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10.03.1995

Private Nachfrage foerdert professionelle Anwendungen Bei Multimedia-Anbietern sind "Sehleute" hoechst willkommen

Von Dorothea Wendeln-Muenchow*

Zur CeBIT 1995 ist das Angebot an Multimedia-Komponenten und - Loesungen in den Hallen 8 und 9 mit Sicherheit ein Publikumsmagnet. Der Nutzer von praxisorientierten Business-Loesungen bekommt auf diesem Marktplatz virtueller Realitaeten ebenso seine Angebote wie der technikinteressierte Consumer. Orientierungsschwierigkeiten sind bei diesem Angebot auf beiden Seiten zu erwarten.

Angebote an Grafik-, Sound- und Telekommunikationsloesungen werden dafuer sorgen, dass dem Besucher Hoeren und Sehen vergeht. "Einsteigen und abheben in virtuelle Realitaeten des Multimedia- Zeitalters" heisst es bei der Miro Computer Products AG aus Braunschweig. Auf einem Stuhl, der ueber sechs Achsen gesteuert wird, kann sich der Besucher akustischen und visuellen Erfahrungen hingeben, die ihn in den Strudel multimedialer Moeglichkeiten hineinziehen sollen.

Multimedia ist einer der aktuellen Megatrends, stellt Horst Nasko, stellvertretender Vorsitzender der Siemens-Nixdorf AG, fest. Davon profitieren wollen sicher mehr als die 290 Unternehmen, die auf der CeBIT Multimedia-Produkte anbieten.

Der Desktop-PC wird zum Kommunikations-Allrounder

Die praesentierten Arbeitsplatz- und Workgroup-Systeme kommen in erster Linie aus der PC- und Unix-Rechnerwelt. Im Mittelpunkt stehen Komplettloesungen mit Hochleistungsrechnern, Massenspeichern, hochaufloesenden Bildschirmen, Voice-Techniken und Softwarepaketen. Wer unter Multimedia die Einbindung von Telekommunikation versteht, muss sich quer uebers Messegelaende auf den Weg in die Halle 18 machen, wo von BTX ueber Electronic Mail bis zu Video on demand laut Veranstalter neue Wege in eine vernetzte Gesellschaft gewiesen werden.

Desktop-Anwendung oder Telekommunikation, das ist bei der Beschreibung von Multimedia fuer Miro-Vorstand Rolf Richter keine Frage. Multimedia muss seiner Meinung nach den Wunsch des Anwenders nach einfach zu bedienenden Werkzeugen erfuellen, die papierlose Vorgaenge ohne Medienbrueche ermoeglichen. Dazu gehoert, dass sich der PC in den Arbeitsablaeufen zur Kommunikation einsetzen laesst und Funktionen uebernimmt, die bisher noch die Telefonie fuer sich beansprucht: Als Anrufbeantworter, Faxmaschine oder als Modem muss der PC die vielen Einzelgeraete ersetzen und wesentlich mehr Komfort bieten.

Gleichzeitig bietet Multimedia Kommunikationswerkzeuge, die den Zugriff auf Daten wesentlich erweitern koennen, wie Internet zeigt. "Besonders im professionellen Umfeld geht es kuenftig in starkem Masse darum, Informationen so einfach wie moeglich erfassen und so schnell wie moeglich austauschen zu koennen", betont Richter. Der Daten-Highway stellt die Infrastruktur fuer Videokonferenzen und den Austausch von Bilddaten zur Verfuegung. Zudem werden am Arbeitsplatz Produkte benoetigt, die Schnittstellen dafuer bieten.

Multimedia geht jeden an, meinen die Anzeigen der Computeranbieter, die wie Apple und Compaq ausdruecklich den Soho- Markt adressieren. Dort orten sie riesige Wachstumspotentiale fuer die Branche. Zum "einzigartigen Besuchermix" (CW vom 25. Januar 1995) gehoert schliesslich genau diese Klientel, die frueher als "Sehleute" verspottet wurden, heute jedoch eine umworbene Klientel sind. Ob Papa die Urlaubsvideos doch noch praesentationsreif machen will oder als Netzsurfer in fremde Internet-Welten vorstoesst - die multimediale Zukunft ist nicht nur den Profis vorbehalten.

"In etwa fuenf Jahren wird sich die braune Ware immer staerker mit dem PC verbinden und letztendlich wird nur noch die Ausgestaltung der Technolgie bei gleicher Basistechnologie den Unterschied zwischen den Geraeten ausmachen", beschreibt Miro-Vorstand Richter die Entwicklung.

Die Kaeufer verlangen exzellente Qualitaet

Der kuenftige All-in-one-PC hat nach seinen Vorstellungen dann mehrere Eingabemoeglichkeiten und wird unter anderem auch mit einer Fernbedienung zu nutzen sein. Der Kaeufer dieser Technologien werde bei allen Funktionen dieses Geraets jedoch erstklassige Qualitaet fordern, meint Richter und zieht die Konsequenz: Eine Kooperation mit Bose, dem Hersteller von Luxuslautsprechern, soll den Miro- Kunden beispielsweise exzellenten Sound bieten.

Das kommende digitale Fernsehen ist interaktiv. Der Konsument hat Zugriff auf Dienste, mit denen er sich zum Beispiel in der elektronischen Fernsehzeitung einen kurze Vorschau ansehen oder auf Teleshopping gehen kann. Voraussetzung dafuer ist aber erheblich mehr technische Intelligenz als in den herkoemmlichen Fernsehgeraeten. "Was liegt da fuer die Hersteller naeher, als die sich schnell entwickelnde PC-Technik einzusetzen", stellt Richter fest. "Letztlich bietet dann der Fernseher PC-Technik, und sei es im Nussbaumgewand."

Es werde auch viele Menschen geben, die mit den angebotenen Informationen mehr anfangen moechten, als diese passiv zu konsumieren, und auch selbst Einfluss nehmen wollen, meint Richter. Dieser Typ von Konsument nehme TV-Programmangebote an seinem Multimedia-PC wahr. Dort koennten dann die Informationen weiterbearbeitet werden. Diese Entwicklung komme bereits in den naechsten zwei Jahren auf uns zu.

Mit der Ausdehnung der Rechnertechnologie auf den Consumer werden fuer die Anbieter von Computern und Software auch andere Messen als Ausstellungsplattformen interessant. So engagierte sich Newton- Anbieter Apple zum Beispiel auf der Funkausstellung, Softwaregigant Microsoft bestueckt die Buchmesse in Frankfurt. Die Bedeutung der CeBIT sieht Bernhard Grander von der deutschen Microsoft GmbH darin, dass ein Ueberblick ueber die gesamte Multimedia-Palette gezeigt werde.

Microsoft will den Besuchern den Weg durch den Multimedia- Gemischtwarenhandel mit einer klaren Strukturierung des Angebots auf den eigenen Staenden erleichtern. Die Home-Welt liefert dem Anwender Angebote fuer Unterhaltung und Wissen wie beispielsweise den Duden auf CD. Die Office-Welt wendet sich mit einschlaegigen Programmpaketen an den professionellen Nutzer.

Eine Unterscheidung zwischen Multimedia-Anwendungen im Consumer- und im professionellen Bereich macht Richard Brand, Praesident des Multimedia Communication Forums (MMCF), in puncto Faehigkeit zur Interaktion der Systeme. Das MMCF, ein internationales Forum, in dem auch US-Anwender mitarbeiten, sieht sich als Vertretung der Interessen der Multimedia-Branche, die im professionellen Bereich ISDN als Infrastruktur nutzt.

Passive Aufnahme von Information herrscht vor

Auch wenn ein Fernsehzuschauer in der Lage sei, zum Beispiel bei einem Versandhaus via Kabelfernsehen zu ordern, so nimmt er doch die Mehrzahl der Informationen lediglich auf. Das sei im professionellen Sektor anders, meint Brand. Partner, die am PC eine Videokonferenz schalteten, koennten mit verschiedenen Softwarewerkzeugen in gleicher Weise und zur selben Zeit beispielsweise ein Dokument bearbeiten.

"Telearbeit ist eine der Schluesselapplikationen im Multimediamarkt, die in den naechsten zwei bis drei Jahren einen riesigen Aufschwung erleben", meint die Marktforscherin Heidi Crompton von der Londoner Yankee Group zum professionellen Multimedia-Einsatz.

Diese Form der Arbeit ueber weite Distanzen sei der naechste logische Schritt in der Entwicklung der Buerokommunikation und werde den Unternehmen deutliche Einsparungen bringen. Bereits heute brauchen die Mitarbeiter von British Telecom nicht mehr unbedingt umzuziehen, wenn ihnen ihr Arbeitgeber andernorts ein neues Taetigkeitsfeld zuweist.

Kostendruck sowie der Zwang zur Produktivitaetssteigerung im eigenen Unternehmen sind derzeit besonders fuer Anbieter in der Telekommunikationsbranche in Europa Anlaesse dazu, ueber flexiblere Arbeitsformen als bisher nachzudenken und dazu Multimedia zu nutzen. Fehlende Standards stellten derzeit jedoch noch ein Hindernis fuer solche Multimedia-Applikationen in den Unternehmen dar, betonen die Fachleute.

Einige Schluesseltechnologien wie die Kompression von Bildern nach dem MPEG2-Standard seien zwar verfuegbar. Es gaebe jedoch kein einheitliches Uebertragungsformat dieser Daten, erklaert Marktforscherin Crompton. Multimedia sei immer noch in starkem Masse von den technischen Moeglichkeiten getrieben und nicht von den Beduerfnissen der Anwender.

In diesen Punkten ist das MMCF wichtig. Denn dessen vorrangiges Ziel ist es, eine fuer den Anwender moeglichst problemlose weltweite Kommunikation in guter Qualitaet zu ermoeglichen. Um auch Bilder in ausgezeichneter Qualitaet ohne Ruckeln und Verzerrungen uebertragen zu koennen, definiert der MMCF Standards, die als Richtlinie fuer Entwickler und Anwender gelten sollen.

Das Multimedia Communication Forum

Mitglieder des MMCF sind unter anderem AT&T, Ericsson, IBM, Chiphersteller wie National Semiconductor und Intel sowie auch die Telekom-Tochter Deteberkom. Siemens stellt mit Manfred Scherer den Vice-President dieser Organisation.

Das MMCF, eine Non-profit-Organisation, wird in diesem Jahr zur CeBIT seine Aktivitaeten noch nicht auf einem eigenen Stand darstellen. Nach Angaben Scherers geht es erst einmal darum, die Organisation bekannt zu machen und fuer ihre Interessen zu werben.

Und das geschieht in vielen Hallen. Der Besucher bekommt den Hinweis auf den MMCF an den Staenden von AT&T, Ericsson, IBM und Motorola ebenso wie bei Northern Telecom und der Siemens AG.