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19.04.2002 - 

Hochschule bereitet nicht auf den IT-Beruf vor

Professor kritisiert Informatik

MÜNCHEN (CW) - Sigram Schindler, Professor für Betriebs- und Kommunikationssysteme (Informatik) an der Technischen Universität Berlin, fordert einen berufsqualifizierenden Bachelor-Abschluss nach vier Semestern Informatikstudium. Damit will er den Mangel an jobtauglichen Absolventen beheben, unter dem besonders der Mittelstand leidet.

Die Informatikabsolventen seien im Durchschnitt zu alt, beklagt Schindler in seinem "Memorandum zur IT-Ausbildung für die Wirtschaft, speziell für den Mittelstand". Das Abitur werde hierzulande später abgelegt als in anderen Industrienationen, und ein "gewisser Ausbildungsschlendrian wird als normal empfunden".

Außerdem vermittelten viele Studiengänge irreführende Perspektiven, so Schindlers weitere Kritik. So sei die Meinung weit verbreitet, ein Studium diene der Persönlichkeitsentfaltung, und dies sei eine ausreichende Qualifizierung für jeden Beruf. Deshalb belegten viele Studenten Fächer mit einem akademisch ausgerichteten Qualifikationsprofil, obwohl sie von einem Studium eigentlich eine Vorbereitung auf das Arbeitsleben erwarten, die ihnen Einkünfte und Berufsperspektiven sichere.

Außerdem bemängelt der Informatikprofessor und Unternehmensgründer, dass der akademische Lehrbetrieb die IT-Studenten nur auf die betriebliche Arbeitsteilung vorbereite. Diese existiere in mittelständischen Firmen nicht, da dort ein ganzheitliches Unternehmensverständnis herrsche.

Abhilfe soll eine Reform der Hochschulausbildung schaffen, die IT-Studiengänge berufsqualifizierend anlegt. Schindler schlägt einen Bachelor-Abschluss nach vier Semestern herkömmlichen Hochschulbetriebs vor, der auf einen IT-Beruf vorbereitet. Diese Ausbildungsetappe soll das heute übliche Vordiplom ersetzen. Die Lehre in den ersten Semestern müsse von berufsfernen Inhalten "entrümpelt" und der Lehrstoff auf die Arbeitswelt hin fokussiert werden.

Darüber hinaus fordert Schindler mehr Ausbildungswettbewerb auf Hochschulniveau durch private Bildungseinrichtungen und den verstärkten Einsatz von Web-basierendem Lernen. Ein Student könne sich mit Lehrveranstaltungen im Internet das ganze Jahr auseinander setzen und so die 28-wöchige Vorlesungszeit ergänzen. Entsprechend werde es möglich, den von Schindler anvisierten Bachelor mittels Weblearning bereits nach zwei Semestern zu erreichen.