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07.02.1975 - 

US-Infonet

Profit mit Verbundsystemen

MÜNCHEN - CSC (Computer Sciences Corporation) - eine bekannte amerikanische Unternehmensberatung hat den Beweis erbracht, daß Rechenverbundsysteme technisch realisierbar sind und profitabel sein können: immerhin konnte mit dem Verbundsystem Infonet bis Ende 1974 der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um sechzig Prozent von 16,8 Millionen Dollar auf 26,8 Millionen Dollar erhöht werden, dabei betrug der Gewinn vor Steuern 5,3 Millionen Dollar, entsprechend der Aussagen von CSC.

Infonet (information network system) ist eine Eigenentwicklung von CSC: Die Planungen dafür begannen 1968, wobei zunächst ein bestehendes Betriebssystem lediglich für Netzzwecke erwertert wurde und parallel dazu eine Eigenentwicklung für ein Betriebssystem zur Abdeckung aller Betriebsarten erfolgte. Die Inbetriebnahme war 1970.

Erwerbswirtschaftliches Prinzip

Das Netz wurde auf eigenes Risiko und Kosten von CSC erstellt, somit war man gezwungen, das Netz wirtschaftlich auszulegen.

Die erste Konzeption war folgende: 30 Rechner in 20 Städten, wobei zunächst nur ein kleiner Teil realisiert wurde. Während der ersten Implementierungsarbeiten erfolgte eine ständige Überprüfung der Planungsdaten, und es zeigte sich, daß die Praxis erhebliche Abweichungen zeigte, abgesehen davon, daß in den USA die wirtschaftliche Rezession hereinbrach. Wichtig war, daß permanente Kontrolle der Datenübertragung bzw. des Netzes und Kosten/ Nutzenanalysen eine Reduzierung der Anzahl der EDV-Zentren nahelegten. Wie sich herausstellte, interessiert es den Anwender bei gegebenen Kosten nicht, wo und welche Anlagen zur Verfügung stehen. Entscheidend ist, daß er alle Anwendungsarten an seinem, Terminal durchführen kann. Der Entwurf verfolgte das Ziel, mit einem Betriebssystem dies zu ermöglichen.

70 000-Meilen-Netz

Das endgültige Betriebssystem CSTS wurde 1971/72 installiert. Bereits damals waren Konzentratoren softwaremäßig ausgelegt und vorgesehen. Das Netz umfaßt 70 000 Meilen an Leitungen, erlaubt den Anschluß einer Vielzahl von Terminaltypen und stellt ca. 1000 Programmpakete für den Anwender zur Verfügung. Die Netzkosten liegen bei 7 Prozent der gesamten Betriebskosten, die Netzsicherheit beträgt 99,6 Prozent und die gesamte Systemleistung liegt bei 98 Prozent, entsprechend den Aussagen von CSI.

Das System besteht somit aus zwei Rechenzentren in Chikago (drei Univac 1108) und Los Angeles (vier Univac 1108) und einem Nachrichtennetz, das momentan 100 Städte über die Konzentratoren mit den EDV-Zentren verbindet, wobei 16 Zweigniederlassungen für die Kundenbetreuung dienen. Folgende vier Kundenschwerpunkte hat Infonet: Behörden ("im staatlichen Auftragswesen wird dabei alles erfaßt, vom Bleistift bis zum Phantom"), Nachrichtenindustrie, Datenbankanwender und kommerzielle Betriebe wie z. B. Steuerberater. Die Reaktionszeit des Systems liegt bei 85 Prozent Auslastung unter zwei Sekunden und bei 95 Prozent unter drei Sekunden, berichtet CSI.

Kontenaufschlüsselung

Eine für den Anwender kostenmäßig interessante Einrichtung ist ein Abrechnungssystem, das zentral oder dezentral die Nutzungskosten revisionsreif erstellt. Aufgrund dieser Einrichtung ist der Kunde in der Lage, seine Kosten bewußt zu überwachen und zum Beispiel die Frage zu klaren, ob interaktiver oder batch-Betrieb vorteilhafter ist. Im Falle von falschen Ergebnissen (statistische Überprüfung) erfolgt automatisch eine Gutschrift.

Infonet gibt es heute in Kanada, Südafrika und Australien und zur Zeit wurde ein erfolgreicher Test für eine Nachrichtenübertragung in den USA via Satelliten abgeschlossen. Dabei sind die Kosten um 40 Prozent reduzierbar und die Betriebssicherheit wesentlich höher, entsprechend den Aussagen von CSC.

Demnächst Minis?

Infonet war ursprünglich ein homogenes System mit einem einheitlichen Betriebssystem (entwickelt durch CSC), einer einheitlichen Hardware, Comten-Konzentratoren sowie CDC-Platten. Man erkannte jedoch, daß aus Marktgründen ein heterogenes System angezeigt sei: 1973 wurde mit dem Anschluß von IBM-Anlagen 370/195 begonnen. "Geplante Erweiterungen sind vorgesehen, die jedoch von der Hardware-Technologie abhängig sein werden", verlautet von CSC und weiter, "die künftige Gestaltung von Rechnerverbundsystemen wird auch davon abhängig sein, inwieweit zukünftige Minicomputer genügend Kapazität für den Einsatz in Verbundnetzen besitzen. Vielleicht kommen wir einmal los von den Großrechner-Dinosauriern."