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14.01.1994

Probleme mit der Stammhaus-Tradition

Obwohl mehrmals totgesagt, konnte SNI-Chef Hans-Dieter Wiedig den Personalabbau bei der Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG ganz im von "Stammhaus-Beamten" gepraegten Stil des Mutterunternehmens vorantreiben - die Siemens-Konzernspitze demonstrierte auch unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer Geschlossenheit, was das Bekenntnis zu ihrer erfolglosen Computertochter betrifft. So wurde in Sonntagsreden immer wieder die essentielle Bedeutung der Informationstechnologie fuer den Gesamtkonzern unterstrichen, ohne dabei Worst-case-Massnahmen fuer den Fall des unaufhaltsamen Niedergangs der SNI anzudeuten. Fuer die Formel "Mit SNI, solange es geht, ohne SNI, wenn es sein muss" sprach zwar vieles, nur liess sich eben kein Siemens-Manager so zitieren. Es ist denn auch keinesfalls ein Bruch mit der Stammhaus-Tradition von Siemens, so zu tun, als seien Karriereknick und Ellbogen Tabuthemen, wenn die Muenchner Zentrale jetzt ungefragt von einer Verstaerkung der SNI-Fuehrungsmannschaft spricht, obwohl das Wiedig- Kabinett offiziell weiter regiert. Mit dem Deutschen Gerhard Schulmeyer von der US-Gesellschaft des schweizerisch-schwedischen Industriekonglomerats ABB Asea Brown Boveri wurde ein international erfahrener Topmanager fuer den SNI-Vorstand gewonnen (siehe Seite 1). Ist diese Meldung dazu angetan, Zweifel am Erfolg der SNI- Sanierungsmassnahmen auszuraeumen? Noch schweigt sich ja die Siemens-Fuehrung darueber aus, wo und wie sie den 55 Jahre alten Schulmeyer einsetzen will und was aus SNI-Chef Wiedig wird, aber die Weichen fuer einen Wechsel duerften wohl gestellt sein. Womit der SNI-Erfolg erzwungen werden soll, muessen die Muenchner erst noch erklaeren. Topmanager kosten zwar Geld, aber so viel nun auch wieder nicht. Die Meldung ueber einen Personaltransfer, so spektakulaer dieser auch erscheinen mag, kostet Siemens zunaechst nur ein PR-Laecheln. Damit kommen die Strategen des letzten deutschen DV-Mohikaners nicht weit. Sicher ist, dass SNI Zuwachsraten in den internationalen DV-Maerkten braucht - ein betraechtlicher Anteil am nationalen Geschaeft ist vielleicht zum Sterben zuviel, zum Ueberleben mit Sicherheit zuwenig. Das weiss man nicht erst seit dem Nixdorf-Debakel. Mit der Verpflichtung von Schulmeyer signalisieren die Konzernoberen, dass sie die konservative Siemens-Unternehmenspolitik aendern wollen. Im Verein mit dem im Herbst 1993 angeheuerten neuen SNI- Vertriebschef Robert Hoogstraten, einem Hollaender, der von der europaeischen Tandem-Zentrale kam, bringt Schulmeyer internationales Marketing-Know-how ein - ob das reicht, SNI flott zu machen, wissen wohl nur die Goetter. Einige Nummern kleiner sind zuverlaessigere Prognosen zu haben: Die Mainframe-Lastigkeit der SNI-Basis spricht gegen eine schnelle Wende. Ein Patentrezept koennen auch Schulmeyer und Hoogstraten nicht aus dem Hut zaubern. Warten wir auf SNI-Produktankuendigungen, die den Turnaround- Anspruch untermauern.