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11.12.1981

Produktivere Datenverarbeitung mit weniger DV- Personal?

Wenn handgestrickte Werkzeuge zur Ablauf- und Terminplanung sowie Jobsteuerung im Rechenzentrum nicht mehr ausreichen, können automatisierte Verfahren eingesetzt werden. Die an derartige Systeme gestellten Erwartungen sind hoch. Sie sollen helfen, Fehlreaktionen des Operating-Personals zu minimieren, qualifiziertes Personal für andere Aufgaben freizustellen und vom Dreischichtbetrieb wegzukommen. Für Lothar Erhard Leiter Datenverarbeitungstechniken, SKF Kugellagerfabrik, Schweinfurt, ist es unverständlich, warum nicht mehr Unternehmen maschinelle Steuerungssysteme verwenden: "Die Abhängigkeit der Betriebe von der DV erfordert den Einsatz aller Mittel, um die Qualität der DV-Produktion abzusichern und zu verbessern." Mario Milewicz von Telefonbau und Normalzeit, Frankfurt, ist überzeugt, daß mit der Automatisierung eine höhere Produktivität in der DV-Abteilung erreicht wird.

Mario Milewicz, Abt. Leiter Ablaufplanung/-steuerung, Telefonbau und Normalzeit, Frankfurt (IBM 370/158, 3033, MVS/TSO/IMS)

Im T + N-Rechenzentrum sind eine 370/158 und eine 3033 mit entsprechender Peripherie unter dem Betriebssystem MVS/TSO/IMS installiert. Täglich werden 200 Produktionsjobs verarbeitet. Um die Ablaufplanung- und -steuerung besser in den Griff zu bekommen, haben wir ein maschinelles Steuerungssystem installiert.

Die Hauptgründe für die Entscheidung waren: Ständig anwachsende, unterschiedliche Anforderungen in Verbindung mit entsprechenden Abhängigkeiten, Terminübersichten auch über größere Zeiträume im voraus, kurzfristige Ermittlung der täglichen Gesamtproduktion, Dialogverarbeitung mit integrierter Syntax mit JCL, Automatisieren und Standardisieren von wiederkehrenden Arbeiten und Aufzeichnung und Auswertungen von Reports über den Produktionsbetrieb .

Dieses recht umfangreiche System ermöglicht die detaillierte Überwachung der gesamten Produktion und gibt Auskunft über deren Ergebnis. Anhand von Online- oder Batch-Reports können umfangreiche Statistiken oder Trend-Berichte erzeugt werden. Die JCL-Fehler werden durch die direkte Syntax-Prüfung im Dialog auf ein Minimum reduziert. Ferner unterstützt das Steuerungssystem im Bedarfsfall die Vorbereitung für festgeplante Arbeiten im voraus. Durch die Installation dieses Systems läßt das Detailwissen über die Produktionsabläufe im Operating zweifelslos nach. Ohne Steuerungssystem muß dem Operating zur Durchführung der Produktion eine Vielzahl von Anweisungen bekannt sein (Reihenfolge der Jobs, zeitliche Freigabe, Abhängigkeiten unterschiedlicher Projekte und so weiter). Mit dem Steuerungssystem entfallen diese Anweisungen bis auf ein Minimum, so daß das Operating sich ganz der Steuerung widmen kann. Mit der Einführung dieses Planungssystems sowie der Umstellung und Wartung der Produktionsjobs erhöht sich die Anforderung an qualifiziertem Personal. Eine Personaleinsparung durch Einführung dieses Systems hat sich bei uns nicht ergeben. Ich könnte mir allerdings vorstellen, daß bei größeren Rechenzentren, in denen der Schwerpunkt der Jobs bei der Massendatenverarbeitung liegt, durch Einsatz dieses Systems etwaige Rationalisierungen erzielt werden können. Ausschlaggebend für die Wahl dieses Systems war für ihn in erster Linie, eine automatisierte Ablaufsteuerung der Produktion im Rechenzentrum zu erreichen.

Samuel Bauer, Gruppenleiter Systemverwaltung, Volksfürsorge, Hamburg (IBM 3033)

Wir sind mit unserem Automated Production Control System noch in der Testphase. Die Anfangsprobleme sind inzwischen beseitigt, so daß der echte Einsatz im nächsten Jahr stufenweise vorgenommen werden kann. Durch die Zusammenlegung von zwei Rechenzentren bei uns im Hause, war es nicht mehr möglich, alle Probleme mit unseren eigenen Mitteln zu bewältigen. Wir haben uns das Steuerungssystem nicht ausschließlich aus wirtschaftlichen Überlegungen angeschafft, sondern, weil unsere bisherigen Hilfsmittel, die wir zur Terminplanung und Jobsteuerung einsetzen, nicht mehr ausreichen. Außerdem wollen wir mehr Transparenz schaffen.

Mittelfristig erwarten wir von diesem System eine Steigerung unserer DV-Leistung. Unser Anforderungskatalog für das anzuschaffende System sah folgende Punkte vor: Terminplanung, automatischer Jobstart, automatische Resourcen-Steuerung, standardisierte Job-Restart-Möglichkeiten. Ferner sollte es Auslastungspläne, auch für eine Vorausschau, Vorbereitungs- und Nachbereitungskontrollen sowie ein Berichtswesen über die gelaufenen Jobs liefern. Das System muß anhand eines vorgegebenen Terminplanes sowie Abhängigkeiten, die Produktionsarbeiten von der Arbeitsvorbereitung bis hin zur ordnungsgemäßen Erledigung steuern. Das System, das daraufhin angeschafft wurde, konnte all diese Bereiche abdecken.

Wir wollen unser Operating und unsere Arbeitsvorbereitung stärker entlasten. Derzeit wird die Auslastungssteuerung manuell gemacht, das heißt der Operator entscheidet über den Job mit und zwar aus seiner Erfahrung, und das ist zu wenig. Er kann sich zukünftig mehr um seine eigentliche Aufgabe, die Systemsteuerung kümmern, was schließlich dazu führen wird, daß wir besser und schneller werden. Der Betriebsrat hat bei unserer Entscheidung für das System mitgewirkt. Wir sind gemeinsam zu der Auffassung gelangt, daß wir die Probleme bei einem so großen Rechenzentrum wie unserem zukünftig nur mit einer solchen standardisierten Methode lösen können. Wir erwarten von dem System, daß es dazu beiträgt, weniger Ausführungsfehler und damit höhere Ablaufsicherheit sowie Durchsatzverbesserung zu erzielen.

Lothar Erhard, Leiter Datenverarbeitungstechniken, SKF Kugellagerfabriken GmbH, Schweinfurt (IBM 370/168/158 MP)

Trotz abweichender organisatorischer Zielvorstellungen hat die Komplexität der Batchverarbeitung bei den meisten Unternehmen in den letzten Jahren weiter zugenommen. Vorstellungen, daß auf Batchverarbeitung weitgehend verzichtet werden kann, sind weit in die Zukunft gerückt.

Andererseits ist festzustellen, daß die Einführung dispositiver Systeme für den RZ-Betrieb bei vielen Unternehmen nicht Schritt gehalten hat mit den Entwicklungen für andere Unternehmensbereiche. An Planungs- und Steuerungssystemen für die Fertigung wird zum Beispiel seit Beginn der Datenverarbeitung gearbeitet. Für die Datenverarbeitung selbst sind solche Systeme erst bei wenigen Unternehmen wirkungsvoll eingesetzt .

Die Einführung solcher Planungs- und Steuerungssysteme ist nicht gerade problemlos. In unserem Unternehmen gab es folgende Zielvorstellungen für die Anwendung automatisierter Verfahren.

Höhere Sicherheit: Die Abhängigkeit der Unternehmen von der DV erfordert den Einsatz aller Mittel, um die Qualität der DV-Produktion - sprich Richtigkeit der Ergebnisse und Einhaltung der vereinbarten Termine - abzusichern und zu verbessern. Mit Hilfe maschineller Steuerungs- und Kontrollsysteme soll die Gefahr von Irrtümern und Fehlreaktionen des Operatingpersonals minimiert werden.

Verbesserte kurzfristige Kapazitäts- und Terminplanung: Die maschinellen Verfahren zur RZ-Planung sollen frühzeitig Kapazitätsengpässe beziehungsweise Terminierungsprobleme aufzeigen, damit die erforderlichen Maßnahmen rechtzeitig eingeleitet werden können.

Effiziente Nutzung der Computer-Hardware: Von der Anwendung automatisierter Systeme wird eine Verbesserung des Durchsatzes gegenüber manueller Steuerung erwartet.

Reduzierung von Personal-Engpässen: RZ-Leiter müssen davon ausgehen, daß das derzeit zur Steuerung der Computer eingesetzte qualifizierte Personal künftig für andere wichtige Aufgaben benötigt wird, zum Beispiel im Bereich Sicherheit und Konzeptionsentwicklungen. Darüber hinaus wird der Dreischichtbetrieb aus arbeitsrechtlichen Gründen eventuell völlig entfallen, so daß auf einen zumindest zeitweise vollautomatisierten Betrieb hinzuarbeiten ist. Dazu müssen computergestützte Steuerungs- und Kontrollsysteme mit automatischen Restarts einen wichtigen Beitrag leisten.

Nach Abschluß von Teileinführungen zeigt die Anwendung neuer automatisierter Verfahren bei uns folgende Ergebnisse:

Die Sicherheit der Abläufe kann wie erwartet gesteigert werden. Abhängigkeiten von Jobs sind einmal definiert und werden mit absoluter Zuverlässigkeit immer wieder beachtet. Die kurzfristige Kapazitätsplanung ist ein Hilfsmittel zur Absicherung von Terminen (zum Beispiel durch Vergabe von Prioritäten) oder auch zur frühzeitigen Information der Benutzer über nicht abwendbare Verzögerungen. Der Computerdurchsatz ist entgegen den Erwartungen derzeit geringer als bei manueller Steuerung der Jobstreams. Grund: Der erfahrene Operator reagiert auf Ausnahmesituationen cleverer als das maschinelle Steuerungssystem.

Ein Gesichtspunkt verdient noch Erwähnung. Es ist wieder einmal zusätzliches Spezialistenwissen in der Systemprogrammierung und Arbeitsvorbereitung aufzubauen, damit Systemfehler, die natürlich verhängnisvolle Auswirkungen haben können schnell erkannt und beseitigt werden können.

Klaus Winkler, RZ-Leiter, Standard Elektrik Lorenz AG, Stuttgart (IBM 3033 MVS/SP1 E)

Mit der zunehmenden Zahl der DV-Routine-Verfahren steigt auch der Pflegeaufwand für die Steuerkarten. Zusätzlich wird die Ablaufsteuerung immer komplizierter und die Abhängigkeit zu Online-Verfahren macht neue Werkzeuge lebenswichtig.

Eine DV-Produktion sollte prinzipiell wie ein Fertigungsbetrieb arbeiten. Stücklisten, die in der Fertigung selbstverständlich sind, stehen für viele DV-Produktionen nicht zur Verfügung. Es ist wichtig, zusätzlich zur Jobablaufsteuerung, ebenfalls DV-Werkzeuge, Softwarepakete zur Jobablaufsteuerung und - wenn möglich - auch zur Jobplanung einzusetzen. Erstaunlicherweise wurden bis vor einigen Jahren weder von den Betriebssystem-Herstellern noch von Softwarehäusern, solche Pakete angeboten. Jeder DV-Betrieb "strickte" sich zusätzlich Routinen. So wurde das Arbeiten mit abgespeicherten Steuerkartenprozeduren etwas erleichtert, als 1976 von einer deutschen Softwarefirma eine Software zur Jobablaufsteuerung (Planning and Execution Control System) fertiggestellt wurde, die wir 1977 installierten. Wir haben inzwischen über 3500 Jobs auf das System umgestellt; das sind 70 Prozent unserer Routine-Jobs.

Von ursprünglich zwölf Mitarbeitern der Arbeitsvorbereitung werden trotz gestiegenem Volumen inzwischen drei Mitarbeiter nicht mehr für reine Vorbereitungsarbeiten eingesetzt. Es fand eine Verlagerung zu noch qualifizierteren Tätigkeiten, nämlich Pflege und Tuning von Steuerkarten und Abläufen statt. Wir erreichten eine höhere Ablaufsicherheit, weniger Fehlläufe und eine höhere Termintreue. Durch die Verbesserung des Servicegrades wurde unterm Strich eine höhere Wirtschaftlichkeit erreicht.

Da wir über RJE zusätzlich dezentrale Programmierabteilungen, Arbeitsvorbereitungen und Operating angeschlossen haben, ergibt sich als zusätzlicher Effekt ein einheitliches Verfahren zur Jobsteuerung.

Aus unserer Erfahrung hier die wichtigsten Punkte, die ein Job-Ablaufsteuerungs- und Planungssystem erfüllen sollte: Handhabung über Bildschirm, Unterstützung bei Restarts, Möglichkeit der Bildung von Jobnetzen und terminabhängige Steuerung. Ablauf und Job-Status am Bildschirm dezentral abfragbar. Außerdem die Möglichkeit unterschiedlicher Arbeitszeiten AVN zu Operating und damit Restarts durch das Operating. Durch eine selbstgeschriebene Routine wird eine vollständige Operatordokumentation maschinell erstellt sowie Unterstützung in der Prüfung von Listings.