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27.09.1991 - 

Telebüros sollen den Notstand am Lande lindern

Private TK-Anbieter helfen der Telekom im Osten aus der Not

Ein Jahr nach der Wiedervereinigung: Um ein Telefonat von München nach Dresden zu führen, muß nach wie vor wie ins Ausland gewählt werden. Zwar wurde Anfang Juli mit der Zuschaltung von über 20 000 neuen Telefonleitungen zwischen West und Ost die Gesamtzahl der Verbindungswege auf rund 30 000 erhöht, der Telekommunikationsnotstand ist damit aber längst nicht behoben. Lösungen für die Kommunikationsprobleme sind gefragt. Auch wenn die Telekom auf ihren Monopolen beharrt, existieren doch Alternativen.

Mit dem Masterplan "Telekom 2000", der schon im Mai 1990 vorgelegt wurde, hat die Telekom ein Aufholprogramm gestartet, in dessen Rahmen bis 1997 insgesamt 55 Milliarden Mark investiert werden sollen. Die Ziele: 7,2 Millionen neue Telefonanschlüsse, 68 000 öffentliche Münz- und Kartentelefone, 360 000 Telefaxanschlüsse, 300 000 Mobilfunkanschlüsse, 50 000 Datex-P-Anschlüsse und rund fünf Millionen Kabelanschlüsse.

Zur Beschleunigung: " Sprint '91" und "Turn-Key"

Zur Beschleunigung sind 1991 die beiden zusätzlichen Programme "Sprint '91" und "Turn-Key" mit jeweils einer Milliarde Mark Investitionsvolumen angelaufen. Bei den 85 Bauvorhaben der 29 Turn-Key-Projekte erstellen private Fernmeldefirmen schlüsselfertige TK-Projekte. Mit Turn-Key sollen weitere 200 000 Telefonanschlüsse geschaffen werden, wobei ein typisches Projekt 2000 bis 8000 Einheiten umfaßt.

Für die Datenkommunikation sind bis Ende 1991 rund 5000 Anschlüsse, davon 4500 im Datex-P-Netz vorgesehen. Im gleichen Zeitraum sollen noch 2000 Telexanschlüsse sowie 10 000 Telefaxanschlüsse geschaltet werden. Die Tabelle auf Seite 44 vermittelt einen Überblick über die im Jahre 1991 geplanten Kommunikationsanschlüsse in den neuen Bundesländern.

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Schnelle, aber auch teure Kommunikationsverbindungen wurden über diverse Satellitendienste eingerichtet: Dasat, ein bis Ende 1991 befristeter Betriebsversuch für schnelle Datenübertragung bis 2 Mbit/s; Diva, für den Direktanschluß von Teilnehmern in den fünf neuen Bundesländern an westdeutsche Ortsnetze; David, ein VSAT-Service für Satellitenverteildienste bis 64 Kbit/s und FVSat, mit dem Festverbindungen bis 128 Kbit/s bereitgestellt werden. Neben der Telekom bieten auch private Betreiber Satellitendienste in die ostdeutschen Bundesländer an. Über das Medium Satellit dürfen von den Privaten - Mitte 1991 waren 14 Lizenzen erteilt -, zunächst bis Ende 1997 befristet auch Sprachdienste abgewickelt werden. Zur kurzfristigen Verbesserung der Kommunikationsmöglichkeiten aus den neuen Bundesländern in Richtung Westdeutschland sowie das westliche Ausland werden ebenfalls von der Telekom übergangsweise in den neuen Ländern sogenannte Telebüros mit direkter Westanbindung eingerichtet. Die Idee für diese Einrichtung stammt aus Skandinavien, wo sich die Telehäuser einen festen Platz in der Kommunikationslandschaft erobert haben. Telebüros dienen dem Fernmeldeverkehr mit den westlichen Bundesländern und dem Ausland sowohl privat als auch geschäftlich.

Die erste Telestube wurde im Dezember 1990 im Leipziger Hauptpostamt eröffnet. Ein weiteres Telebüro mit Direktanbindung nach Hannover ist im Zentrum für Tourismus und Kongresse in Neubrandenburg zu finden. Im Rahmen eines Probebetriebes werden zunächst an den Orten der Telekom-Direktionen Erfurt, Magdeburg, Potsdam und Rostock weitere solcher Einrichtungen realisiert. Geplant sind insgesamt etwa 20 bis 30 Telebüros. Die anderen Aufgaben der Telebüros sind Beratung und Informationen über den anstehenden Ausbau in der Region.

Für die Bundesrepublik Deutschland bedeutete die Idee der Telebüros zunächst ein Mittel zur Anwendung moderner Telekommunikation im ländlichen Raum, wofür in den alten Bundesländern rund 20 Pilotprojekte geplant wurden. Durch die Wiedervereinigung und die fehlende TK-Infrastruktur in den neuen Bundesländern erhielt das Konzept eine neue Bedeutung. In der Telestube können nämlich neben Telefon Telefax, Telex, Teletex, Mailbox und Bildschirmtext auch Übersetzungsdienste, Kopierservice, Zugang zu Datenbanken, Beratung und Service für mittelständische Betriebe, Umweltinformationen und gebündelte Dienstleistungen zum Beispiel aus dem Banken- und Versicherungsbereich angeboten werden. Durch eine Vernetzung der einzelnen Telestuben läßt sich der Wirkungsgrad steigern. Dieses Netzwerk koordiniert der im November 1989 gegründete Bundesverband Tele Zottiges International-Deutschland e.V. in Buxtehude.

Daß auch Privatinitiative zur Verbesserung der TK-Infrastruktur im Osten erfolgreich sein kann, hat die Kölner CAS- *SYS mit ihrem Verkaufsbüro auf Teilzeitbasis und einer angegliederten Ost-West-Kommunikationszentrale in Berlin bewiesen. Dort steht die Mailbox MO- *RITZ, welche die Schnittstelle für Zugangsmöglichkeiten zur Nachrichten- und Datenübermittlung aus Ost und West bildet.

Das Dienstleistungsangebot umfaßt firmenspezifische Telefonnummern in Berlin Mitte, passiven Telefonverkauf; Sprach-Mailbox, Telefaxversand und Datenaustausch über Mailbox.

Einen ähnlichen Ansatz zur Lösung der Kommunikationsprobleme realisierte die in Haunetal-Stärklos ansässige Geonet Mailbox Services GmbH: Der Anwender in den neuen Ländern wird über Modemverbindungen via Drittländer automatisch zu seinem Heimatsystem durchgeschaltet.

Die nach dem Prinzip des Distributed Processing entworfenen und in 14 Ländern installierten mehr als 35 Geonet-E-Mail-Systeme sind über WANs und ein spezifisches Intermail-Protokoll miteinander verbunden, so daß sie nach außen wie eine einzige virtuelle Mailbox in Erscheinung treten.

Als zusätzlicher Dienst wird eine Übersetzung von E-Mail-Nachrichten ins Telexformat angeboten, wodurch ein Teilnehmer von seinem PC ein Telex in die neuen Länder absetzen kann.

Ende Juni 1991 hat die Stuttgarter GTC Tele Communication GmbH über von der Telekom gemietete Standleitungen private X.25-Knoten in den Städten Chemnitz, Dresden und Jena in Betrieb genommen. Die angebotenen High-Tech-Kommunikationsdienste umfassen firmeninternen Nachrichtenaustausch zwischen den Mitarbeitern, den Informationsaustausch mit Kunden und externen Interessenten, die Einrichtung von Hot-lines, Zugriffsmöglichkeiten auf über 2500 internationale Datenbanken sowie der Zugang zu anderen internationalen Netzen wie Eunet, Usenet, MCI und AT&T. Ferner sind Übergänge zu den öffentlichen Diensten Telex, Telefax, Teletex, Bildschirmtext und X.400 vorgesehen. Erfahrungen mit Mehrwertdiensten hat GTC Telenet seit zwei Jahren mit ihrer Moskauer Niederlassung gesammelt, die mit einer direkten Leitung mit Stuttgart verbunden ist.

HeiBe Drähte kühlen allmählich ab

Ein pfiffiger Kommunikationsdienst wird jedoch im Laufe des nächsten Jahres seinen Betreibern kein Geld mehr einbringen: die diversen Lösungen, einen heißen Draht für Telefongespräche in die neuen Länder zu schaffen. Das betrifft nicht nur das Wolfsburger Ehepaar (Telefondienst für Ostdeutschland), das über ein C-Netz Funktelefon in ihrem am Bahnhof von Oebisfelde in Sachsen-Anhalt geparkten Pkw Gespräche per öffentlicher Telefonzelle weiterleitete, sondern auch die Dienstleistungsfirmen, die Telefon- und Telefaxverbindungen über den Umweg Ausland vermitteln.