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26.01.1996

Problem 2000/Mit Eleganz auf die Nase fallen

Einige Unternehmen glauben, einen besonders eleganten, schnellen und kostenguenstigen Weg gefunden zu haben, das Problem 2000 zu umgehen. Die Methode sieht in aller Kuerze folgendermassen aus:

Man installiere an allen Schnittstellen speicherresidente "Janus- Software". Die hat ihren Namen daher, dass sie in beide Richtungen des Datenflusses schaut. Entdeckt so ein Programm eine zweistellige Jahreszahl, interpretiert es diese. Das Interpretationsschema richtet sich im wesentlichen nach dem Jahrzehnt der Einfuehrung der DV im betreffenden Unternehmen, beispielsweise: Alle Jahreszahlen kleiner 60 kennzeichnen ein Jahr 20xx. Aus einem Datum im Jahre 1904 (04) wuerde also eines im Jahr 2004 und umgekehrt.

Die Methode birgt Fussangeln. Zum einen sind nicht alle Datumsfelder als solche zu erkennen. Selbst eine ueberaus niedrig angesetzte Nichterkennungsquote von fuenf Prozent koennte fatale Folgen haben. Hier weitere Sicherheiten einzubauen, duerfte zu so vielen Alarmmeldungen fuehren, dass der Trick letztlich personalintensiver wird als eine Renovierung der Software.

Zum anderen fallen die Kalendertage der Jahre 2000 ff. auf andere Wochentage als 1900 und in den Folgejahren. Prozesse, die automatisch an bestimmten Wochentagen anlaufen, wuerden also zur Unzeit starten, beispielsweise Prozesssteuerungen, Datensicherungs- Massnahmen, woechentliche Abrechnungen und Bilanzierungen. Dieser Nachteil liesse sich wiederum nur durch weitere speicherresidente Janus-Software ausgleichen. Die Methode entwickelt sich langsam zum Speicherfresser - ohne Sicherheit zu bieten.

Ausserdem wuerde das Jahr 00 zwar als 2000 in Erscheinung treten, rechnerisch im Hintergrund aber als 1900 laufen. Nur ist leider 2000 im Gegensatz zu 1900 ein Schaltjahr. Allen Berechnungen wuerde also ein Tag fehlen, was die Lohnabhaengigen bestimmt nicht gut finden werden.

Auch hier duerfte die "Loesung" einen ganzen Rattenschwanz an Problemen nach sich ziehen. Im uebrigen fuehrt sie letztlich zum Gegenteil der erhofften Kostensenkungen. Der Trick kostet selbst und verschiebt die Umstellung nur. Eine Behebung des Problems beispielsweise im Jahre 2004 duerfte kaum billiger sein als heute. Auch ist es blauaeugig, anzunehmen, die DV-Landschaft in einem Unternehmen sei dann weniger komplex und undurchsichtig als heute. Das Problem waere nur auf eine andere Generation von DV-Experten verschoben.