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04.12.1974 - 

FIVO-Methode:

Produktivität kontra Inflation

Edson W. Spencer (48), seit Oktober 1974 neuer Präsident der Honeywell Inc., Minneapolis, hat am Tag vor seiner Normierung vor amerikanischen Herstellern wissenschaftlicher Apparate einen Vortrag über "Business management in an inflationary economy" gehalten. Er kam dabei zu dem Schluß, daß in einer inflationären Phase besonders hohe Gewinne erforderlich seien. Im einzelnen meinte Spencer:

Es scheint nicht ausgeschlossen, daß eine Achtprozentrate in Amerika für viele Jahre als Durchschnittswert des inflationären Preisanstiegs akzeptiert werden muß.

Die Inflation vernebelt Aktivität und Erfolgsrechnung eines Unternehmens, denn die Gefahr besteht, daß eine Firma sowohl ihren Umsatz als auch die Erlöse erhöht und gleichwohl in Liquiditätsnöte gerät, die ihrem Wachstum Grenzen setzen.

Einen der wichtigsten Gründe dafür bietet die Lagerbestandsbewertung. Bei der FlFO-Methode (first-in-first-out) gehen die Preise für das zu einem früheren Zeitpunkt angeschaffte Material in die Stückkosten-Kalkulation ein. In einer Epoche rapid ansteigender Preise führt die Methode zu Scheingewinnen. Der errechnete Gewinn basiert dann nämlich auf den (niedrigeren) Einstandskosten und nicht auf den (erhöhten) Wiederbeschaffungskosten. Auf die ausgewiesenen höheren Gewinne entfallen dann auch höhere Steuern. Der Cash Flow vermindert sich, obwohl aufgrund der gestiegenen Anschaffungspreise jetzt mehr Liquidität erforderlich wäre.

Diese hat zur Folge, daß mehr und mehr Unternehmen zur LIFO-Bewertung (last-in-first-out) übergehen. Hierbei werden die Stückkosten auf der Basis der gegenwärtigen (last-in) Materialeinstandskosten berechnet. Die ausgewiesenen Erlöse sinken, da die aktuellen Wiederbeschaffungskosten höher sind als die Einstandskosten des früher eingekauften Materials. Resultat: Geringere Besteuerung und höherer Cash Flow. Die FlFO-Methode führt automatisch dazu, daß ein Unternehmen Verkaufspreise und Gewinnspannen an die höheren Kosten der Wiederbeschaffung anpaßt.

Analog verhält es sich mit dem Anlagevermögen, dessen Wert von den historischen Kosten abgeleitet wird. In einer Inflation reichen die Abschreibungssätze nicht aus, um den Cash Flow sicherzustellen, der für die Ersatzbeschaffung der Anlagen notwendig ist.

Gleichzeitig wird das extern verfügbare Kapital für die Unternehmen immer weniger attraktiv: Die über Währungsstabilität wachenden Regierungsstellen betreiben in Zeiten der Inflation vielfach eine Hochzinspolitik.

Das alles führt zu dem Schluß, daß der Weg zur Finanzierung sowohl der realen als auch der inflationären Expansion darin besteht, Gewinnvorträge und Cash Flow durch die Verbesserung der Gewinnsätze und der Verzinsung des Anlagevermögens zu erhöhen - oder die Dividende zu kürzen.

Die Gewinnberechnungen für 1974 beruhen teilweise auf Illusionen. Es ist nicht auszuschließen, daß Gewinne und Investitionsverzinsung Ende 1974 und im Jahr 1975 steil abfallen werden - wenn nämlich die harten Auswirkungen der Inflation bei den Bilanzen und G + V-Rechnungen der Unternehmen voll durchschlagen. Dann wird es noch schwieriger werden, die Kapazitätsausweitung zu finanzieren, die der Markt nun einmal verlangt und die notwendig ist, um das reale Wirtschaftswachstum zu fordern.

Angesichts der simplen Erkenntnis, daß jede Kostenreduzierung, die bei der Herstellung eines Produktes möglich ist, als reale Gewinnerhöhung schlägt, muß der mit den Problemen der Inflation kämpfende Manager der Produktivität den höchsten Stellenwert einräumen.

Aus der Langzeiterfahrung laßt sich ein jährlicher Produktivitätsanstieg von drei Prozent ableiten, der eine Unternehmensleistung im täglichen Geschäftsablauf normalerweise durchsetzen kann.

Doch in Zeiten der Inflation ist diese Rate unzureichend, denn die Löhne und Gehälter steigen viel stärker an.

Eine höhere Produktivitätssteigerung hängt in erster Linie von der Einstellung ab, die das gesamte Unternehmen dieser Aufgabe entgegenbringt. Die Impulse zu dieser Einstellung müssen von der Unternehmensspitze ausgehen.