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05.11.1982 - 

Maßgeschneiderte Anwendung sollte Sprung ins kalte Wasser verhindern:

Produktion von Druckzubehör ohne Druck

70 Prozent der Produkte der Baldwin-Gegenheimer GmbH, Augsburg, werden auftragsbezogen gefertigt. Die deutsche Tochter des englischen Herstellers von Zubehör für Rollen- und Bogendruckmaschinen beliefert mit derzeit 150 Mitarbeitern vorwiegend europäische Druckmaschinenhersteller mit komplizierten Druckmaschinenteilen.

Da dieses Druckzubehör teilweise mit einer Fertigungstiefe von bis zu sieben Stufen hergestellt wird und Personalkosten auch hier ständig steigen, sollte ein EDV-System diese Schwierigkeiten abschwächen.

Da die Augsburger EDV-Laien keinen Sprung ins kalte Wasser tun wollten sollte eine maßgeschneiderte EDV-Anwendung Abhilfe schaffen. Horst Aßner, International Controller bei Baldwin-Gegenheimer, entschloß sich zum Kauf eines Micos-Dialogcomputers, deren Anbieter, die Münchner mini-computer Systems GmbH zusammen mit der Unternehmensberatung H. O. Otto in Kronsberg, eine Problemlösung für den Fertigungsbetrieb entwickelten.

In Augsburg steht heuet ein Rechner mit 256 KB, 3 x 80 MB-Plattenspeicher, zwei Systemdruckern und acht Bildschirmstationen. Schwerpunkte der EDV-Verarbeitung sind die Bereiche Verkaufsabwicklung, Materialwirtschaft und -disposition, Fertigungsvorbereitung, Plan- und -Nachkalkulation, Lohn- und Gehaltsabrechnung sowie Finanzbuchhaltung und Kostenrechnung. Für jedes dieser Gebiete gibt es eigene Programmpakete, die - so Aßner - "an vielen Schnittstellen miteinander verknüpft sind".

Die Auftragsabwicklung läuft bei Baldwin-Gegenheimer in zwei Phasen ab.

Die erste Phase beinhaltet die Überprüfung verschiedener Stammsätze und Gegebenenfalls deren Erweiterung vom Bildschirmarbeitsplatz aus. Sie beginnt mit der Erstellung eines Ersterfassungsbelegs in der Verkaufsabteilung. Auf diesem Beleg sind kundenspezifische Daten, wie Lieferart, Zahlungsmodalitäten, und auftragsspezifische Angaben wie Liefertermin, Artikelbezeichnung etc. enthalten.

Die Angaben zum Kunden erhält das System aus dem Kundenstammsatz. Von der Verkaufsabteilung wird der Ersterfassungsbeleg an das Technische Büro weitergeleitet. Hier wird am Bildschirm überprüft, ob der bestellte Artikel bereits im Artikelstammsatz enthalten ist. Ist dies nicht der Fall, wird er mit einer neuen Artikelnummer versehen und im Stammsatz abgespeichert. Gleichzeitig wird eine neue Stückliste erstellt und katalogisiert.

Die nächste Station für den Ersterfassungsbeleg ist die Fertigungsplanung. Die Mitarbeiter dieser Abteilung überprüfen, ob für das bestellte Produkt bereits ein Arbeitsplan, in dem die einzelnen Fertigungsschritte in ihrer Folge enthalten sind, abgespeichert ist, beziehungsweise ob die Neuerstellung und -eingabe eines Arbeitsplans notwendig ist.

Mit Hilfe verschiedener kalkulierter Übersichten über freie Produktionskapazitäten wird außerdem ein realisierbarer Fertigstellungstermin festgelegt.

Mit diesen Angaben versehen, kommt der Ersterfassungsbeleg an die Verkaufsabteilung zurück. Das automatische Ausdrucken der Auftragsbestätigung beendet die erste Phase der Auftragsabwicklung.

In der zweiten Phase, in der die Fertigung des bestellten Produkts stattfindet, werden mit Hilfe der in der ersten Phase vorbereiteten Datensätze die für die Produktion benötigten Pläne und Listen ausgedruckt. Es ist keine manuelle Eingabe mehr erforderlich, sondern nur noch ein Abrufen gespeicherter Daten.

Die Fertigung beginnt mit der Erstellung eines Werksauftrages durch die Verkaufsabteilung. Dieser Beleg wird an die Fertigungsplanung weitergeleitet, die daraufhin Arbeitsplan, Stückliste, Materialentnahmeschein und Lohnscheine ausdrucken läßt. Gemeinsam mit den technischen Zeichnungen aus dem Konstruktionsbüro verbleiben diese Begleitpapiere bis zur Fertigstellung bei dem in Fertigung befindlichen Produkt.

Mit Hilfe eines Durchschlags der Stückliste kann der Lagerist das für den Auftrag erforderliche Einzelteilepaket zusammenstellen. Ist dies vollzogen, geht eine Nachricht an die Fertigungsvorbereitung, und der Auftrag kann in die Produktion eingesteuert werden.

Über die Beendigung des Fertigungsprozesses wird wieder die Verkaufsabteilung informiert, die daraufhin Lieferschein und Rechnung ausdrucken läßt und die Auslieferung veranlaßt. Eine Kopie der Rechnung geht an die Finanzbuchhaltung als Beleg für die bereites mit der Rechnungsschreibung vollzogene Buchung.

Die Materialwirtschaft wird bei Baldwin-Gegenheimer als Oberbegriff verstanden. Hierunter fallen Bestandsführung, Disposition und Bestellwesen beziehungsweise Einkauf. Bei 40 000 eingelagerten Artikeln mit einer Kapitalbindung von durchschnittlich sechs Millionen Mark, wird die Bestandsführung mit einem eigenen Programm bearbeitet.

Die Disposition kann auf Programme für die Bedarfsermittlung- und -fortschreibung, Stücklisten- und Stammdatenverwaltung etc. zurückgreifen. Sie arbeitet dabei mit den Daten, die von der Fertigungsplanung und vom Einkauf vom Bildschirmarbeitsplatz aus in den Computer eingegeben werden.