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24.03.1989 - 

DFN-Verein stellt Kommunikationssoftware für DEC-IBM-Connectivity zur Verfügung:

Produktpalette für DEC-VMS und IBM-VM Von Klaus-Eckart Maass*

Datenkommunikation in der Wissenschaft muß noch höheren Ansprüchen genügen als in den meisten Anwendungen der Wirtschaft. Der DFN-Verein beispielsweise versucht mit dem deutschen Forschungsnetz einesteils den Weg in die von internationalen Standards geprägte Zukunft vorzuzeichnen, andererseits befruchtend auf den Status quo einzuwirken. Dabei spielt die "Connectivity" zwischen DEC- und IBM-Rechnern eine tragende Rolle.

Innerhalb des Deutschen Forschungsnetzes sind die Betriebssysteme DEC-VMS und IBM-VM die mit am weitesten verbreiteten Systeme. IBM-VM spielt vor allen Dingen bei den größeren Forschungseinrichtungen und Hochschulen eine Rolle. Für den DFN-Verein war es vordringliche Aufgabe, gerade für diese Systeme eine Kommunikationssoftware bereitzustellen. Sie muß die Dienstleistungen für den zeilenorientierten Dialog, den Dateitransfer, den Remote Job Entry und das Message HandIing erbringen. Zusätzliche Anwendungssoftware wurde von den Wissenschaftlern für graphische Darstellungen und die Herstellung von Dokumenten gewünscht.

Der DFN-Verein unterstützt die Protokollarchitektur nach den Normen des Open Systems Interconnection (OSI). Nur diese Normen garantieren langfristig eine herstellerunabhängige Datenkommunikation im weltweiten Maßstab. Daher verwendete der DFN-Verein soweit wie technisch möglich internationale Normen der Datenkommunikation die - wie im Falle des File Transfers und Remote Job Entry - durch nationale Vereinbarungen ergänzt wurden.

Inzwischen gibt es auch für den Dateitransfer eine internationale Norm: FTAM. Vermutlich in drei bis fünf Jahren wird es auch genügend Produkte hierfür geben, so daß auf

den Einsatz des DFN-Transfers dann verzichtet werden kann. Der DFN-Verein empfiehlt seinen Mitgliedern, wo immer wie möglich Herstellerprodukte einzusetzen. Nur in den Fällen, in denen der Zeitpunkt der Produktentscheidung für das Deutsche Forschungsnetz (1984/85) keine Herstellerprodukte vorlagen oder angekündigt waren, ließ der DFN-Verein im Interesse seiner Mitglieder und gefördert aus Zuwendungen des Bundesministers für Forschung Technologie eigene Produkte entwickeln.

Inzwischen stehen für alle Betriebssysteme DFN-konforme Produkte zur Verfügung. Bezogen auf die beiden Hersteller Digital Equipment und IBM sind dies: Die Bezugsquelle für die verschiedenen Produkte ist unterschiedlich: Die Herstellerprodukte liefert DEC respektive IBM; die GMD-Produkte werden über das Softwarehaus "Codework" in Hennef vertrieben; der DFN-Verein übernimmt den Vertrieb und die Wartung seiner Produkte für IBM-Systeme selbst, während seine Produkte für DEC-VMS von Digital Equipment als Standardprodukte übernommen wurden.

Mit den verschiedenen Produkten können folgende Kommunikationsdienst-leistungen erbracht werden:

Software-PAD

Durch ein PAD-Programm (Packet Assembly/Disassembly) kann die Dialogschnittstelle X.29 eines entfernten Systems über ein X.25-Netz erreicht und ein zeilenorientierter Dialog geführt werden. Dadurch ist es möglich, von jedem lokal an die DV-Anlagen angeschlossenen Terminal Dialogverbindungen zu allen Systemen zu unterhalten, die an ein über X.25 erreichbares Netz angeschlossen sind und die interaktive Geräteschnittstelle X.29 unterstützt. Diese Art des Dialogzugangs zu entfernten Systemen wird häufig als "remote Login" bezeichnet.

Bei den IBM-Herstellerprodukten handelt es sich um das Produkt GTMOSI/PES, das über den PAD-Emulationsservice hinaus noch weitere Funktionen wie Anmeldung, Zugangsschutz, Auswahl von Anwendungen, parallele Sitzungen, unterstützt. Die GMD-Produkte für die IBM-Systeme haben die Bezeichnung "SNA PAD"; sie sind speziell für die Anwendung in der Wissenschaft konzipiert. Über den üblichen Funktionsumfang eines PAD hinaus ist es möglich, vom Netz her eingehende Daten parallel zur Bildschirmausgabe in einer Datei abzulegen sowie Sendedaten sowohl vom Terminal als auch aus einer Datei an das entfernte System zu schicken. Der Software-PAD läßt eine Adressierung des Zielrechners über DTE-Adresse oder symbolische Adresse mittels vorbereiteter Datei zu.

DFN-Filetransfer

Der Filetransfer-Dienst ermöglicht den Austausch von Dateien zwischen Rechenanlagen unterschiedlicher Hersteller. Es können sowohl Dateien an ein entferntes System abgesendet als auch eine auf dem entfernten System vorhandene Datei lokal verfügbar gemacht werden. In jedem Fall ist eine Zugangsberechtigung zu dem entfernten System erforderlich. Die Dateien werden ausschließlich sequentiell bearbeitet.

Es stehen zwei Übertragungsarten zur Verfügung: Bei der Textübertragung wird der Dateiinhalt als Text interpretiert; es wird eine Codewandlung vorgenommen. Bei der transparenten Übertragung erfolgt keine Interpretation des Dateiinhaltes; jedes Oktett wird unverändert übertragen.

FTAM

Die Übertragung und das Management von Dateien gemäß ISO 8571 kann derzeit noch nicht in großem Maßstab im Deutschen Forschungsnetz angewendet werden, weil noch Produkte fehlen. Die IBM hat ihr Produkt für 06/90 (MVS) beziehungsweise 09/90 (VM) angekündigt; DEC bietet sein Produkt bereits an.

Remote Job Entry

Durch den Remote-Job-Entry-Dienst können Stapelaufträge an ein Zielsystem gesendet und dort bearbeitet werden. Die Ergebnisse (Ausdruck) können an ein weiteres System gesendet werden. Der Stapelauftrag muß gemäß den Konventionen des ausführenden Systems aufgebaut sein. Der Zugang erfolgt über ein paketvermittelndes

X.25-Netz.

X.400 - MHS

Der Message-Dienst ermöglicht Erstellung, Bearbeitung, Versand und Empfang von Mitteilungen. Letztere können zwischen Message-Handling-Systemen ausgetauscht werden, die auf Rechenanlagen unterschiedlicher Hersteller implementiert sind, weil sie den CCITT-Empfehlungen X.400 ff. entsprechen.

Das DFN-Produkt für VAX-VMS basiert auf dem EAN, einem Produkt der Universität von British Columbia/Canada. Es wird bereits im Deutschen Forschungsnetz auf fast hundert Anlagen eingesetzt und ist mit schätzungsweise 4000 Nutzern das bei staatlich geförderten Wissenschaftseinrichtungen am weitesten verbreitete X.400-System. Leider ist der Einsatz dieses Produktes auf Einrichtung der öffentlich geförderten Forschung beschränkt.

Das X.400-Produkt für MVS basiert auf einer von der University of California, Los Angeles, entwickelten Software UCLA/Mail und heißt daher "UCLA/Mail 400". UCLA/Mail wurde im EARN häufig eingesetzt; die Verwendung in dem um die X.400-Funktionen ergänzten DFN-Produkt erleichtert daher den Umstieg der EARN-Teilnehmer auf die DFN- Kommunikationsdienste .

Die Herstellerprodukte für das X.400-MHS sind umfangreicher und in die entsprechenden Bürosysteme All-In-One, PROFS und DISOSS integriert.

Grafik und Dokumente

Insbesondere für DEC-VMS und IBM-VM-Systeme bietet der DFN-Verein mehrere Entwicklungen an:

- ein grafisch orientiertes Kommunikationssystem GOCS: Es basiert auf dem standardisierten grafischen Kernsystem GKS und gestattet interaktives Arbeiten an einem grafischen Arbeitsplatz mit einem entfernt vorliegenden GKS-Anwendungsprogramm.

- einen CGM-Generator/Interpreter: Der Computer Graphics Metafile (CGM) ist eine internationale Norm zur Speicherung von Bilddaten. Da für den CGM auch die Codierung genormt wurde, eignet er sich für den Transport von Bilddaten zwischen verschiedenen Rechnern und Programmen. Es wurden Programmsysteme zur Erzeugung (Generator) und Interpretation (Interpreter) eines standardisierten CGM entwickelt. Die Programme sind in Standard FORTRAN 77 unter VAX/VMS implementiert und wurden auf VM-Systeme portiert.

-eine Konvertierung von GKS Metafiles in Computer Grafics Metafiles(CGM): Das Konvertierungsprogramm gestattet dem Nutzer, GKS Metafiles in das international standardisierte CGM-Format in Klartext - beziehungsweise Character-Codierung zu verwandeln. Der CGM kann mit dem DFN-Filetransfer als Text - oder binäre Datei übertragen werden. Zur Ausgabe des CGM auf Plotter oder Sichtgerät steht eine CGM-Interpreter-Software zur Verfügung.

- das Dokumentationssystem "Daphne": Mit Daphne (Document Application Processing in a Heterogeneous Environment) können wissenschaftlich - technische Dokumente erzeugt

werden, die neben Text auch geometrische Grafik und Rastergrafik enthalten. Der in Pascal geschriebene SGML-Parser überprüft entsprechend der ISO-Norm 8879 die syntaktische Korrektheit der Dokumente und stellt eine Schnittstelle zu verschiedenen Formatiersystemen zur Verfügung, über die die Darstellung der Dokumente auf Sichtgeräten und Papier erfolgt. Es werden die Formatiersysteme TEX, TROFF und DCF/SCRIPT bedient. Außerdem wurde

für die TEX-Welt ein Previewsystem für einen hochauflösenden Monitor realisiert. Der Austausch der Dokumente kann mit dem Filetransfer oder mit dem Message Handling erfolgen. Für die Erstellung von Graphik wird ein CGM-Interpreter mitgeliefert. Die Grafik-Produkte befinden sich zum Teil noch in der Felderprobung. Sie können vom DFN-Verein oder von Softwarehäusern, zum Beispiel GraS, Berlin, oder S.E.P.P. GmbH, Röttenbach, bezogen werden.

Eine ausführliche Beschreibung insbesondere der Anschlußvoraussetzungen für den Einsatz der DFN-kompatiblen Kommunikationssoftware befindet sich im DFN-Bericht Nr. 48 "Kommunikationsdienste im DFN - Produktübersicht ".