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04.07.1980

Priorität den Großanlagen Folge 3

Ich möchte jetzt auf die Probleme mit den jungen Leuten eingehen, die ich vorhin angesprochen habe. Ich habe gesagt, Sie würden Schwierigkeiten bei der Rekrutierung haben. Nachdem Sie sie gefunden haben, habe ich gesagt, wird es schwierig sein, sie richtig zu bezahlen. Mit "richtig" meine ich, so viel zahlen wie gewünscht wird, ohne daß Sie pleite gehen. Es ist aber auch sehr wichtig, daß diese jungen Leute, wie Ihre anderen Mitarbeiter auch, auf dem laufenden gehalten werden über Veränderungen und

Innovationen auf ihrem Arbeitsgebiet. Das ist aber teuer und schwierig. Ihre Mitarbeiter sollten Berufsverbänden angehören und Seminare besuchen. Im Extremfall sollten sie an einem längeren Hochschullehrgang teilnehmen. Das höhere Management muß ständig informiert sein. Sonst stellt es nicht die richtigen Fragen, genehmigt nicht die richtigen Etats. Es behindert Sie in Ihrer Arbeit. Ich glaube, daß das alles am leichtesten zu bewältigen ist in einer großen Organisation, in einer Organisation, die um einen Computer aufgebaut ist.

Wissenspool um den Großrechner

Ich will natürlich nicht sagen, daß es keine zwingenden Gründe geben könnte, warum Sie in einer anderen Richtung gehen müssen, doch wenn Sie die freie Wahl zwischen einer großen, mittleren und kleinen Anlage haben und wenn Sie genug Arbeit haben, um eine Großanlage auszulasten - und das haben die meisten von Ihnen-, dann empfehle ich unbedingt die Großanlage. Für diejenigen von Ihnen, die noch nicht so viel Arbeit haben, gibt es die Möglichkeit, eine Anlage mit einer anderen Organisation zu teilen, damit die gemeinsame Arbeitslast die Lösung der Großanlage auch für Sie möglich macht:

Möglicherweise verlangt die Politik Ihres Hauses die Dezentralisation. In dem Zusammenhang möchte ich Ihnen über die Erfahrung erzählen, die ich Mitte der 50er Jahre während meiner Tätigkeit bei General Electric gemacht habe. Zu der Zeit hatte sich die General Electric total einer Politik der Dezentralisation verschrieben. Jedes Erzeugnisgebiet mußte voll selbständig sein, mit eigener Technik, eigenem Marketing, eigenen Finanzen und eigener Personalpolitik. Sogar Finanzen waren nur an den Schnittstellen standardisiert. Berichte an den Comptroller über die Finanzlage einer Abteilung hatten zwar ein Standard-Format, aber sonst nichts gemeinsam. Mir gelang es, für eine Abteilung eine Großanlage zu bekommen, weil die Arbeit dieser einen Abteilung allein die Anlage rechtfertigte. Aber andere, die nur kleine Abteilungen hatten, die kleine Transformatoren oder elektrische Heizdecken oder ähnliches herstellen, konnten sich keine Großanlage leisten und wurden zu der Zeit noch angehalten, entweder keine oder später nur kleine, einfache Anlagen anzuschaffen, weil das Arbeitsvolumen nichts anderes gerechtfertigt hat.

An Kleinanlage bald ausgereizt

Wenn Sie intelligente junge Leute von den Hochschulen in Ihre Organisation hineinbringen, die aus welchen Gründen auch immer nur eine kleine Anlage hat, lernen diese Leute sehr schnell und arbeiten sehr effektiv. Sie lösen das Problem - und dann langweilen sie sich und suchen etwas Neues, Spektakuläres, manchmal größer, manchmal kleiner, aber auf jeden Fall etwas anderes. Die sicherste Methode, diese jungen Leute wach, professionell und auf dem laufenden zu halten, ist es, eine Vielfalt von Problemen mit Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb Ihrer Organisation zu bieten. Wenn Sie hundert oder zweihundert Leute haben, haben Sie auch verschiedene Managementebenen und Probleme unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades. Ob die betreffenden Leute Management-Positionen anstreben, ob sie bei der reinen Technik bleiben und an immer anspruchsvolleren Problemen in immer anspruchsvolleren Teams arbeiten wollen- die Möglichkeiten hierfür sind in einer großen Organisation besser.

Sie werden Personalwechsel nie vermeiden können, egal wie effektiv Ihre Personalpolitik gehandhabt wird, egal wie gut Sie zahlen, egal wie gut Ihre Aus- und Fortbildungsprogramme sind. Einige Mitarbeiter werden abwandern und Sie müssen Ersatz suchen. Es ist aber einfach unmöglich, überall in Deutschland oder Europa effektiv zu rekrutieren, wenn Sie nur einen Mikroprozessor und zwei Leute haben. Wenn einer der beiden Leute weggeht oder nur ernsthaft krank wird, sinkt die Effektivität drastisch. In einer großen Organisation schließt man einfach auf, wenn einer ausfällt.

Viele von Ihnen, die in Organisationen mit vielen verschiedenen Abteilungen tätig sind, werden sich dem Problem der Normen gegenübersehen. Ich habe an diesem und ähnlichen Problemen bei dem National Bureau of Standards in den USA gearbeitet. Auch wenn gute Arbeit geleistet wird, aber so, daß die Ausgabe des einen Bereichs gänzlich inkompatibel ist mit der Eingabe des anderen Bereichs, der sie braucht, verursacht das enorme Programmierungs-, Interface- und Umstellungsschwierigkeiten.

Übergänge Maßarbeit

Fast alles ist Maßarbeit. Man kann sich nicht einfach ein preisgünstiges Software-Paket anschaffen, da beide Seiten der Schnittstelle etwas außerordentliches sind. Ein Standard-Interface kann man auch nicht kaufen, und wenn man es kaufen könnte, wäre es wahrscheinlich außerordentlich teuer. Diejenigen von Ihnen, die Umstellungsprobleme schon miterlebt haben, wissen, wie umständlich und schwierig sie sein können. Ich meine nicht, daß man einer Umstellung aus dem Wege gehen sollte. Ich meine aber, daß, wenn man innerhalb einer Organisation die Verantwortung absichtlich so verteilt, daß jede Abteilung eigene Datenverarbeitungsnormen aufstellen kann ungeachtet der Erfordernisse anderer Abteilungen mit denen sie eine Schnittstelle hat, so ist das meines Erachtens fast ein Verbrechen. Zumindest ist es eine grobe Mißachtung der Leistungsfähigkeit der Anlage, der Leistungsfähigkeit die so sehr davon abhängig ist, daß Informationen schnell und unbehindert durch die Schnittstellen fließen können

Lassen Sie mich jetzt die andere Alternative erwähnen, die man im Augenblick so attraktiv findet in der Presse, auf technischen Kongressen, in Forschungslabors und an den Hochschulen - ich spreche vom Netzwerk von kleinen Anlagen. Wenn es eine Alternative zur Großanlage gibt, so ist das mit Sicherheit nicht die ähnlich geartete Kleinanlage, sondern das Netzwerk von kleinen Anlagen oder Mikroprozessoren. Ein solches Netzwerk ist sicherlich betriebsfähig, wenn nur in begrenztem Umfang. Viele von Ihnen haben schon ein Stern-Netz, mit einer großen Zentraleinheit, einem Konzentrator vielleicht, und einzelnen Terminals, die an sich recht intelligente kleine Maschinen sind, die eine gewisse Menge von Daten an der Peripherie verarbeiten können. Solche Netzwerke existieren und sie funktionieren ohne Zweifel. Doch des Netzwerk, das ich als Gegenwart der Großanlage betrachte, sieht anders aus. Es hat keine große Zentraleinheit. Es hat eine Vielfalt an kleinen Maschinen, von denen keine einzige in der Lage ist, alle Daten oder Programme zu speichern, die für den Betrieb erforderlich sind. An einer beliebigen Eingabestation in diesem Netzwerk verlangt man die Lösung eines Problems, ohne Rücksicht auf den Aufbau des Netzes. Nun müssen vielleicht Eingabedaten von einem anderen Teil des Systems aktiviert werden. Mit Sicherheit müssen Informationen von einer Datenbank abgerufen werden, die zu groß ist, um an einem Knotenpunkt gespeichert zu werden. Mit Sicherheit muß nicht nur System-, sondern auch Anwendungssoftware von verschiedenen Stellen im Netz eingesetzt werden. Dann sucht man das Netz ab nach einem Gerät, das gerade Leerlauf oder freie Speicherkapazität hat. Man muß nicht beides an einer Stelle finden, wohl gemerkt. Man macht dies alles nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Wenn Sie einen freien Mikroprozessor am anderen Ende Deutschlands finden, werden die Übertragungskosten die finanziellen Vorteile der kleinen, preisgünstigen Maschinen zunichte machen. Also müssen auch solche wirtschaftlichen Parameter irgendwo im System abgespeichert werden.

Riesiger Aufwand für Systemverwaltung im Netz

Sinn eines solchen Netzwerks ist es ein transparentes, außerordentlich leistungsfähiges Betriebssystem zu bieten, das vielleicht hundertmal größer ist als die größten, die wir heute haben. Es hat auf jeden Fall einen hundertmal so schwierigen und komplexen Aufbau. Es kann alle Aufgaben erledigen, die ich erwähnt habe, doch hat es leider den großen Nachteil, daß des Betriebssystem zu groß ist, um an einem Knotenpunkt des Systems gespeichert zu werden. Es ist wahrscheinlich sogar größer als die Datenbank selbst und muß deshalb aufgeteilt und in verschiedenen Teilen des Netzwerks gespeichert werden. Es muß auch ein Verzeichnis angelegt werden, damit man weiß, wie die Bestandteile dieses großartigen, aber riesigen Betriebssystems zu finden sind. Dann wird ein höheres Betriebssystem erforderlich sein, das die Teile des eigentlichen Betriebssystems überwacht. Und auch dieses System mag wohl zu umfangreich sein, um an einer Stelle gespeichert zu werden. Es muß also auch dezentralisiert werden. Und schließlich, ein paar Ebenen höher, erreichen Sie ein Betriebssystem das klein und allgemein genug ist, um in der Tat an jedem Knotenpunkt gespeichert werden zu können. Die Chip-Technologie wird eine recht große Speicherkapazität an jedem Knotenpunkt ermöglichen.

Wird fortgesetzt