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11.02.1983 - 

Ifo: Nach wie vor stellen sich Organisations-, Akzeptanz- und Entscheidungsbarrieren gegen TV

Produktivitätseffekte werden schleppend gerutzt

MUNCHEN (nw) - Nackdem mit dem Einsatz der EDV die Automatisierung von Teilbereichen der betrieblichen Informationsverarbeitung bereits begonnen hat, eröffnen nunmehr auch die neuen Textverarbeitungstechniken erhebliche Rationalisierungsmöglichkeiten. Allerdings, so ergibt die jüngste Untersuchung "Neue Technologien in der Textverarbeitung des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, geht die Einführung der Geräte nur schleppend voran: Nach wie vor stellen sich Organisations-, Akzeptanz- und Entscheidungsbarrieren gegen eine rasche Nutzung der Produktivitätseffekte.

Als Motiv Nummer eins für die Einführung neuer Textverarbeitungstechniken rangieren bei den untersuchten Betrieben nicht unerwartet, wie die Münchner Wirtschaftsforscher kommentieren, Kostensenkungsziele.So gebe es in Industrie

und Handel häufig einen konkreten Anlaß, der die Unternehmen dazu veranlasse, sich mit der Textverarbeitung zu beschäftigen. Oftmals waren es Ifo zufolge anhaltende Ertragsschwäche oder konjunktureller Absatzrückgang, der die Unternehmen zwang, bei stetig wachsenden Personalkosten im personalintensiven Bürobereich nach Einsparungsmöglichkeiten zu suchen. Dabei ginge es in der Hälfte der Fälle weniger um Personalabbau als um die Bewältigung des wachsenden Schriftgutanfalls.

In informationsverarbeitenden Dienstleistungsbereichen, wie Banken und Versicherungen beispielsweise, gehöre die Rationalisierung des Büros als "Produktionsort" zum Alltagsgeschäft des Managements. In der öffentlichen Verwaltung dagegen würden Rationalisierungsmaßnahmen zur Zeit eher noch von personalwirtschaftlichen Zielen bestimmt.

Insgesamt aber, so zeigt die Untersuchung, stößt der Einsatz der Technik auf einige Schwierigkeiten: Organisatorische Probleme zum Beispiel ergeben sich, wenn der geplante Einsatz der Technik Veränderungen in der Organisationsstruktur oder im Ablauf erforderlich macht. Diese organisatorischen Änderungen setzten nämlich einen entsprechenden Planungsaufwand voraus, der jedoch häufig nicht erbracht werden könne, da den Unternehmen die notwendigen Organisationsfachleute für die Textverarbeitung nicht zur Verfügung stünden.

Hinzu treten dann Akzeptanzbarrieren, da Reorganisationsmaßnahmen in der Regel eine Veränderung des sozialen Gefüges und der Arbeitsbedingungen zur Folge hätten. Dies gelte nicht nur für Sekretärinnen und Schreibkräfte, sondern auch, wie das Institut betont, für Abteilungsleiter und Sachbearbeiter. So deutet vieles darauf hin, daß unter Akzeptanzgesichtspunkten weniger die direkt betroffenen Sekretärinnen und Schreibkräfte als vielmehr Führungskräfte und Sachbearbeiter dem Einsatz von Textverarbeitungssystiemen entgegenstehen. Als Folge daraus treten dann Problem bei der Entscheidungsfindung der geplanten Umstellungsmaßnahmen auf wie auch bei deren Implementierung. Dabei versuchen Führungskräfte insbosondere in den Fällen, in denen sae selbst zu den Betroffenen gehörell notwendige Entscheidungen zu blokkieren oder aber die Realisierung der beschlossenen Umstellung zu verzögern beziehungsweise zu verhindern.

Die erzielten Produktivitätseffekte beim Einsatz von Textsystemen und- terminals sind dabei dem Ifo zufolge recht unterschiedlich. Dies ergebe sich weniger als Folge verschiede großer technischer Veränderunge oder Automatisierungssprünge als vielmehr durch Unterschiede im Planungs- und Implementierungsprelzeß. Beste Möglichkeiten bestünde hier für Anwender wie Banken und Versicherungen sowie Großunternehmen, deren Schriftguterstellung einen bedeutenden Kostenfaktor innerhalb der Gesamtkosten darstellt. Denn hier werde die Umstellung defr Textverarbeitung systematisch und mit viel Problemsicht geplant.

Das bedeutet, daß die Modernisierung der Textverarbeitung nicht isoliert von den übrigen Bürotätigkeiten und der bereits bestehenden Automatisierung der Informatiomsverarbeitung durchgeführt wird. Soweit entsprechende Schnittstellen vorhanden sind, werden Daten- und Textverarbeitung als Problermgesamtheit gesehen. Diese Unternehmen versuchten auch Akzeptanzbarrieren bereits in der Vor-Entschesidungsphase zu antizipieren und in der Planung entsprechend zu berücksichtigen oder aber durch Interventionen der Geschäftsleitung so weit zu reduzieren, daß sie die Implementierung nicht wesentlich beeinträchtigen.

Für solche Unternehmenstypen sagt die Studie denn auch Produktivitätseffekte von bis zu 33 Prozent voraus. Allerdings sei damit zu rechnen, daß sich künftig in diesen Bereichen eine niedrigere Zuwachsrate einstellt, da tectmologisch fortgeschrittene Anwender in der Regel nicht mehr die hohen Produktivitätszuwächse erreichten, die Erstanwender im Zusammenhang mit organisatorischen Anderungen erzielen.

Im Durchschnitt der Betriebe prognostizieren die Wirtschaftsforscher Produktivitätseffekte von 8,5 Prozent pro Jahr. Dabei erscheint es dem Institut jedoch fraglich, ob dieses Niveau auf gesamtwirtschaftlicher Ebene in Zukunft gehalten werden kann, denn:

- Textverarbeitung wird künftig vor allem bei Unternehmen Verbreitung finden, die bislang weniger mit neuen Techniken zu tun hatten und infolgedessen mit Organisationsund zunehmend auch mit Akzeptanz- und Entscheidungsbarrieren konfrontiert werden.

- Der Wunsch vieler Anwender neben dem Einsatz der Technik auch organisatorische Veränderungen durchzuführen, mindert die Bereitschaft der Büroangestellten, mit neuen Formen der Textverarbeitung zu arbeiten und führt zu einer negativen Einstellung gegenüber der Techmk.

- Nach wie vor hat die Implementierung von EDV-Systemen Vorrang: Die Integration und Dezentralisation der Datenverarbeitung bindet die personellen Kapazitäten der Organisationsabteilung und läßt nur wenig Raum für Textverarbeitungsprojekte.

- Gegenwärtig versuchen einige Gewerkschaften in Verhandiungen mit Arbeitgebern einen Tarifvertrag abzuschließen, der auch wesentliche Auswirkungen auf die Verbreitung der Textverarbeitungstechnik haben dürfte.

Vor diesem Hintergrund markieren die Münchner Wirtschftsforscher ein jährliches Wachstum der Arbeitsproduktivität von recths bis sieben Prozent als den Durchschnitt des Erreichbaren.

Inwieweit sich nun die dulch die Textverarbeitungstechnik erzielbaren Produktivitätszuwächse über Personalfreisetzungen auf den Arbeitsmarkt auswirken, häingt den Wirtschaftsforschern zufolge vor allem von zwei Faktoren ab: zum; einen von der Entwicklung des Schriftgutvolumens- wobei allgemein von einem steigenden Informationsbedarf ausgegangen wird- und zum anderen von den personal virtschaftlichen Maßnahmen, die die LInternehmen im Freisetzungsfall ergreifen. Diese könnten dabei die Personalfluktuation nutzen, die durch Rationalisierungsmaßnahmen im Schreibbereich freigesetzten Mltarbeiter umsetzen oder aber Entlassungen vornehmen. Allerdings, so betont das Institut, werde letztere Möglichkeit nur sehr selten anqewandt, da hier die Akzeptanzprobnematik der Bürotechnik sowie die Vorschriften im Rahmen des Betriebsverfassungsgesetzes gesehen werden müßten.

Scheiden nun Entlassungen als personalwirtschaftliche Realisierungsmaßnahme von Freisetzungen weitgehend aus, bleiben als Allernativen die Nutzung der Personalfluktuation und die Umsetzung von freigesetzten Arbeitskräften. Diese beiden Instrumente haben sich nach Ansicht des Ifo-Instituts bisher bei der Umstellung der Textverarbeitung in vielen Fällen als ausreichend gezeigt. Aber auch künftig, so glaubet die Arbeitsmarktforscher vorhersagen zu können, werden die bereits im Arbeitsprozeß integrierten Secretärinnen und Schreibkräfte nicht ohne Job dastehen. Vielmehr sei es wahrscheinlich, daß ein Arbeitnehmer, dessen Arbeitsplatz aufgelöst wird, entweder an anderer Stelle im gleichen Beruf oder durch Anlern-beziehungsweise Umschulungsmaßnahmen in einem Bürotätigkeitsfeld weiterbeschäftig werde.