Recherchen des Wall Street Journal sind bislang mindestens drei Hersteller aus dem Rennen ausgeschieden, da ihre Geldgeber sich weigerten, weitere Mittel fließen zu lassen.

Das Marktforschungsunternehmen Hambrecht & Quist Inc. rechnet für dieses Jahr mit einem Wachstum in diesem Marktsegment von 55 Prozent (von 225 Millionen Dollar auf 350 Millionen Dollar). Bis 1991 prognostizieren die Analysten ein Volumen von einer Milliarde Dollar. Prime werde in diesem Bereich zwar Fuß fassen, dabei jedoch Convex und Alliant nicht von ihren Positionen verdrängen können, glaubt Jeffrey Canin, Mitarbeiter bei Hambrecht & Quist.

Das junge kalifornische Unternehmen Cydrome Inc., an dem Prime mit knapp 20 Prozent beteiligt ist, hat den Minisupercomputer speziell für rechenintensive, numerische Anwendungen konzipiert. Das System arbeitet nach der sogenannten "Directed-Dataflow-Architecture". Der zentrale numerische Prozessor besteht aus sieben Funktionseinheiten, die arithmetische, logische und Adreß-Operationen parallel ausführen können. Der Rechner bietet 256 MB Hauptspeicher für den numerischen Prozessor und weitere 64 MB zur Unterstützung der interaktiven Prozessoren. (Genaue Leistungsdaten siehe Kasten).

Seinen Haupteinsatz soll der MXCL 5 nach den Vorstellungen von Prime als Abteilungsrechner leisten, der im Netzverbund mit Superminis und Workstations rechenintensive Operationen durchfuhrt. Die Anbindung erfolgt über die Netzwerkprotokolle IEEE 754 Gleitkommaformat, IECE 802.3 Ethernet und TCP/IP. An Anwendungssoftware für technisch-wissenschaftliche Zwecke kann Prime vorerst nur das Paket Fidap für Strömungsdynamik vorweisen. Das Unternehmen bemüht sich eigenen Aussagen zufolge darum, weitere Third-Party-Software auf die Maschine zu portieren. Die Bemühungen konzentrieren sich zunächst auf die Bereiche Finite-Elemente-Analysen, Quanten-Chemie und Molekül-Modelling.

Einsatzmöglichkeiten sieht Prime ferner im Finanzwesen, in der Automobilindustrie, im Transportwesen sowie in der Fertigung. Die weiteren Segmente des US-Marktes (Bildungswesen, Behörden, etc.) will der Entwickler Cydrome mit seinem ersten Produkt, das er Cydra 5 getauft hat, selbst beliefern. Der Rest des Weltmarktes wird dagegen wieder von Prime abgedeckt.

Die Leistung des MXCL 5 liegt dem traditionellen Supermini-Hersteller zufolge bei 3,7 Megaflops, gemessen nach dem Livermore-Loop-Test, beziehungsweise 10,4 Megaflops nach dem Linpack-Benchmark. Damit übertreffe der Rechner die Konkurrenzmodelle von Convex und Alliant, so ein Unternehmenssprecher. Diese haben sich nun vorgenommen, im März dieses Jahres leistungsfähigere Modelle ihrer Minisupercomputer auf den Markt zu bringen.

Das System wird in zwei Versionen verfügbar sein. Die Preise beginnen in den USA bei 580 000 Dollar. Bundesdeutsche Anwender können sich auf Kosten ab einer Million Mark aufwärts einstellen.

Neu im Programm hat Prime Computer des weiteren zwei Superminis der Serie 50 mit den, Typenbezeichnungen 4050 und 4150, die die Midrange-Systeme 2755 und 9755 ersetzen. Die Rechner sind für verteilte DV ausgelegt und gegen IBMs 9370-Modelle 60 und 90 sowie gegen die VAX 8530 von Digital Equipment plaziert. Dem Unternehmen zufolge bieten die beiden Neulinge gegenüber ihren Vorgängern eine erhöhte Leistung bei etwa gleichem Preisniveau. Prime gibt die Durchsätze mit 2,8 Mips bei der 4050 beziehungsweise 4,1 Mips bei der 4150 an. Der Speicherumfang wurde verdoppelt und beträgt jetzt 32 MB bei beiden Varianten. An die kleinere Maschine lassen sich 128 Bildschirmarbeitsplätze anschließen, an die größere 254. Als Preise nennt das Unternehmen 88 000 und 190 000 US-Dollar.

Die Leistungsdaten des Minisupercomputers MXCL 5:

- Numerischer Prozessor (ECL-Technologie)

- Directed-Dataflow-Architektur

- 64-Bit-Arithmetik

- 40 Nanosekunden Taktrate (7 Befehle pro Takt)

- bis zu 256 MB Hauptspeicher

- 4 GB virtueller Speicher

- bis zu 6 interaktive Prozessoren

- Unix Version V.3

- optimierender Fortran-Compiler