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06.07.1990 - 

Drucksysteme für flexiblen und kostensparenden Einsatz

"Printing on Demand": Neue Aspekte für gezielte Information

"Printing on Demand" heißt das neue Schlagwort für die Einsparung von Lager- und Gesamtkosten für Beschleunigung der Auslieferung und Vereinfachung der Aktualisierung von Druckschriften. Helmut S. Kreiner* beschreibt im folgenden Beitrag, welche Anforderungen ein "Printing-on-Demand-System" erfüllen muß.

Die Produktionskraft der modernen Volkswirtschaft zeigt sich sehr deutlich beim Umgang mit der Information. Wir beziehen heute die

Informationen in einem derartigen Überfluß, daß wir in der Regel den größten Teil überhaupt nicht nutzen können und viel Zeit benötigen, das für uns Relevante auszusuchen.

Eine der Ursachen dafür liegt bei den heutigen Druckverfahren. Um die Kosten für das einzelne Druckexemplar so niedrig wie möglich zu hielten, müssen große Stückzahlen gefertigt werden. Je größer aber die Anzahl der Leser, desto geringer ist die Chance, daß es sich hier um eine homogene Gruppe handelt, so daß der Anteil an verwertbaren

Informationen für den einzelnen mit steigender Auflage abnimmt. Je geringer die Resonanz einer Drucksache bei ihrer Zielgruppe ist, desto größer wird auch der Kostendruck. Wenn wir also wollen, daß weniger Information ungelesen im Papierkorb landet, müssen wir nach neuen Wegen Ausschau halten.

Was kann man tun, um nicht jede Information mit der Gießkanne zu verteilen, sondern sie besser am Bedarf des einzelnen beziehungsweise einer kleinen und homogenen Zielgruppe auszurichten? Ideal wäre folgendes: Man beginnt mit dem Drucken erst dann, wenn man genau weiß, wer welche Information wann benötigt.

Dieser Wunsch, mit dem Massen-Printmedium bedarfsgerechter und kostensparender zu informieren, beflügelt deshalb schon lange die Phantasie in Richtung Printing on Demand (POD). Die bisherigen technischen Möglichkeiten setzten diesem Streben jedoch enge Grenzen, denn folgende Anforderungen sind dabei abzudecken:

- Der Inhalt eines Dokuments muß schnell modifiziert werden können.

- Seitenumbruch, Inhalts-Stichwortverzeichnisse etc. müssen sich automatisch dem veränderten Inhalt anpassen.

- Die Ausgabe eines einzelnen oder nur weniger Exemplare muß sofort und ohne die bisher üblichen hohen Fixkosten möglich sein.

Der Weg von der Idee bis zur fertigen Druckschrift ist in viele Arbeitsschritte untergliedert. Um ihn zu beschleunigen, wurden in der Vergangenheit zahlreiche elektronische Hilfen entwickelt.

Zunächst waren es Editoren, die auf Textsystemen und Personal Computern für den ersten Arbeitsschritt der Dokumenterfassung zur Verfügung standen. Als Ergebnis erhielt man ein elektronisches Dokument, das in einem aufwendigen Prozeß oft noch typografisch aufbereitet, belichtet und vervielfältigt werden mußte. Der Autor konnte das Ergebnis nicht sofort sehen, was zwangsläufig zu aufwendigen Korrekturschleifen führte.

Mit der Einführung preiswerter Laserdrucker und der WYSI-WYG (What You See Is What You Get-)Bildschirme wurde eine weitere Beschleunigung erreicht, denn man sieht sofort, wie sich der Druck später darstellt. Die Vorteile dieser Desktop-Publishing-Lösungen sind im wahrsten Sinne augenscheinlich. Trotzdem wird auch mit dieser Lösung das Optimum noch nicht erreicht, weil als Ergebnis erst die Druckvorlage zur Verfügung steht, Für die eigentliche Vervielfältigung in Form von Kopien oder Druck mit anschließendem Sortieren der Einzelblätter zum kompletten Exemplar sind weitere separate Arbeitsschritte erforderlich.

Printing-on-Demand-Lösungen sind dagegen erst dann komplett, wenn das eingesetzte System den gesamten Arbeitsprozeß bis hin zum fertigen Exemplar durchgängig unterstützt.

Neben anderen Herstellern bietet Siemens mit dem Printing-on-Demand-System Siedoc 2000 eine Lösung an. Der bisher vielstufige und daher langwierige Arbeitsprozeß wird erheblich reduziert, macht Printing on Demand sogar im Minutenbereich möglich.

Der Erfassung, Übernahme und Aufbereitung von Informationen dient die Komponente "Framemaker". Dieses Editorsystem eignet sich für die Bearbeitung umfangreicher Dokumente. Die für das Printing on Demand besonders notwendigen kurzfristigen Änderungen sowohl am Inhalt als auch am Layout lassen sich damit auf einer Workstation relativ einfach durchfuhren. Sie verfügt über einen großen Bildschirm für die ganzseitige Darstellung zweier DIN-A4-Seiten und ist direkt mit dem Drucksystem verbunden.

Framemaker unterstützt die Übernahme von Texten zahlreicher Editoren. Damit kann man die Texte auf anderen Systemen erfassen und sie dann schnell und komfortabel gestalten.

Ein Scanner übernimmt die Eingabe von Fotografien oder Grafiken, die nicht mit dem Editor erstellt wurden. Ihn steuert die Workstation mittels geeigneter Software.

Dokumente, die bereits typografisch aufbereitet sind und als Postscript-Dateien vorliegen, können mit "Postmaster" für die Ausgabe auf dem Drucksystem aufbereitet werden.

Auch Dokumente, die mit anderen Satzsystemen erzeugt wurden, lassen sich unter Einsatz eines Druckertreibers für die Ausgabe auf dem Drucksystem 2050 umsetzen, um beispielsweise schnell Proof-Ausdrucke zu erhalten und Filmkosten zu reduzieren.

Das Drucksystem wird direkt von Framemaker bedient. Dieses System verfügt über eine Reihe neuer Funktionen, wie Vor- und Rückseitendruck in einem Durchlauf, exemplarweise Ausgabe der fertigen, bereits richtig sortierten Drucksachen mit einer Geschwindigkeit von 50 DIN-A4-Seiten je Minute und direkte Anschlußmöglichkeit von Systemen für die Papiernachverarbeitung, etwa Binden und Verpacken. Diese Funktionen machen in ihrer Gesamtheit Printing on Demand erst möglich und eröffnen dem Anwender zahlreiche Vorteile. Nach- und Kleinauflagen bis 1000 Stück sind damit wesentlich kostengünstiger herzustellen.

Bei umfangreichen Werken sind schon wenige Exemplare rentabel. Kleinauflagen lassen sich außerdem genauer am Bedarf der Zielgruppe ausrichten. Auch die bei vielen Sachbüchern und Loseblatt-Sammlungen erforderliche Aktualisierung wird leichtgemacht. Und nicht zuletzt sind Vorabexemplare schneller beim Interessenten.

Ein solches System eignet sich für Anwendungen in Dokumentationsstellen in Industriebetrieben mit Auftragsfertigung. Auch Softwarelabors sehen darin die Möglichkeit, ihr Druckgut, vom Angebot bis zur Anwendungsdokumentation, möglichst kundenindividuell auszurichten.

Printshops können es als Alternative für Kleinauflagen nutzen, zum Beispiel für Produkt- und Veranstaltungskataloge, Dissertationen, Studien und Loseblatt-Sammlungen. Ein Pilotanwender ist beispielsweise Wolfgang Hilbig, Geschäftsführer des Satz-Rechen-Zentrums Harlmann & Heenemann in Berlin. Fachverlagen und vielen anderen Informationsserviceanbietern wie Verbänden, Banken, Behörden eröffnet Printing on Demand die Möglichkeit, ihren Informationsdienst verstärkt am Interessenprofil ihrer Partner zu orientieren.

Bei Verlagen mit belletristischem Programm macht Printing on Demand Lese- und Vorabexemplare rascher verfügbar. Archive und Bibliotheken können es für eine schnelle Ausgabe elektronisch gespeicherter Informationen nutzen und damit ihrem Service neue Märkte erschließen. Handelsunternehmen mit einem umfangreichen Produktangebot sind flexibler bei der Herstellung ihrer Kataloge und anderer Vertriebsinformationen.