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25.11.1977 - 

Dr. Gerhard Maurer

Problemlöser an die Datenbank!

Der Anwender kann kaum noch mithalten mit der Welle der vielen Hardware-Neuankündigungen in jüngster Zeit wenn er sich nicht nur über die "noch günstigeren" Nachfolgesysteme seines derzeitigen Herstellers, sondern auch über die vielen theoretischen Alternativen informieren will. In der Tat überschlagen sich die Meldungen über Neuankündigung "bei allen großen Mainframern.

Aber der Hinweis, daß die Alternative eines Herstellerwechsels für den Praktiker meist nur theoretisch besteht zeigt schon das eigentliche Problem auf. Wo bleiben die Software-Neuankündigungen, die wirklich Adaptabilität und Portabilität vor allem aber den langversprochenen Komfort bringen, der bei nunmehr so stark verbilligter Rechnerleistung endlich verfügbar sein sollte? Auf dem Software-Sektor gibt es seit langem nichts aufregend Neues mehr, ganz still wurde es um Neuankündigungen für Datenbank-Software.

Wirklicher Dialog?

Nach der theoretischen Diskussion über hierarchische Datenbank-Modelle, vernetzte Codasyl-Strukturen und das Relationen-Modell hofften die Anwender auf ein Zeichen des großen Marktführers, das endlich die Richtung weist, endlich eine "neue Epoche" für den "Enduser" einleitet.

Der vielzitierte Endbenutzer hat es nämlich auch heute noch an seinem Terminal sehr schwer, wenn der den vielzitierten Dialog mit dem Computer anstrebt, es sei denn, er ist ein "Parametric-User", der nur Varianten einer vorgefertigten Prozedur durchspielt. Für diese Sachbearbeiter in den Fachabteilungen ist das Terminal am Arbeitsplatz kein echtes Dialog-Gerät und muß es auch nicht sein.

Endbenutzer wären aber auch die zahlreichen "problemsolver", die sich im Dialog mit dem Rechner und seiner Datenbank erst ihre Problemlösung erarbeiten müssen und nicht warten können, bis die überlastete EDV-Abteilung Hilfestellung geben kann. Alle bekannten Abfragesprachen für Datenbanken sind heute noch viel zu kompliziert, um den nicht speziell Ausgebildeten als effizientes Werkzeug zu dienen, und solange dies so ist, kann es auch nicht sinnvoll sein, ihnen Computerleistung am Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen oder für ihre Probleme in den Datenbanken Zeitreihen und Tabellen zu speichern.

High Level Communication

Mehr Benutzerfreundlichkeit für den selbständig mit Programmen und Dateien arbeitenden Problemlöser der Fachabteilungen hieße:

- Minimierung des erforderlichen Trainings, damit die "Abschreckungsschwelle" niedrig bleibt. Statt dessen sollte der Benutzer durch die Arbeit am System dazulernen.

- Vereinfachung der System-Meldungen und -kommentare, damit für die Anwendung irrelevante Computer-Details entfallen, die nur den Gedankenweg zur Lösung stören.

Dazu wiederum wäre "High Level Communication" mit der Datenbank und der Programmbibliothek oder Methodenbank erforderlich:

- Die Systeme sollten den Benutzer "führen", indem sie jeweils die benötigten Informationen von ihm anfordern (Prompting).

- Die Systeme sollten dem Benutzer erklären können, was er im Moment nicht versteht (Help-Funktion Tutorials).

- Die Systeme sollten den Benutzer an jeder Stelle des Dialogs über die verfügbaren Optionen und erlaubten Aktionen informieren (Menue-Technik).

Schließlich müßten system-intern verschiedene Algorithmen zur Verfügung stehen, die auf logisch zweckmäßigen Anweisungen der Benutzer die bezüglich der Rechenleistung effizientesten Befehlsfolgen ermitteln, damit etwa bei der Abfrage großer Datenmengen optimale Suchstrategien zur Anwendung kommen. Selbstverständlich müßte für jeden Problemlöser ein besonderer Arbeitsbereich zur Verfügung stehen, der die Auswirkungen von Veränderungen an Daten aufzuzeigen zuläßt, bevor solche Änderungen der Datenbank eingegeben werden.

Es scheint, als ob solche anwendungsprogramm-unabhängigen Systemhilfen von den Herstellern vor allem deshalb noch nicht angekündigt wurden, weit die große Vorab-Entscheidung, welches Datenbank-Modell all dem künftig zugrunde liegen soll, noch nicht gefallen ist. Die künftigen Softwareprodukte der Hersteller in diesem Bereich dürften für die Weiterentwicklung der Datenverarbeitung von größerer Bedeutung sein als die jüngsten Hardware-Neuankündigungen.