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Konkurrenz oder Angebotsergänzung?


14.02.1992 - 

Private Netzbetreiber füllen den Mehrwert-Begriff mit Leben

Obwohl sich das Dienstleistungsangebot von Telekom und privaten Mehrwertdienste-Anbietern auf den ersten Blick nicht unterscheidet, bestehen nach Ansicht von Aman Khan* durchaus Differenzen im Leistungsspektrum. Der Autor versucht in seinem Beitrag, die wesentlichen Unterschiede herauszuarbeiten, und geht dabei besonders auf die Belange ostdeutscher und osteuropäischer Unternehmen ein.

Die Entwicklung von der Post zu einem TK-Dienstleistungsunternehmen ist gerade für einen staatlichen Kommunikationsriesen wie die Telekom ein langer und beschwerlicher Weg. Im "absoluten Königreich" der Postgesellschaften jedenfalls war die Aufhebung des uneingeschränkten Postmonopols zunächst genausowenig vorstellbar wie der Anschluß eines privaten oder geschäftlichen Telefons durch einen nichtstaatlichen Dienstleister. Die Zeiten haben sich jedoch geändert. Immer mehr Privatunternehmen bieten heute vergleichbare - zum Teil sogar differenziertere - Dienstleistungen an als die Post von gestern oder die Telekom von heute.

In den letzten Jahren haben sich die Monopole der nationalen Postgesellschaften wenn nicht gänzlich aufgelöst, so doch zumindest verringert. Aus den dadurch veränderten Rahmenbedingungen in Westeuropa und den politischen Entwicklungen in Ostdeutschland und Osteuropa erwachsen für die privaten Anbieter von TK-Diensten neue Herausforderungen.

Unabhängig davon läßt sich jedoch einwenden, daß die Telekom - und dies gilt auch für die Postgesellschaften in den osteuropäischen Ländern - mit den Komponenten Telefon, Telex, Telefax, X.25-, C- und D-Netz sowie dem integrierten Service ISDN doch, schon über ein komplettes Dienstleistungspaket verfügt.

Was, so die naheliegende Frage, können Privatunternehmen darüber hinaus noch anbieten? Die Postgesellschaften als an der Gesetzgebung und der Vorgabe von technischen Richtlinien beteiligte Dienstleister verfügen eigentlich über ideale Voraussetzungen, um die Bedürfnisse unterschiedlicher Anwendergruppen weitgehend zu erfüllen. Dennoch: Gerade auch in diesem Bereich greift zunehmend die Dynamik der Marktwirtschaft. Auf der Basis eines freien Wettbewerbs analysieren zunehmend auch Privatanbieter den aktuellen Kommunikationsbedarf in Industrie und Wirtschaft und sind bemüht, innerhalb kürzester Zeit marktgerechte Lösungen anzubieten.

Unterschiede zwischen Telekom und Privatanbieter

An dieser Stelle ist es zunächst unerläßlich, auf den grundsätzlichen Unterschied zwischen den Dienstleistungen der staatlichen Kommunikationsgesellschaften und den privaten Mehrwertdiensten einzugehen.

Was die Familie von Thurn und Taxis im 16. Jahrhundert begonnen hatte und die westliche Welt bis zum Jahre 1860 unter dem Namen "Pony Express" kannte, waren in der Fortführung bis vor einigen Jahren die jeweils nationalstaatlichen PTTs (Post, Telefon und Telegraph). Die Deutsche Bundespost oder die Deutsche Post bildeten da keine Ausnahmen.

In einem vor wenigen Jahren selbst initiierten Umstrukturierungsprozeß gründeten die europäischen Postgesellschaften

eigenständige Telecom-Bereiche. Die Zielsetzung dieser Telecom-Gesellschaften blieb aber unverändert, nämlich den Kunden Telex-, Telefon-, X.25- oder Mietleitungen anzubieten.

In letzter Zeit versuchten die Telecom-Gesellschaften in Europa darüber hinaus, das Konzept des One-Stop-Shopping einzuführen. Obwohl schon mehrere Terminpläne veröffentlicht wurden, streiten die Telecom-Gesellschaften derzeit noch über organisatorische und rechtliche Verfahrensweisen. Somit gibt es für den Telecom-Kunden, der eine internationale Verbindung benötigt, immer noch zwei Geschäftspartner pro Verbindung, mit denen er zurechtkommen muß.

Die bundesdeutsche Telekom hat für die Veränderung ihres Images in das eines modernen Telecom-Unternehmens in der Vergangenheit Millionen ausgegeben, die letztlich von den Steuerzahlern aufgebracht wurden. Zu prüfen bleibt hier allerdings die Frage, was genau sich verändert hat? In den neuen Bundesländern beispielsweise bietet die Telekom von der Telefonleitung bis hin zur Satellitenverbindung eine umfassende Infrastruktur für den nationalen und internationalen Daten-

und Informationsaustausch. Dem gegenüber stehen aber zum Teil widersprüchliche Aussagen über die derzeitige Funktionalität dieser Kommunikationsdienste beziehungsweise den Zeitpunkt ihrer flächendeckenden Verfügbarkeit.

Trotzdem verbindet die Telekom mit ihrem Engagement in Ostdeutschland die Zusage, alle Probleme der Datenkommunikation definitiv ausräumen zu können. An der konkreten Einlösung dieser hochgesteckten Zielsetzung darf jedoch gezweifelt werden. Die Tatsache, daß Telefon, Telex, Telefax und ein weitverzweigtes Datennetz wichtige Voraussetzungen für eine effiziente Wirtschaftskommunikation sind, ist unbestritten. Selbst bei einer funktionstüchtigen Infrastruktur für diese Bereiche ist aber noch keinesfalls gewährleistet, daß alle spezifischen Forderungen, die Unternehmen heute an moderne Informationssysteme stellen, ohne Einschränkung erfüllt sind.

Eher scheint da das Gegenteil zutreffend: Im Bereich des elektronischen Datenaustausches sind die Postgesellschaften von der Bereitstellung umfassender Kommunikationslösungen weit entfernt, sie biete, hier nicht mehr und nicht weniger als die technischen Voraussetzungen - also das physische Übertragungsmedium. Ein Mehrwert, also ein über den reinen Datentransport hinausgehender Nutzen, ergibt sich jedoch nur dann, wenn die elektronisch übertragenen Informationen sofort unternehmensspezifisch weiterverarbeitet werden können - egal, ob im Einkauf, der Finanzabteilung oder im Vertrieb.

Der Schlüssel zum Erfolg ist heute die uneingeschränkte Verfügbarkeit aller relevanten Daten zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, punktgenau und zu kalkulierbaren Kosten. In diesem Sinne zeichnen sich die netzwerkgestützten Anwendungen führender Privatanbieter heute durch eine veritable Verteilungsintelligenz aus. Durch geeignete Softwarekomponenten ist dabei - national und international - sichergestellt, daß wichtige Nachrichten automatisch dem adäquaten Ansprechpartner zur Verfügung stehen und zwar auf der Grundlage einer Netzwerkverfügbarkeit von 24 Stunden pro Tag und 365 Tagen pro Jahr.

Informationsaustausch ist nicht gleich Informationsaustausch. Selbstverständlich macht es von der technischen Realisierung, der Anwendungspraxis und der strategischen Zielsetzung her einen Unterschied, ob ein bundesdeutsches Unternehmen intern ein Electronic-Mail-System etablieren will oder ob sich eine Reihe skandinavischer Reedereien und Schiffahrtsgesellschaften auf die gemeinschaftliche Nutzung eines elektronisch gestützten Container-Verfolgungssystems verständigen. Die prinzipielle Verfügbarkeit eines Datennetzes reicht hier bei weitem nicht aus.

Private Anbieter haben deshalb, um diesen höchst unterschiedlichen Anforderungen zu entsprechen, branchenspezifische Lösungen entwickelt, die es den einzelnen Industrieunternehmen erlauben, TK-Dienste in ihrem speziellen Wirtschaftssektor so produktiv wie möglich einzusetzen. Erwägt man die Installation eines derartig komplexen Kommunikationsnetzes, ist natürlich die Frage nach dem jeweiligen Investitionseinsatz von zentraler Bedeutung. Bezogen auf die aktuellen Erfordernisse der Unternehmen in Ostdeutschland und Osteuropa können die privaten Anbieter auch hier mit praktikablen Lösungen aufwarten.

PC-gestützte Kommunikationssysteme machen nicht nur umfangreiche Hard- und Software-Installationen überflüssig, sie sind auch innerhalb kürzester Zeit uneingeschränkt einsetzbar. Voraussetzung hierfür ist allerdings die Zusammenarbeit mit einem DV-Dienstleister, der über entsprechende Schnittstellen und Konvertierungsprogramme die Hard- und Softwarekomponenten aller international anerkannten Hersteller in sein Kommunikationsnetz integriert. Solche umfassenden und flexiblen Lösungen kann allerdings ein Anbieter, der seine Kommunikations-Dienstleistungen speziell auf seine eigenen Hardwareprodukte ausgerichtet hat, in keinem Fall gewährleisten.

Mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit einer hardwareneutralen und global orientierten Kommunikationsstrategie ist zugleich auch die grundlegende Fragestellung berührt, ob es - auch wegen der Sicherung von internen Arbeitsplätzen - insgesamt nicht sinnvoller wäre, die unternehmensrelevanten Kommunikationsdienste in Eigenverantwortung zu planen und zu implementieren. Im Zusammenhang mit solchen Überlegungen hatte ich vor einigen Monaten ein Gespräch mit dem DV-Leiter eines fahrenden bundesdeutschen Maschinenherstellers.

Bei der Gelegenheit wurde deutlich, daß dieses Unternehmen, das zunächst mit dem eigenen DV-Fachbereich ein internes weltweites Informations-Netz installiert hatte, den aus der Integration externer Partner resultierenden Entwicklungs- und installationsaufwand zukünftig nicht mehr mit vertretbarem Aufwand würde bewältigen können. Die konsequente Schlußfolgerung des DV-Leiters lautete daher: "Unsere Aufgabe ist es, gute Maschinen zu bauen, und nicht, ein funktionales Kommunikationsnetz zu betreiben. Dies überlassen wir besser einem Dienstleistungsunternehmen, das sich auf diesen Bereich spezialisiert hat."

Diese sicherlich richtige Einschätzung, die aber primär die wirtschaftliche, Erfahrungen und Anforderungen westlicher Unternehmen reflektiert, muß jedoch angesichts der zur Zeit noch anders gelagerten Anforderungen in den osteuropäischen Ländern um einen wesentlichen Aspekt erweitert werden. So kommt in den neue Bundesländern beispielsweise aufgrund der anhaltend unwägbaren, gesamtwirtschaftlichen Situation der Arbeitsplatzsicherung ein außerordentlich hoher Stellenwert zu. Daher tendieren vielerorts die verantwortlichen Geschäftsführer dazu, ihre kommunikativen Geschäftsabläufe auch dann intern abzuwickeln zu lassen, wenn es vom wirtschaftlichen Standpunkt aus wenig sinnvoll erscheint.

Aus diesem Motiv, so ehrenwert es auch ist, können allerdings höchst unangenehme Konsequenzen resultieren. Da das interne Know-how zumeist nicht ausreicht, um Informationslösungen, die dem internationalen Standard entsprechen, zu realisieren, erwächst aus dieser Vorgehensweise in vielen Fällen ein gravierender Wettbewerbsnachteil. Wenn man sich vor Augen hält, welche immense Bedeutung heute einem reibungslosen Informations- und Datenaustausch zukommt, wird klar, daß eine strukturelle Grundsatzentscheidung dieser Art im Extremfall dazu führen kann, daß wegen des Erhalts von einigen wenigen Arbeitsplätzen die wirtschaftliche Entwicklung des gesamten Unternehmens gefährdet wird.

Entscheidungen über den Erhalt oder Ausbau von Personalkapazitäten sind immer höchst schwierig. Kurz- bis mittelfristig aber gibt es auch für die ostdeutschen Unternehmen, die sich ja sukzessive europa- und weltweit als wettbewerbsfähige Anbieter etablieren möchten, zu dem umfassenden Dienstleistungsspektrum eines internationalen Mehrwert-Anbieters keine praktikable Alternative. Aus der Betrachtung des aktuellen und zukünftigen Kommunikationsbedarfs von Unternehmen ergibt sich für die eingangs formulierte offene Alternative Telekom und/oder Privatanbieter eine eindeutige Präferenz für die Option "Mehrwert durch private Anbieter". In den angesprochenen Kommunikationsbereichen ist eine Vielzahl hochkomplexer und äußerst differenzierter Lösungen entwickelt worden, die über das generell bilaterale Kommunikationsangebot der Telekom weit hinausgehen.

Ist-Soll-Analyse vor der Entscheidung

Welches elektronische Kommunikationssystem ein Unternehmen de facto benötigt, läßt sich im Rahmen einer detaillierten Ist-Soll-Analyse präzise ermitteln. Diese muß vor allem zwei Fragen zur vollen Zufriedenheit des potentiellen Anwenders beantworten: Erstens: Wie muß das Kommunikationssystem konzipiert sein, damit es die unternehmensspezifische Anforderung in der Gegenwart und in Zukunft erfüllt? Und zweitens: In welcher Weise trägt dieses Informationssystem zur Amortisierung seiner Investitionskosten und zur generellen Umsatzsteigerung bei?

Es ist daher eine Reihe von Kriterien zu beachten. Zum einen ist wichtig, ob der Anbieter über langjährige Erfahrung bei Informationssystemen verfügt. Nicht uninterresant ist auch die Frage, ob der Dienstleister hardwareneutral ist oder Interesse am Verkauf der einen oder anderen Hardware besteht. In jedem Fall sollte bei allen Planungen gelten, daß Billig-Angebote nicht immer die beste Lösung darstellen - Investitions- und Installationsentscheidung sollten vielmehr pragmatisch sinnvoll gefällt werden.

*Aman Khan ist Leiter des Bereiches Marktentwicklung Ost bei GE Information Services, Berlin.