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18.03.1983 - 

Mikroelektronik in der UdSSR:

Probleme bei der kommerziellen Nutzung

MÜNCHEN(CW) - Über einen langen Zeitraum war die Militär- und Raumfahrttechnik in der UdSSR Nutznießer der Mikroelektronik. Unterentwickelt blieben dagegen die kommerziellen Anwendungen. Erst seit Beginn der Achtziger Jahre konnten auf der Grundlage der Fünfjahresplanung für 1976 - 1980 in diesem Bereich erste Erfolge realisiert werden.

Nach sowjetischen Darstellungen wurden in den UdSSR in den Jahren 1961/62 die ersten integrierten Schaltkreise auf Germanium- und Siliziumbasis hergestellt. Besonders für die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Bereich der Halbleiterindustrie sowie für die Produktion von Halbleiterbauelementen stellte der Staat zu dieser Zeit und in den nachfolgenden Jahren umfangreiche Investitionsmittel bereit. Die staatliche Förderung erstreckte sich jedoch hauptsächlich auf die Bereiche der Militär- und Raumfahrttechnik.

Erst seit etwa Mitte der siebziger Jahre wurden auf der Grundlage staatlicher Planungen erste großangelegte Maßnahmen für eine breite Nutzung der Möglichkeiten der Elektronik ergriffen.

Im Mittelpunkt der in diesem Zusammenhang erhobenen Forderungen standen die Erhöhung des technischen Niveaus, der Qualität und der Betriebssicherheit von Maschinen und Ausrüstungen. Gefördert werden sollte ebenfalls die Produktion von DV-Anlagen für den Einsatz in den Verwaltungen der Betriebe und der staatlichen Leitungsorgane, ferner von Steuerrechnern für die Produktionsautomatisierung und schließlich Industrierobotern.

Da insbesondere die Mikroelektronik in den siebziger Jahren gerade mit Blick auf Entwicklung und Produktion der Mikrorechen- und Steuerungstechnik noch ohne große Erfolge blieb, war hier die Nachfrage nach leistungsfähiger Westtechnologie besonders groß. Dennoch wies das Produktionsprogramm der mikroelektronischen Industrie der UdSSR bereits 1978 ein beachtliches Schaltkreissortiment auf. In Serie produziert wurden vornehmlich in den Elektronischen Werken "W.l. Lenin" in Riga u.a. folgende MOSSchaltkreise:

- 20- und 16-Bit-Speicher (Serie K 133),

- dynamische Speicher (Serie K 135),

- Schieberegister,

- Festwertspeicher in p-Kanal-Technik,

- Schreib-Lese-Speicher in n- und p-Kanal-Technik sowie - verschiedene Typen von Mikroprozessoren (4 und 8 Bit) in n- und p-Kanal-Technik.

Erst gegen Ende der siebziger Jahre war ein spürbarer Aufschwung im Bereich der Mikroelektronik zu verzeichnen. Wie es hieß, hatte hiervon insbesondere der Werkzeugmaschinenbau profitiert.

In zunehmendem Maße wurden nunmehr auch Mikrorechner zum Beispiel vom Typ "Elektronika", ausgerüstet mit CMOS-Schaltkreisen, im Zentralen Wissenschaftlichen Moskauer Institut Elektronika produziert und zur Lösung unterschiedlicher Aufgaben in der Industrie eingesetzt. Zufrieden vermerkten daher staatliche Leitungsorgane, daß für 1980. Hunderttausende von Mikroprozessoren in 10 Typen, Tausende Mikrocomputer und eine Million Mikrokalkulatoren in dreißig Bauarten" hergestellt werden konnten.

Die Entwicklung der Mikroelektronik ist jedoch auch mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. So wurde 1980 kritisch festgestellt, daß es "ein Mißverhältnis zwischen der schnell wachsenden Produktion von Mikroprozessoren und ihrem Einsatz gibt.

Viele Zweige, so hieß es, sind noch nicht in der Lage, Mikroprozessoren für die Steuerung von Maschinen, Anlagen und Prozessen zu verwenden. Grund hierfür scheint die Tatsache zu sein, daß für den Einsatz der Mikroelektronik in den Produktionsbereichen der Betriebe wohl noch immer die geeigneten Vorraussetzungen fehlten.

Als erschwerend kommt hinzu, daß beispielsweise für die Produktion von Mikroprozessoren verschiedene Ministerien verantwortlich sind. Die sich hieraus ergebende zum Teil recht verworrene Leitungsorganisation hatte sich daher ebenfalls nicht gerade förderlich auf eine schnelle Anwendung der Mikroelektronik ausgewirkt.

Um derartige Disproportionen auszuräumen, wurde noch 1980 dem Komitee für Wissenschaft und Technik der Sowjetunion gemeinsam mit dem Staatlichen Plankomitee und einigen Ministerien die Aufgabe zugewiesen, zunächst einmal das Projekt eines "komplexen Zielprogrammes für den Einsatz von Mikroprozessoren und Mikrocomputern" auszuarbeiten. Wer die Verhältnisse in der Sowjetunion kennt, weiß, wie lange die Realisierung von Entwicklungsprogrammen dauern kann.

Inwieweit sich nun die gerade gegenwärtig unter Parteichef Andropow vorgenommene Disziplinierung leitender Kader auch auf eine schnelle und planmäßige Verwirklichung des Zielprogramms auswirken wird, bleibt anzuwarten.