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03.11.1995

Privates Servicehaus arbeitet im Dienste des Landes

SCHWERIN (ms) - Nicht alle fuenfzehn Datenverarbeitungszentren (DVZ) der ehemaligen DDR-Bezirke konnten sich in das Jahr Fuenf nach der Wende retten. Einen Platz im Markt fanden die Schweriner IT-Dienstleister. Als privater Anbieter sind sie gleichzeitig Landesrechenzentrum von Mecklenburg-Vorpommern.

Mit dem turbulenten Wendejahr 1990 sah sich das DVZ Schwerin seiner bisherigen Taetigkeitsfelder beraubt. Ohne Markt und Auftraege - Kunden wie die Industriefirmen und die Zentralverwaltung fuer Statistik bereiteten ihren Abgesang vor - gab es fuer die damals 650 Mitarbeiter des Servicehauses nur noch wenig zu tun. Neben Personalabbau und notwendigen Neuinvestitionen "mussten wir in dem Von-heut-auf-morgen-Agrarland einen neuen Markt finden", erinnert sich Bodo Henning, Geschaeftsfuehrer des Unternehmens.

Die Orientierung der Schweriner sei in Richtung der entstehenden Kommunal- und Landesverwaltungen gegangen. Ein Kundenpotential, das heute vor allem die Umsaetze der Firma - dieses Jahr werden 40 Millionen Mark erwartet - bestimmt.

Beguenstigt wurde diese Entwicklung mit der Entscheidung fuer Schwerin als Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern und dem Kauf des Rechenzentrums durch das Land.

Unter der Firmierung Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg- Vorpommern GmbH agiert der privatisierte Dienstleister gleichzeitig als Landesrechenzentrum.

Laut Henning hat diese Zwitterstellung bisher keine Nachteile gebracht. Seit 1990 habe man etwa 24 Millionen Mark in den Ausbau der Firma gesteckt; 4,5 Millionen Mark davon seien vom Land gekommen - "entsprechend dem Kaufvertrag mit der Treuhand", heisst es.

Derzeit kuemmern sich im DVZ etwa 290 Mitarbeiter um die IT- Modernisierung der oeffentlichen Aemter in der Region. Kunden sind Ministerien und Kommunen, die "auf eine serioese Beratung Wert legen". Die Schweriner scheinen da eine Marktluecke gefunden zu haben. Vor der Konkurrenz aus den alten Laendern habe man keine Angst, so der Manager. Bereits zu DDR-Zeiten "konnten wir mit Begriffen wie Qualitaet, Effizienz und Effektivitaet etwas anfangen". Und so mischt der Dienstleister mit, wenn es um die Umstrukturierung und Vernetzung der DV im ostdeutschen Norden geht. Unter anderem mit "Lavine", einem "innovativen geschlossenen Informationsnetz", das mehr als 1700 PCs in den Ministerien und Kommunen miteinander verbinde, erklaert Projektchef Matthias Fuchs. Noch in diesem Jahr wuerde damit dem Endanwender im Backbone eine Bandbreite bis zu 2 Mbit/s zur Verfuegung stehen. Das System erfuelle "saemtliche Schutzbedingungen, die beim hochsensiblen Datenverkehr in Aemtern" wie der Polizei etc. gefordert seien.

Fuer offene und multimediale Anbindungen soll kuenftig "Mvnet" sorgen: In das landesweite Netz - die Inbetriebnahme ist fuer diesen Monat geplant - "wollen wir Komponenten wie Audio und Video integrieren sowie Zugaenge zum Internet schaffen". Zugriff wuerden in der ersten Aufbaustufe Unternehmen aller Branchen, Verwaltungen, Hochschulen sowie der Home-Anwender in den Staedten Schwerin, Rostock, Stralsund und Neubrandenburg haben. Eine Leitung nach Greifswald sei fuer das naechste Jahr geplant.

Wann das nordische Landesnetz aber den "echten Multimedia-Effekt" praesentieren kann, ist fuer Geschaeftsfuehrer Henning derzeit nicht voraussehbar. Ausser im Consumer-Bereich wuerden derartige Loesungen noch auf sich warten lassen, meint er. Gleichwohl wolle bereits jetzt schon jeder an diesem Markt partizipieren, "den es als solchen gar nicht gibt". Der Wunsch nach einer IT mit multimedialen Elementen muesse beim Nutzer "muehsam geweckt werden".

Landesweites Netz geplant

Was die weltweite Kommunikation via Highway betrifft, so zeige sich derzeit, dass nahezu nichts unmoeglich sei, meint der DV- Manager. Es mute recht merkwuerdig an, wenn ein TV-Sender den Internet-Weg zu einem Sprengstoffrezept beschreibt und dieses dann oeffentlich anbietet, um anschliessend zu diskutieren, ob das Zeigen solcher Kuenste ueberhaupt sinnvoll sei. Allein dieses Beispiel zeige, welche "grosse ethische Verantwortung auf uns zukommt".

Fuer die Schweriner heisst die Zukunft, erst einmal am Markt zu bleiben. Und da seien die Chancen mehr als gut, ist man optimistisch. Trotz einer Arbeitslosenquote im Lande von 15,9 Prozent wuerde investiert - auch im DVZ. Geplant ist der Bau eines Hochsicherheitsrechenzentrums. Etwa 41 Millionen Mark wird es kosten, finanziell gestuetzt mit 30 Millionen Mark aus dem Landestopf.