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19.10.1990 - 

Gezieltes Vorgehen von Mitarbeitern aller Ebenen gefordert

Probleme und Lösungswege bei der Einführung von CIM

Die Einführung von CIM-Strategien in ein Unternehmen spielt sich in der Regel in zwei Phasen ab. Zunächst werden einzelne CIM-Komponenten evaluiert und in die Unternehmenslandschaft integriert. Dabei bestehen in den meisten Fällen die alten Aufbau- und Ablaufstrukturen weiterhin. Erst in einem zweiten Schritt versucht man dann, die CIM-Bausteine datenmäßig miteinander zu verbinden. Im folgenden werden Probleme, die dabei auftreten können, aufgezeigt und eine Lösung mit Hilfe einer zentralen, technischen Datenbank diskutiert.

Bei der Einführung von CIM beschränken sich die Unternehmen in einer ersten Phase auf die Beschaffung von CIM-Komponenten, wie CAD, CAM, PPS, DNC, etc. Diese dienen in erster Linie dazu, Sachbearbeitern und dem mittleren Kader, die unter einem ständig wachsenden Termindruck stehen, bessere und rationelle Arbeitsmittel an die Hand zu geben. Strategische CIM-Überlegungen der Firmenleitung, wie integrierte Auftragsabwicklung oder neue Dispositions- und Fertigungsphilosophien, folgen in der Regel erst sehr viel später.

Problem: die Masse individueller Schnittstellen

Die heutige Situation in vielen Unternehmen ist deshalb dadurch gekennzeichnet, daß einzelne CIM-Komponenten firmenspezifisch in die Aufbau- und Ablauforganisation integriert wurden. Die Effizienz dieser CIM-Inseln konnte teilweise noch durch den Einsatz von Zusatzsoftware, wie Zeichnungsverwaltungs- und Werkzeugdokumentations-Systeme, Norm- sowie Kaufteilpakete erhöht werden. Auch diese Zusatzpakete werden firmenspezifisch eingesetzt und erzeugen und benutzen firmenspezifische Daten. Es läßt sich nicht vermeiden, daß in den unterschiedlichen Datenstrukturen der CIM-Inseln und der Zusatzpakete nicht wenige Daten redundant gespeichert und verwaltet werden. Der Pflege- und Wartungsaufwand, die einzelnen Datenbestände Ó jour zu halten, übersteigt dann sehr bald die Kapazität der einzelnen Fachstellen und der EDV-Abteilung. Der Wunsch, einmal erzeugte Daten auch nachgelagerten Bereichen zur Verfügung zu stellen, die schlechten Erfahrungen mit nicht-konsistenten Datenbeständen und nicht zuletzt der steigende Pflege- und Wartungsaufwand zwingen die Unternehmen, auch über eine Integration der Daten nachzudenken. Selbstverständlich gibt es Bemühungen, Schnittstellen für den Austausch produktdefinierender Daten zu normieren. Diese können sich allerdings nur auf allgemeingültige Daten, wie beispielsweise Grafik beschränken. Firmenspezifische Stamm- und Strukturdaten müssen auch bei einem Datenaustausch firmenspezifisch behandelt werden. So wird in den Unternehmen ein Copy- und ein Extract-Management aufgebaut, das eigenentwickelte Schnittstellenprogramme unterstützt.

Bei der Realisierung dieser nicht triviale Schnittstellenprogramme kommen die besten Programmierer der Unternehmen zum Einsatz. Diese sind es auch, die in der Regel die Korrektheit der Datenübernahmen kontrollieren müssen. Je mehr CIM-Inseln mit eigenen Datenstrukturen in einem Unternehmen bestehen, desto mehr müssen solche individuellen Schnittstellenprogramme realisiert und kontrolliert werden. Somit werden die innovativen Programmierer zu Datenkontrolleuren degradiert. Es ist dann eine Frage der Zeit, wann sich diese Mitarbeiter nach einem neuen Tätigkeitsfeld umsehen, um wieder als kreative Entwickler tätig sein zu können. Dies hat dann selbstverständlich wieder eine Anpassung des Copy- und Extract-Managements und der Schnittstellenprogramme zur Folge. Die zur Verfügung stehenden Ressourcen und die herkömmlichen Werkzeuge der dritten Generation reichen nicht mehr aus, die anfallenden Arbeiten zu bewältigen. Hinzu kommen die Forderungen der Endanwender nach besseren Auswertungsmöglichkeiten der bestehenden Datenbestände. Es entwickelt sich ein Anwendungsstau in der EDV-Abteilung.

Relationale Datenbankmodelle und Werkzeuge der vierten Generation bieten erstmals die Möglichkeit, unternehmensweite Datenhaltungskonzepte anzugehen. Ein besonderes Bedürfnis nach solchen umfassenden Datenbanken besteht vor allem in den technischen Bereichen eines Unternehmens. Die Datenbank hat hier die Aufgabe, alle produktdefinierenden Daten aufzunehmen und als Drehscheibe zwischen den einzelnen CIM-Komponenten zu dienen.

Es ist jedoch durchaus nicht trivial, eine solche zentrale, technische Datenbank mit einer einheitlichen Datenstruktur so zu designen, daß sie den Bedürfnissen aller Applikationen in einem CIM-Szenario gerecht wird. Dies gilt um so mehr, als man davon ausgehen muß, daß in der Design-Phase gar nicht alle Anforderungen an die Datenbank bekannt sein können. Zukünftige Entwicklungen im eigenen Unternehmen und auf Anbieterseite sind unbekannt und können deshalb noch nicht in die Überlegungen einbezogen werden. Weiterhin kommt erschwerend hinzu, daß auf firmenspezifische Betriebsabläufe Rücksicht genommen werden muß. Auch Änderungen oder Anpassungen der Ablaufstrukturen im Unternehmen an neue Marktbedingungen müssen integrierbar sein. Dies bedeutet für das Datenbank-Design, daß die Strukturen so flexibel aufgebaut werden und die Relationen so normalisiert werden müssen, daß auch zukünftige Anforderungen integriert werden können.

Keine technische Datenbank von der Stange

Ein Datenbankkonzept, das all diesen Ansprüchen genügt, hat Auswirkungen auf alle Bereiche eines Unternehmens, die direkt mit dem Produkt und dessen Herstellung beschäftigt sind. Viele Mitarbeiter auf allen Ebenen müssen ihre Arbeitsweise auf die neue Technologie umstellen. Es liegt auf der Hand, daß ein solch umfassendes Datenbankkonzept "sanft" in ein Unternehmen eingeführt werden muß. Es darf und kann nicht sein, daß auf einen Schlag ein ganzes Unternehmen auf ein solches Konzept umgestellt wird. Die Einführung muß schrittweise erfolgen. Das bedeutet, daß einzelne Datenbankapplikationen zeitlich versetzt zu realisieren sind. Die Reihenfolge richtet sich nach den Bedürfnissen und den Engpässen in den technischen Bereichen. Erst dann, wenn ein Schritt erfolgreich abgeschlossen ist, darf man den nächsten in Angriff nehmen. Dies hat auch zur Folge, daß eine solche Einführung sich über Jahre erstrecken kann.

Aus den oben gemachten Ausführungen ist unschwer zu entnehmen, daß eine unternehmensweite, technische Datenbank firmenspezifisch designed und realisiert werden muß. Dabei gibt es durchaus Standards, die jeder Datenbank zugrunde gelegt werden können. Es ist allerdings fraglich, ob Unternehmen, vor allem mittelständische, überhaupt in der Lage sind, solche Konzepte mit dem eigenen Mitarbeiterstab zu realisieren. Der Aufbau des entsprechenden Know-hows würde sehr viel Zeit in Anspruch nehmen und hohe Kosten verursachen. Die Analyse der Datenflüsse und Datenstrukturen, um ein solches Konzept zu verwirklichen, bedarf einer jahrelangen Erfahrung auf diesem Gebiet.

Für die Realisierung eines solchen Konzepts muß weiterhin die Vorgangsmethode abgeklärt werden. Solche Methoden, die im Bereich des objektorientierten Programmierens liegen, zu beschreiben, würde den Rahmen dieser Abhandlung sprengen.

Der weitaus größte Teil der Unternehmen hat heute den Schritt in Richtung vollständiger Datenintegration noch nicht gemacht. Es gibt erst wenige Unternehmen, die diese Aufgabe mit konkreten Zielvorstellungen in Angriff genommen haben. Es darf auch nicht verschwiegen werden, daß der Weg heute noch mit Stolpersteinen gespickt ist. Dabei spielen unter anderem unterschiedliche Betriebssysteme, unterschiedliche Netzwerk-Protokolle und unterschiedliche Hardwareplattformen in den Unternehmen eine Rolle. Es ist jedoch heute bei den Anbietern von CIM-Komponenten, seien es nun Hard- oder Softwarekomponenten, der Trend festzustellen, solche Datenbankkonzepte zu unterstützen. Die Zeit ist reif, daß sich die Unternehmen mit solchen Konzepten bereits heute beschäftigen, damit die Weichen richtig gestellt werden, um in ein oder zwei Jahren mit einer Datenintegration optimal beginnen zu können.

Trotz der beschriebenen Schwierigkeiten gibt es durchaus Unternehmen, die eine solche technische Datenbank in Angriff genommen und erfolgreich realisiert haben. Dem Autor sind jedoch nur einige wenige innovative und dynamisch geführte Unternehmen des Mittelstandes bekannt, die diesen Weg gegangen sind. Dies ist um so bemerkenswerter, da - wie bereits erwähnt - mittelständische Firmen nicht über die gleichen Möglichkeiten wie ein Großunternehmen verfügen.

Zentrale EDV von Auswertungen befreien

Die Erfahrung zeigt, daß produktdefinierende Daten, die den Benutzern in der beschriebenen Form zur Verfügung gestellt werden, von diesen gern und in großem Stil genutzt werden. Dies hat zur Folge, daß die Nachfrage nach Auswertungsmöglichkeiten bei der zentralen EDV explosionsartig steigt. Die zentrale EDV ist gar nicht in der Lage, konventionell erstellte Programme in der geforderten Anzahl und Geschwindigkeit zur Verfügung zu stellen. Der Anwendungsstau ist vorprogrammiert und damit die Akzeptanz der Datenbank bei den Benutzern gefährdet. Die zentrale EDV muß ganz klar von der Erstellung von Auswertungen befreit werden. Sie muß allerdings Werkzeuge und Methoden zur Verfügung stellen, die den Endbenutzer in die Lage versetzen, solche Auswertungen selbst zu erstellen. Konkret heißt dies, daß entsprechende Masken- und Reportgeneratoren vorhanden sein müssen.

Die Funktionen, die die EDV- Abteilung in einem solchen Umfeld wahrzunehmen hat, unterscheiden sich in wesentlichen Punkten von den herkömmlichen. Sie ist nicht mehr das Dienstleistungsunternehmen, das tagelang Listen für die einzelnen Sachbearbeiter erstellt beziehungsweise die Programme schreibt, um solche Listen zu erstellen. Sie hat in Zukunft in erster Linie für die Sicherheit und Verfügbarkeit der Daten zu sorgen. Weiterhin hat sie die Methoden und Standards zu definieren, mit denen der Endbenutzer auf die Daten zugreift und in der richtigen, von ihm gewünschten Form ausgibt. Dabei darf das Ausgabemedium keine Rolle spielen. Weiterhin muß ein Benutzer-Service-Center eingerichtet werden, das bei auftretenden Schwierigkeiten Hilfe anbieten kann. Damit verbunden ist auch ein Ausbildungskonzept für die Endanwender.

Die Einführung von CIM-Strategien und CIM-Komponenten in ein Unternehmen erfordert von allen Mitarbeitern besondere Anstrengungen und ein gezieltes Vorgehen. Mit dem zunehmenden Einsatz von EDV- Systemen ist eine Verlagerung von lokalen Einzelproblemen zu strukturellen Gesamtproblemen zu erkennen. Datenredundanzen, Änderungsprobleme, manuelle Übertragung von Daten von einem System auf ein anderes sind die Probleme, die bei unkoordiniertem Vorgehen auftreten. Die Unternehmensleitung muß die ganzheitliche Koordination der EDV-Aktivitäten übernehmen. Dabei sollte sie auch nicht davor zurückschrecken, externes Know-how in Anspruch zu nehmen.

Diplom-Informatiker Karl-Heinz Dahley ist Bereichsleiter ''Technische Datenbanken" und Mitglied der Geschäftsführung bei der Dür + Partner AG, CH-Kloten.