Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

20.03.1987

Profitabilität steht und fällt mit den Restwerten:Im schwierigen Leasingmarkt grassiert die Fusionitis

Rund 40 Prozent aller großen IBM - Anlagen, so behaupten Kenner des internationalen Finanzierungsgeschäfts, sind heute geleast. Damit hat diese Methode, hohe Investitionskosten zu vermeiden, heute den Stellenwert, den in den sechziger Jahren die Computervermietung einnahm - nur macht jetzt nicht mehr in erster Linie der Hersteller das Geschäft.

Die Mietumsätze von Big Blue bewegen sich seit langem stetig abwärts, und mancher Analyst hat schon die Frage gestellt, warum der Blaue Riese überhaupt noch Einnahmen aus dem Rechnerverleih in der Bilanz verbucht. Profitabel sind diese Aktivitäten heutzutage nicht mehr: Bei dem in alten Verträgen üblichen Mietzins kommt die IBM nicht auf ihre Kosten; dafür muß der Anwender heute mit seiner Unterschrift unter einen Mietvertrag akzeptieren, daß er im ärgsten Fall binnen 15 Monaten soviel zu bezahlen hat, wie das ganze Gerät kostet. Nur macht so etwas - von Notfällen abgesehen - kein vernünftig rechnender Anwender.

Statt dessen erfreuen sich die seit Anfang der siebziger Jahre boomenden Leasingunternehmen bleibender Beliebtheit - etlichen schlagzeilenträchtigen Vorkommnissen zum Trotz. Denn aus wirtschaftlicher Sicht hat diese Finanzierungsform so manchen Vorzug gegenüber dem Kauf, bei dem der Anwender nicht nur viel Kapital bindet, sondern sich auch das Wiederverkaufsrisiko aufhalst - von steuerlichen Feinheiten ganz zu schweigen.

Marktführer sind kaum zweifelsfrei zu ermitteln

Eine bunte, unüberschaubare Schar von seriösen, halbseriösen und auch unseriösen Unternehmen tummelt sich in diesem Metier; auch die Hersteller selbst mischen inzwischen mit. Doch nicht einmal die erfahrensten Marktforscher wissen auf Anhieb zweifelsfrei die Marktführer des DV - Leasing zu nennen. Zumindest fallen jedem, den man fragt, andere Namen ein. Und überhaupt läßt die Größe des Leasingunternehmens kaum Rückschlüsse auf seine Solidität zu. Auch kleine können sehr gute Partner sein.

Nach Ansicht von Fritz Reinhard Müller, dem für den Dienstleistungsbereich zuständigen Geschäftsführer der Diebold Deutschland GmbH, gibt es für den Anwender ohnehin nur ein Kriterium, das bei der Auswahl des Leasinggebers wichtig ist: "Ich würde heute einen Leasingvertrag mit dem abschließen, der mir die besten Konditionen bietet." In einer Insolvenz des Leasinggebers sieht Müller "kein großes Risiko, denn diese Gesellschaft hat ja einen Schuldner, der nur Interesse daran haben kann, daß das Gerät weiter draußen steht - sonst kriegt er überhaupt kein Geld mehr".

Riskant ist das Leasinggeschäft schon: für den Leasinggeber, zum Beispiel, wenn er sich mit den Restwerten verkalkuliert. Anders als beim Fahrzeug - beziehungsweise Autoleasing, das heute den Löwenanteil des Leasingkuchens bildet, läßt sich beim Computerleasing nur sehr schwer vorhersagen, wieviel ein Produkt am Ende der Vertragslaufzeit noch wert sein wird. Deshalb verläßt sich kaum ein Leasor voll auf seinen guten Riecher.

Wesentlichen Einfluß auf die Festlegung des branchenüblichen Restwerts beispielsweise einer IBM 3090 hat eine Spezialabteilung der IDC Europa in London, die sich mit der langfristigen Produktpolitik der IBM beschäftigt. Von ihr holen sich die Leasinggeber die nötigen Informationen, nach denen sie festlegen, ob sie innerhalb der üblichen vier Jahre Laufzeit 85, 90 oder gar 95 Prozent des Anschaffungspreises über die Monatsraten hereinholen müssen.

Das Problem liegt in der Refinanzierung der meist recht hohen Investitionen. Die Banken, mit deren Geld die Leasinggeber ihre Transaktionen finanzieren, betrachten zwar die Forderungen des Leasinggebers an den Anwender als sichere Sache - wenn der Leasinggeber die Bonität des Leasingnehmers nachweist, ist er aus dem Schneider, und die Bank hält sich bei Zahlungsausfall an den Kunden. Aber für den nicht durch die Raten abgedeckten Restwert muß das Leasingunternehmen einen Kredit aufnehmen. Wenn der Vertrag ausläuft, muß der Computer also im Wiederverkauf mindestens den Restwert zuzüglich Zinsen einbringen - und natürlich einen Gewinn. Je höher der Restwert angesetzt wird, desto mehr riskiert der Leasinggeber.

ICC - Pleite bisher einziger spektakulärer Crash

An Fehleinschätzungen des späteren Marktwerts der verleasten Maschinen sind denn auch schon mehrere Unternehmen gescheitert; gleichwohl ist ein so spektakulärer Fall wie der der Deutschen Anlagen Leasing der Branche bisher erspart geblieben. Im DV -Leasing geht die Marktbereinigung eher einen unauffälligen Weg: über Zusammenschlüsse und Diversifikationen. Die britische IBL Plc. etwa konnte sich nach dem Untergang der Hamburger lCC weitgehend deren Kundenstamm sichern. Zur Zeit wickeln die Engländer die Übernahme der bedeutenden Münchner CSC Leasing ab. Greyhound Leasing wurde von Bell Atlantic geschluckt, und die namensähnliche englische Atlantic - Gruppe hat neuerdings bei der Ulmer Firma BM Computer - Systeme das Sagen.

Daß besonders die englischen Leasinganbieter stark expandieren, erklärt sich zum einen daraus, daß diese Unternehmen meist als Public Limited Company (Plc.) organisiert

sind, sich also Kapital an der Börse besorgen können, und zum anderen aus unterschiedlichen Bilanzierungsrichtlinien in der Bundesrepublik und in Großbritannien. Kurzum: Die Briten können mehr Risiko abwälzen als die deutschen Leasoren - und haben damit die Möglichkeit, durch Kalkulation höherer Restwerte günstigere Leasingraten zu offerieren. Aber in Zukunft werden auch in Deutschland Leasinggesellschaften an den Börsen präsent sein: Laut "Handelsblatt" steht der Chef der Deutschen Leasing AG, Albrecht Dietz, "einem ,going public' sehr aufgeschlossen gegenüber", und auch die Econocom hat durchblicken lassen, daß sie für 1988 die Ausgabe von Anteilsscheinen plant.

Auf dem Instrument Restwert versucht auch die IBM hin und wieder zu spielen. In verschiedenen europäischen Ländern gehört Big Blue selbst nämlich zu den Großen im Leasinggeschäft. Im Februar strengten die holländischen Repräsentanten der internationalen Leasinggruppen Atlantic, IBL und Econocom ein Verfahren gegen die IBM Nederland an, weil der Konzern gegen Artikel 86 der Römischen Verträge verstoßen und seine marktbeherrschende Stellung ausgenutzt haben soll. Der Vorwurf ist eindeutig: IBM versuche den holländischen Leasingmarkt zu monopolisieren. Die Leasoren fordern, der Europäische Gerichtshof solle sich der Sache annehmen.

IBM mit Angriffen der Broker konfrontiert

Jenseits des Ärmelkanals sieht die Situation vollkommen anders aus. Meriel Winwood, Geschäftsführerin des Leasors United Computers, hat für Big Blues Gehversuche im Leasingmarkt nur ein vernichtendes Urteil übrig: "IBM Europa hat keinen Schimmer, wie man eine Leasingfirma managt. Sie steht vor einem Problem, das sie sich selbst eingebrockt hat. Jetzt muß sie zwangsläufig den europäischen Brokern und Leasingunternehmen wieder einen Schritt entgegenkommen. Winwood glaubt, daß IBM über kurz oder lang dieses Metier wieder verlassen muß, um sich um ihre eigentlichen Probleme zu kümmern.

Dazu paßt auch die Beobachtung deutscher Branchenkenner, daß die Leasing - VBs der Stuttgarter von der aggressiven Kalkulation der Monatsraten ablassen - und damit den unabhängigen Finanzierungsgesellschaften wieder mehr Luft zum Atmen lassen.

Doch damit bricht keine sorgenfreie Zeit für die Leasinggesellschaften an. Denn der zu verteilende Kuchen wächst nicht mehr - er hat heute vielleicht mehr Stücke, aber die werden kleiner. Die Gesamtinvestitionssumme wird jedenfalls nach übereinstimmender Einschätzung der Brancheninsider nicht mehr im gewohnten Maß wachsen. Die Rolle des Leasingmotors hat die DV - Branche an die Automobilindustrie abtreten müssen.

Da werden auf einmal andere Themen akut: Für den Anwender, der nicht unbedingt das Neueste braucht, kann es heute ein hervorragendes Geschäft sein, auf dem Second -hand - Markt eine 3081 zu kaufen - oder eine 3083 - die aus einem Leasingverhältnis herausgenommen worden ist. Die mäßige Nachfrage nach 3090 - Systemen paßt daher vielleicht den Brokern ins Konzept, aber nicht unbedingt den mit ihnen zusammenarbeitenden Leasinggebern.

Die Zurückhaltung der Anwender gegenüber der 3090 mag übrigens auch mit Unsicherheiten über den künftigen Marktwert der Systeme zusammenhängen. Schon beim Wechsel von einer 3090 zur 3090 E ist die naheliegendste Lösung, aus dem alten Vertrag auszusteigen, die Maschine zu verkaufen und dann ein komplett neues System unter einem neuen Leasingvertrag zu installieren. Unabhängige Leasingfirmen übernehmen hier die Weitervermarktung, während IBM nur das recht teure Herauskaufen kennt, bei dem der Anwender das Wiederverkaufsrisiko trägt.

Sollte die nächste Hardware - Generation der IBM ein Volltreffer werden, so würde zwangsläufig das hohe Angebot an Altgeräten deren Marktpreis drücken. So kommt es dazu, daß heute bei einer 3090 - 600 E 4,2 Prozent des Anschaffungspreises von rund 30 Millionen Mark als realistischer Restwert zum Vertragsende im Jahr 1991 gelten.