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28.06.2006

Produkte aus virtuellen Ingenieursbüros

André Guldi 
Wie das Product-Lifecycle-Management (PLM) international verteilte Konstruktionsbüros verbindet und gleichzeitig das geistige Eigentum von Unternehmen schützt.

Zeitgemäße Entwicklungsprozesse im Maschinenbau, der Elektronik- oder Hightech-Branche basieren auf der abgestimmten Zusammenarbeit von international verteilten Organisationseinheiten. Dies umfasst neben der Konstruktion auch das Design, die Beschaffung, die Fertigung und das Marketing von Produkten. Hierbei arbeiten Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens und Partner außerhalb als Teil der erweiterten Wertschöpfungskette eng zusammen. Motivation für diese Art der Organisation ist es, hochwertige Produkte rasch auf den Markt zu bringen und Innovationen schneller umsetzen zu können. Notwendig ist daher eine effiziente Vorgehensweise bei der Entwicklung: Die Prozessbeteiligten müssen trotz der räumlichen Entfernung eng zusammenarbeiten und benötigen stets aktuellen Zugriff auf die relevanten Produktdaten.

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Zur Verarbeitung produktbezogener Daten wie beispielsweise Konstruktionszeichnungen oder Stücklisten kommen Lösungen für das Product-Lifecycle-Management (PLM) zum Einsatz. PLM bringt die an der Produktentstehung beteiligten Mitarbeiter, Konstruktions- und Planungsbüros näher zusammen: Als Collaboration-Plattform erfüllen PLM-Lösungen den Wunsch nach enger Integration aller Prozessbeteiligten. Und dies unternehmens-, standort- und länderübergreifend.

Schutz des geistigen Eigentums

Solch eine enge Kooperation ruft jedoch auch Bedenken hervor. Kritische Stimmen kommen von Unternehmensseite immer dann, wenn es darum geht, externen Partnern wie Lieferanten, Entwicklungsbüros oder auch Kunden Zugriff auf die eigenen Systeme mit ihren Konstruktionszeichnungen und Datenbanken zu geben. Hier geht es um den Schutz des geistigen Eigentums: Sensible Daten aus der Entwicklung wie Konstruktionen, Berechnungen und patentwürdige Entwürfe sichern die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens und müssen daher einerseits geschützt werden, anderseits aber den Geschäftspartnern in kontrollierter Form zur Verfügung stehen, damit alle gemeinsam Innovationen umsetzen können. Die PLM-Lösung muss daher die Zusammenarbeit von Partnern mit Funktionen für das IP-Management unterstützen: Fein abstufbare Zugriffsrechte geben Kontrolle und Transparenz über die Produktdetails innerhalb des erweiterten Unternehmensumfelds.

Mitarbeiter unter Kontrolle

Mehr Kontrolle und Transparenz führt aber auch dazu, dass Mitarbeiter einer neu eingeführten Lösung kritisch gegenüberstehen. Grund dafür ist, dass die eigenen Arbeitsabläufe durch die neue PLM-Software plötzlich transparenter werden. Abhilfe schaffen rechtzeitige Schulungen, die über die Vorteile des Systems aufklären. In kritischen Situationen ist es hilfreich, den Betriebsrat frühzeitig einzubeziehen, um auch von dieser Seite aus Aufklärungsarbeit zu leisten.

Beispielszenario

Wie Ingenieure auf Basis einer PLM-Software zusammenarbeiten können, zeigt das Beispiel "Agile Engineering Collaboration". Der Agile Engineering Desktop bildet die Benutzeroberfläche für CAD-Ingenieure. Das eigentliche CAD-System kommuniziert über den CAD-Connector mit dem zentralen PLM-Server, auf dem die Design- und Produktstrukturen gespeichert sind. Der Viewer "Cimmetry AutoVue", mit dem Benutzer aus technischen und nichttechnischen Bereichen arbeiten können, greift auf diese Daten und Produktstrukturen zurück und zeigt die CAD-Objekte an. AutoVue stellt dabei sicher, dass die Originaldateien nur auf dem Unternehmens-Server gespeichert bleiben. Der Client gewährt dem Benutzer lediglich die Ansicht auf die Konstruktionszeichnung, die er im Entwicklungsprozess benötigt - kritische Dateien und Dokumente verbleiben so im Unternehmen. Überarbeitungsfunktionen wie das Redlining erlauben es den Entwicklern, Kommentare zu Zeichnungen oder neue Ideen hinzuzufügen und sich mit Konstruktionspartnern auszutauschen.

Zugriffsrechte

Die im PLM-System gespeicherten CAD-Modelle und Stücklisten haben eine komplexe Struktur, die sich über mehrere Baugruppen oder Objektebenen erstrecken kann. Der Zugriff auf ein übergeordnetes Objekt würde automatisch die Erlaubnis enthalten, auch auf alle darunter liegenden Objekte zugreifen zu können. Beispielsweise können komplexe Maschinen oder Autos mit all ihren Kombinationen mehrere tausend Varianten umfassen - wer will hier schon auf Teileebene manuell die Rechte vergeben?

PLM-Lösungen bieten daher Funktionen, um objekt- und rollenbasierende Zugriffsrechte für Mitarbeiter, Gruppen oder ganze Organisationen zu vergeben. Um den Aufwand weiter zu verringern, erhalten die für ihren Bereich zuständigen Projektleiter die Verantwortung zur Vergabe der Zugriffsrechte, so dass sich der Administrationsaufwand auf mehrere Schultern verteilt. Auch lassen sich einzelne Mitarbeiter mehreren Projekten zuordnen (Multi-Project Access Rights). Sie bekommen dann in jedem Projekt individuelle Zugriffsrechte.

Repliken für externe Mitarbeiter

Eine weitere Funktion für die Engineering Collaboration regelt die Zusammenarbeit auf Dokumentenebene und sorgt für den effizienten Datentransfer. Die Dateireplikation innerhalb von PLM hilft dabei, dass Anwender auch von externen Standorten rasch auf Informationen zugreifen können. Mit der Replikationslösung erzeugt der Anwender lokale Kopien und kann an diesen weiterarbeiten. Um den Kopiervorgang zu beschleunigen, werden nur die Daten übertragen, die der Nutzer tatsächlich benötigt. Die Auswahl erfolgt nach freien Kriterien oder orientiert sich an bestimmten Dokumentengruppen. Sperrmechanismen sorgen dafür, dass sich Ingenieure nicht gegenseitig Dokumente überschreiben: Öffnet der Anwender eine Datei wird eine Reservierungsmarke gesetzt, die auf ein geöffnetes Dokument hinweist. Über Check-in- und Check-out-Funktionen stellt das File-Management-System sicher, dass alle Mitarbeiter mit den korrekten und aktuellen Dateien arbeiten.

Virtuelle Sitzungen

Die beschriebenen Sicherheitsmechanismen sind eine wesentliche Voraussetzung für die Bereitschaft, dass sich Unternehmen weltweit vernetzen und noch enger zusammenarbeiten. Von virtuellen Sitzungen profitieren Zulieferer besonders stark, da sie meist den Großteil der Abstimmungskosten tragen. So besteht in der gesamten Fertigungsindustrie ein wachsender Bedarf für Engineering Collaboration: Bei der Kommunikation der Ingenieure untereinander unterstützt das PLM-System die Diskussion von Ideen, Änderungen und Verbesserungsvorschlägen. Dies kann über Diskussionsforen, E-Mails oder Kommentare innerhalb von technischen Zeichnungen erfolgen, ähnlich wie es in Word- oder PDF-Dokumenten möglich ist.

Reisekosten reduzieren

Über eingebaute Funktionen können sich Ingenieure zu einer virtuellen Sitzung zusammenschalten und auf Modellebene ein CAD-Objekt betrachten und online diskutieren. Ergänzend hierzu setzen die Entwicklungsabteilungen auch Technologien wie Microsofts "Netmeeting" oder WebEx ein. Grundlage für die anschließende Entscheidungsfindung sind jedoch immer die aktuellen Produktdaten und Konstruktionszeichnungen, auf die jeder Standort Zugriff haben muss. Da durch diese Art der Abstimmung viele Reisen entfallen können, beschleunigt sich die Produktentwicklung. (ws)