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11.07.1980

Priorität den Großanlagen Folge 4

Und schließlich, ein paar Ebenen höher, erreichen Sie ein Betriebssystem, das klein und allgemein genug ist, um in der Tat an jedem Knotenpunkt gespeichert werden zu können. Die Chip-Technologie wird eine recht große Speicherkapazität an jedem Knotenpunkt ermöglichen. Das Endergebnis ist, daß der Computer sich durch Ebene um Ebene komplexer Firmware und System-Software durchfinden muß, bis er ganz unten und am anderen Ende des Landes die paar Daten findet, die er braucht. Die ganze Prozedur wird dann umgekehrt, um die Daten dahinzuschicken, wo sie benötigt werden. Der Zeit- und Geldaufwand für die Systemverwaltung wird enorm steigen. Die tatsächlich geleistete Arbeit ist fast gleich Null.

Selbstdiagnose Programm zu groß für Knoten

Gibt es dazu noch einen Fehler oder versagt die Hard-, Firm- oder Software, so wird es geradezu unmöglich sein, das Ereignis zu rekonstruieren oder zu diagnostizieren. Das macht ein höchst effektives Selbstdiagnose-Programm erforderlich, das auch zu groß sein wird, um an einem Knotenpunkt gespeichert zu werden.

Ich glaube, daß es diese Art von Betriebssystem eines Tages geben wird. Und es wird enorm teuer sein.

Daß dieser Extremfall, den ich geschildert habe, in der Praxis nicht funktioniert, heißt allerdings nicht, daß einfachere Systeme mit miteinander verbundenen Mikroprozessoren nicht funktionieren, sogar effektiv funktionieren können. Ich versuche, ein sehr voreingenommenes Bild zu malen, so wie ich es sehe. Sie werden sicherlich irgendwann einmal mit einer extremen Darstellung von den Anhängen der kleinen Maschinen konfrontiert werden. Sie sehen dann ein extremes Bild aus der Sicht der anderen Seite. Und Sie werden wahrscheinlich zwischen den beiden Alternativen wählen müssen.

Mindestens 70 Prozent Personalkosten

Ich möchte aber empfehlen, daß Sie bei dieser Entscheidung den Faktor Mensch nicht außer Acht lassen. Das alte 50:50-Verhältnis zwischen menschlichen Kosten und Hardware-Kosten gibt es schon längst nicht mehr. Das Verhältnis steht jetzt wahrscheinlich bei 70 Prozent zu 30 Prozent. Exakte Zahlen gibt es nicht, aber ich meine, daß 70 zu 30 ziemlich genau geschätzt ist. Die 70 Prozent beinhalten alle Arten von Software, alle Gehälter und Sozialausgaben. In einer kleinen Organisation können diese Kosten leicht verdeckt werden, doch wenn wir ehrliche Buchhaltung voraussetzen, glaube ich, daß das Verhältnis 70 zu 30 bis Ende des Jahrzehnts bei 80 zu 20 liegen wird. 80 Prozent der gesamten, ehrlichen Betriebskosten eines datenverarbeitenden oder technischen Unternehmens gehen auf das Konto Mensch beziehungsweise menschbezogene Probleme. Wenn des zutrifft, dann sollten Sie Ihre Entscheidung über groß oder klein, technisch hochentwickelt oder einfach, Eigen- oder Gemeinschaftsanlage danach fällen, wie die Probleme mit Menschen und Personal und die damit verbundenen Kosten beeinflußt werden und nicht danach, was einen besseren Eindruck macht, was der Öffentlichkeit mehr imponiert oder was ein schöneres Bild im Jahresbericht hergibt. Zufällig gibt die Großanlage ein schöneres Bild im Jahresbericht her. Das ist allerdings nicht der Grund warum ich sie empfehle.

Mit Großanlage leichter ehrlich bleiben

Ich habe von ehrlicher Buchhaltung gesprochen. Eines der Dinge, die die Kleinanlage begünstigt, ist die unehrliche Buchhaltung. Mit einer Großanlage, glaube ich, ist es leichter, ehrlich zu bleiben. Man wird förmlich dazu gezwungen, ehrlich zu bleiben. Haben Sie eine Anlage für eine Million Dollar oder zehn Millionen Dollar, mit Hunderten von professionellen Mitarbeitern, drei Arbeitsschichten und teurer Datenkommunikation, wird das alles irgendjemandem auffallen. Sie sind eine Kostenstelle, Sie werden Tag und Nacht von den Geldverwaltern dazu angehalten, dieses oder jenes zu senken, zu erhöhen oder nachzuweisen. Und das ist auch richtig so, wenn man solche Summen ausgibt. Sie brauchen einen speziell eingerichteten Raum mit einem teueren, flexiblen Boden. Einrichtungen müssen öfters umgestellt werden. Sie brauchen eine Klimaanlage, trotz der erheblichen Fortschritte auf dem Gebiet der Kühlung. Und, wie gesagt, werden Sie die Kosten der Datenübertragung und der Datenspeicherung sowie Sicherheitskosten haben. All diese Posten erscheinen auf der Rechnung. Wenn Sie viele kleine Maschinen haben, die das gleiche Arbeitsvolumen bewältigen, können Sie diese Kosten verstecken. Erstens verursacht der Anschaffungs- oder der Mietpreis einer kleinen Maschine keinen großen, genehmigungspflichtigen Kapitalaufwand. Sie ist ein kleiner Posten. Eine Anlage in Hobby-Größe bekommt man schon für 10 000 Mark. Einen brauchbaren kleinen Minicomputer bekommt man schon für eine Summe, die in einem großen Unternehmen ausgegeben werden kann, ohne daß Sondermittel dafür bereitgestellt werden müßten. Sie brauchen keine besondere Stromspeisung. Eine normale Steckdose reicht. Sie brauchen keinen flexiblen Boden, keine Klimaanlage. Wenn es im Raum warm wird, kann ein Fenster aufgemacht werden. Und was die Personalkosten anbelangt, so sind sie gleich Null. Derjenige, der das Programm schreibt, ist vielleicht ein Buchhalter, der von der Buchhaltung bezahlt wird. Er stellt der Datenverarbeitungsabteilung keine Rechnung. Oder in einer wissenschaftlichen Institution ist der Programmierer vielleicht ein Kristallograph der aus dem entsprechenden Forschungsetat bezahlt wird. Er programmiert und bedient - beides sehr schlecht in den meisten Fällen. Gelegentlich findet man ein Naturtalent, doch neigt er dazu, sich so sehr für die Arbeit am Computer zu begeistern, daß er als Kristallograph aufhört und ganz zum Computermenschen wird. Es kommt noch dazu, daß er vor lauter Begeisterung für neue Sachen, die er schon immer hat ausprobieren wollen, nicht die Aufgabe erledigt, die ihm schon Anfang des Jahres aufgetragen wurde.

Kosten In Wirklichkeit gestiegen

Trotzdem, wenn man sich die abgeschlossenen Bücher anschaut, sind die Kosten der Datenverarbeitung gleich Null. Sie sind gänzlich verschwunden. Doch in Wirklichkeit sind sie sogar gestiegen. Man hat ineffektive Nicht-Spezialisten eingesetzt, Verluste sind durch eine unwirksame Personalpolitik entstanden und es gibt möglicherweise auch Verluste im Zusammenhang mit Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen, die noch gar nicht aufgedeckt worden sind. Alles kleine, verdeckte Kosten und Operationen. Mit einer Großanlage liegt alles ganz offen.

Wie Sie vielleicht wissen, bin ich Urheber des Grosch'schen Gesetzes, das im wesentlichen besagt: Das, was schnell gemacht wird, wird auch billig gemacht. Ich wiederhole: Wenn Sie es billig machen wollen, dann müssen Sie es sehr schnell machen. Nun sagen die Anhänger des Mikroprozessors: "Aber wir machen es schnell. Die Chips in unserem Mikroprozessor funktionieren genau so schnell wie die Chips in einem riesengroßen Computer." Im gewissen Sinne trifft das auch zu. Doch die Chips in einem Mikroprozessor haben nicht ständig zu tun. Das beste Beispiel ist der Taschenrechner. Sein Chip arbeitet bemerkenswert schnell - nicht in Picosekunden oder Nanosekunden - aber sehr schnell. Man leistet aber nicht sehr viel, weil Zahlen zunächst einmal eingetippt werden müssen, bevor der Chip arbeiten kann. Während der Zahleneingabe hat der Chip Leerlauf. Dies trifft auf ähnliche Art und Weise für einen Mikroprozessor zu. Der Pulsschlag der kleinen Maschine mag genau so schnell sein, wie der der großen Maschine, doch ohne die Magnetplatten, die Bandantriebe, die Modems, die Mehrfachkanäle und so weiter kann der Pulsschlag nicht aufrechterhalten werden. Der Puls hat meistens Leerlauf. Zudem müssen Nicht-Spezialisten einen Vorgang oft wiederholen. Wenn Sie einem Ingenieur zuschauen, der seine eigenen Eingaben macht und sein eigenes Problem löst, stellen Sie fest, daß er sehr beschäftigt und sehr glücklich ist. Doch er ist deshalb so beschäftigt weil er Fehler macht und alles drei- oder viermal wiederholen muß - was ihm egal ist, da er sich mit seinem Problem beschäftigt. Aber er pfuscht und leistet schlechte Arbeit. Diese Arbeitsweise spiegelt sich in niedriger Geschwindigkeit wider, trotz der Tatsache, daß der Puls der Maschine im Bereich unter einer Mikrosekunde schlägt. Sie erinnern sich aber: es kostet nichts.

Wenn Sie die Kosten aber ans Tageslicht zerren wollten, diese verdeckten Kosten, von denen ich gesprochen habe, würden Sie feststellen, daß das Grosch'sche Gesetz über hohe Geschwindigkeiten und niedrige Kosten in der Tat zutrifft.

Zum schnellen Arbeiten gehört viel Zubehör

Wenn Sie wirklich schnell arbeiten wollen, müssen Sie den Kern der Anlage mit vielem Zubehör umgeben. Wenn Sie das tun, haben Sie eine Großanlage. Sie haben zwar eine teuere Großanlage, aber eine, die Geschwindigkeit ermöglicht. Es ist sehr wichtig, daß Sie der Großanlage und den Herstellern von Großanlagen höchste Priorität geben, wenn Sie die Entscheidung über Ihre nächste Computer-Generation fällen.

Wir wissen nicht, was IBM vorhat. Die H-Serie ist noch mysteriös, wie vor ihr die E-Serie bis die Serie 4300 vorgestellt wurde. Es ist doch anzunehmen, daß auch eines Tages die H-Serie, unter welchem Namen auch immer, vorgestellt werden wird. Sollte sie preislich so liegen wie die Sene 4300, wird sie gute Chancen in der Wirtschaft und auf den Gebieten Technik, Forschung und Datenverarbeitung haben. Und wenn sie die wirklich fortgeschrittene Technologie enthält, die in den IBM-Labors bekanntlich beherrscht wird, dann könnte sie Firmen wie Amdahl ernsthaft schaden. Firmen wie Burroughs, Univac und Control Data (wahrscheinlich in der Reihenfolge) laufen sehr gut, weil sie sich der fortgeschrittenen Technologie und der experimentellen Software und deren Anwendungen verpflichten konnten, die so notwendig sind. Aber ich glaube, daß viele Firmen wie Amdahl es schwer haben werden, diesen Herausforderungen standzuhalten. Ich werde einen Vortrag vor dem gemeinsamen Technologie-Ausschuß des Oberen und Unteren Hauses im britischen Parlament halten. In einem Vortrag vor neun Jahren habe ich diesem Ausschuß gesagt, wann meines Erachtens die verschiedenen Computer-Firmen verschwinden wurden.

Nun muß ich erklären, warum Siemens noch nicht verschwunden ist wie ich vorhergesagt habe. Ich glaube, ich sage: "Siemens ist nicht verschwunden, ist aber transparent geworden."

Es ist in der Tat schwierig, mit der Großanlage klarzukommen. Ich glaube, es ist kein Zufall, daß die großen Maschinen von großen Firmen hergestellt werden, obwohl dies nicht immer der Fall ist. Die Cray I ist sehr beliebt in wissenschaftlichen Kreisen und wird in den USA in einer großen Dienstleistungsoperation eingesetzt. Das ist aber ein sehr ungewöhnlicher Fall. Im allgemeinen bedarf es einer Control Data, einer Burroughs, IBM Fujitsu oder Nippon Electric, um ein solches Gerät zu bauen und zu unterhalten. Das heißt, daß man bei den Großanlagen nicht den großen Freiheitsraum hat, wie bei den vielleicht hundert Herstellern von Mikroprozessoren oder zehn Herstellern von Minicomputern. Damit liefere ich Ihnen ein Argument, das Sie gegen mich verwenden können. Aber meiner Meinung nach ist es leichter, unter einem halben Dutzend großer Hersteller zu wahlen (nur einen Hersteller zu haben, wäre eine Tragödie), als unter hundert oder zweihundert zweifelhaften Herstellern, von denen man nicht weiß, ob sie von einem Jahr oder von einem Monat zum anderen überleben.