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05.11.1993

Produktpraesentationen auf der Systems Multimedia auf dem Weg zum Info-Werkzeug fuer jedermann Von Jutta Beiersdorff*

05.11.1993

Multimedia steht nach Ansicht zahlreicher Marktbeobachter kurz davor, zur standardisierten und modularen audiovisuellen Kommunikationsplattform zu werden. Auf der Systems +93 zeigte die "Info-Boerse Multimedia"** einen Querschnitt heute schon marktfaehiger Produkte. Zu den Anwendungsbereichen zaehlten vor allem Unterhaltung, Information, Verkaufsfoerderung, Praesentation sowie Aus- und Weiterbildung.

Die Entwicklung multimedialer Systeme ist eine Konsequenz des Kommunikationsueberangebots. Die neue Technologie soll es moeglich machen, Informationen gezielter zu beschaffen beziehungsweise Zielgruppen direkter zu erreichen. Die Schluesselbegriffe lauten Medienintegration und Interaktivitaet. Durch die verknuepfte Nutzung unterschiedlicher Sinneswahrnehmungen und die Moeglichkeit, den Fluss des Dargebotenen selbst zu steuern, erhoehen sich Aufmerksamkeit und Akzeptanz fuer die Darbietung.

Diesem Bedarf kommt der rasche Preisverfall bei der Hardware entgegen, denn Multimedia-Anwendungen verlangen hohe Rechnerleistung und Speicherkapazitaet. Auch die Normierung kommt voran. Datenformate fuer Bilder (JPEG) und Video (MPEG) sind standardisiert oder stehen kurz davor. Durch die Initiative von Microsoft ist auch ein einheitlicher Anforderungskatalog an den Multimedia-PC vorhanden, wenngleich die geforderte Ausruestung nur fuer Low-level-Anwendungen geeignet ist.

Wie gross das Interesse ist, belegen die Marktzahlen. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 150000 CD-ROM-Laufwerke in PCs installiert, ueber 70 Prozent der PC-Benutzer haben ein Kaufinteresse.

Spiele in der PC- gesteuerten Unterhaltung

Multimedia hat das Potential, Informationstechnik und Unterhaltungselektronik zusammenzufuehren. In der PC-basierten Unterhaltung erlangen Computerspiele eine neue Qualitaet, die beim Sega-Mega-CD bis zum Erleben virtueller Raeume per Virtual-Reality- Brille reicht.

In der Unterhaltungselektronik hat Philips mit dem interaktiven CD-System CD-I die Marschrichtung vorgegeben. Multimedia auf dem Fernsehschirm, interaktiv gesteuert durch wenige Bedienelemente, soll etwas fuer die ganze Familie werden. Die Entwicklung zielt auf den Massenmarkt, daher das Geraet im Videorekorder-Outfit. Auch hier sind Spiele ein wichtiges Standbein, wie das aus der Zusammenarbeit mit dem Ravensburger Verlag entstandene "Scotland Yard" zeigt, die Multimedia-Version dieses Brettspiels.

Gegen Ende des Jahres koennen CD-I-Geraete mit einer Videokarte nachgeruestet werden, neue Geraete kommen jetzt schon damit in den Handel. Karte und Software basieren auf dem MPEG-Standard und erweitern die Moeglichkeiten der Player. Im Unterschied zum Videorekorder lassen sich die Sequenzen gezielt scannen oder die Blickwinkel variieren, so dass ein voller Panoramablick moeglich wird.

Bis zum Ende des Jahrzehnts will Philips ein Drittel seines Umsatzes mit Software erzielen, dazu soll CD-I einen wichtigen Beitrag leisten. Die Konkurrenz zu dieser Technologie ist zum einen der PC, der nach Ansicht von Spezialisten etwa von der de Vivanco GmbH durch Konverter fuer PC-Bilder oder Frame-Grabber zum TV-Partner werden wird. Zum anderen kommt der Gegner aus den eigenen Reihen - das interaktive Fernsehen. "Video on demand" ist das Schlagwort.

Die amerikanische Videokette Blockbuster Entertainment schaetzt, dass in fuenf Jahren 20 Prozent aller amerikanischen Haushalte interaktionsfaehig sein werden. Seit die British Telecom vor zwei Jahren ihre Monopolstellung als Netzbetreiber verlor, werden auch in England die Informations-Highways fuer Multimedia gelegt. Auf dem Kontinent dagegen bleiben die nationalen Telekom-Institutionen bis 1998 unangetastet. Pay-TV-Anbieter werden daher in Deutschland auf den Satellitenempfang setzen, um die hohen Gebuehren der Telekom zu vermeiden.

Der einfache Systemaufbau macht CD-I auch zu einem geeigneten Medium am Point-of-sale (POS) oder am Messestand. Der potentielle Kaeufer soll mit allen Sinnen angesprochen werden, doch das auf eine intelligente Art.

Auf derartige Praesentationen haben sich Agenturen wie die Muenchner Activ-Consult GmbH oder das Schweizer Unternehmen Hypercomm spezialisiert. Im Auftrag des Uhrenkonzerns Tissot entwickelten sie einen CD-I-Infokiosk fuer den Uhrenfachhandel. Zur Navigation im Programm dient dem Kunden ein Zifferblatt. Wer beispielsweise Naeheres ueber die sportliche Linie wissen will, steuert die neunte Stunde an, andere Uhrzeiten praesentieren andere Produktlinien oder fuehren in Erlebniswelten, die mit den Begriffen Zeitgeist, Zeitmessen und Zeiterleben verknuepft sind.

Dass Praesentation nicht die Domaene der CD-I ist, zeigte die Concept Gesellschaft fuer Multimedia-EDV-Anwendungen mbH mit einem PC- basierten System, das den Wirtschaftsstandort Hessen in Form von Grafiken, Tabellen, Fotos, Videos, 3D-Animationen und Text US- amerikanischen Managern vorfuehrte. Das System ist modular aufgebaut und auf die Zielgruppe ausgerichtet.

Eine noch direktere Ansprache des Kunden erreicht Infoplus, ein Datex J-Qualitaetscontainer, der dem Endverbraucher als benutzerfreundliches Informationssystem und den kooperierenden Unternehmen als Instrument der Verkaufsfoerderung dienen soll. Der Btx-Decoder wird als Multimedia-Decoder bezeichnet, obwohl er bislang nur Text und Grafik unterstuetzt. Sobald die installierte Basis an CD-ROM-Laufwerken ausreicht, soll er nach Angaben der Betreiber ueber dieses Speichermedium ausgeliefert werden, Fotos, Sound und Videosequenzen anbei.

Electronic Publishing basiert auf Multimedia

Eine Uebertragung von Bild- oder Videodaten ueber das Netz steht noch in weiter Ferne. Dagegen lassen sich Sprache oder Text schon heute in vielfaeltiger Weise ueber Datenleitungen verschicken. Faxinformationssysteme oder spracheingabegesteuerte Telefondienste haben das Ziel, Informationen wie Broschueren oder Serviceanweisungen rund um die Uhr abrufbar zu halten. Der Kunde kann jederzeit gezielt nachfragen, der Adressat spart Versandkosten und Mitarbeiter, denn die Dienste erfolgen automatisiert. Allerdings benoetigt der Kunde bei Fax-Systemen wie Facts-Line von der EGS Soft GmbH ein Fax- und Telefongeraet, das zum einen auf Tonwahl, zum anderen auf Faxbetrieb umstellbar ist. Bei Audiotex, einem Produkt der Karlsruher Isicall GmbH, erkennt ein Sprachcomputer Worte und Ziffern als Steuerbefehle, eine Tonwahl ist daher nicht notwendig.

Zum Spektrum der so aktivierbaren Dienstleistungen gehoeren die Abfrage akustisch gespeicherter Informationen, Bestellservice, Gewinnspiele oder die Kleinanzeigenannahme, unter Umstaenden in Verbindung mit einer Voice-Mailbox. Wer seinen Multimedia-PC wieder verkaufen will und statt dessen nach einer Partnerin sucht, koennte ueber Mailbox aktiv werden. Von besonderer Bedeutung ist Multimedia bereits heute fuer Lehre und Weiterbildung. Ob CD-I oder CD-ROM, elektronische Buecher bieten eher Wissen als Literatur an. In einer von der Kommission der Europaeischen Gemeinschaften in Auftrag gegebenen Studie wird dem Electronic Publishing im Jahre 2000 ein Umsatzpotential von 14 Milliarden Mark vorausgesagt. Davon sollen elf Prozent im Bereich Corporate Publishing liegen, also bei technischen Dokumentationen, Firmenpublikationen sowie Produkt- und Preislisten. Fuer das interaktive Fernsehen in den USA erwartet das Marktforschungsinstitut Killen & Associates den groessten Umsatz im Bereich der Bildung und Gesundheitsvorsorge.

Die Moeglichkeit, durch Interaktivitaet eine individuelle Lernstrategie einzuschlagen und den Lernprozess in die heimische Umgebung oder das eigene Buero zu verlagern, duerfte zwar den Anbietern von Seminaren und Fortbildungskursen wenig gefallen, doch die Nachfrage steigt. Bislang nutzen vor allem Unternehmen das Computer-Based Training (CBT) als Moeglichkeit die Mitarbeiterschulung zu optimieren. So stellte die Telerat GmbH, Berlin, das Lernprogramm "Die neuen Postleitzahlen", um die 380000 Mitarbeiter der Deutschen Bundespost Postdienst ueber die Wandlungen zu informieren. Erfolgreich getestet wurde auch ein CD- I-Programm der Activ-Consult GmbH zur Schulung von Technikern der Agfa-Gevaert AG in der Bedienung und Wartung eines neuen Tageslichtsystems fuer die Diagnostik.

Produktneutral wird Multimedia zum Informationstraeger am Point-of- information (POI). Die Insys GmbH, Muenchen, zeigte auf der Infoboerse ihr multimediales Lernspiel Aquarius. Der Benutzer wird in verschiedene Handlungssituationen versetzt, in denen er das Element Wasser kennenlernt.

So enthaelt das "Wassermuseum" etwa die Aufgabe, einen Wassertropfen von der Wolke ins Meer zu geleiten, vorbei an versiegelten Bodenoberflaechen und Pestiziden, oder als Ingenieur durch den richtigen Einsatz von Schleusen, Bruecken etc. eine Wasserstrasse zu bauen.

"Infomax" ist ein Informationssystem, das seit diesem Jahr Jugendherbergsbesuchern zur Verfuegung steht. Es soll Jugendlichen Wissen ueber den Ort vermitteln, an dem sie sich befinden - Theater, Kino, Veranstaltungen, Stadtgeschichte, Sehenswuerdigkeiten - oder die Moeglichkeit geben, Informationen ueber das naechste Reiseziel abzufragen. Dazu kommen allgemeine Informationen ueber die Jugendarbeit. Infomax ist derzeit in 15 Jugendherbergen installiert.

Diese Entwicklungen bestaetigen die Prognosen der Auguren: Bis 1995 sollen 28 Prozent aller PCs Multimedia-faehig sein, nicht zuletzt durch einen Preisverfall der Peripheriehardware von 30 bis 40 Prozent pro Jahr. Bis dahin sollen die meisten Anwendungen text- und grafikorientiert sein, erst danach koenne der Siegeszug der Videos und Animationen beginnen.

Ein typisches Produkt der Fruehphase ist der Personal Digital Assistent Newton von Apple, der Handschriften erkennen kann und helfen soll, die taegliche Arbeit zu organisieren. Er ist ein Beispiel dafuer, dass die vielbeschworene Multimedia-Revolution Produkte hervorbringt, die in ihrer Handhabung und Funktionalitaet so selbstverstaendlich sind, dass kaum auffaellt, was das Besondere daran ist. Wer nach der ultimativen Super-Applikation fragt, uebersieht den Zweck der neuen Technik, unaufdringlicher Helfer zu sein.

*Jutta Beiersdorff ist Geschaeftsfuehrerin der Beiersdorff GmbH, Agentur fuer Marketing-Kommunikation. **Die "Info-Boerse Multimedia" war eine Gemeinschaftsveranstaltung der Muenchener Messegesellschaft, des Motor-Presse Verlages und der Agentur Beiersdorff.