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23.03.1979 - 

Erfahrungen eines Untemehmensberaters:

Programm-Umstellung - ein Abenteuer

HAMBURG (hö) - Wer den Fortschritt der EDV nutzen will, muß "alte" Programme an neue Gegebenheiten anpassen. Wechsel des Betriebssystems, neue Hardware, Einsatz von DB/DC . . . immer aber müssen Programme weiterleben. Peter Wagner, Geschäftsführer der Wagner & Partner GmbH, Hamburg, hat im Laufe seiner Tätigkeit mehrere solcher Umstellungen miterlebt und mitangesehen. Seinen Erfahrungen nach geht es meist um größere Mengen älterer Programme, die umzustellen sind. Sie sind vielfach unzureichend dokumentiert, und der Autor ist nicht mehr verfügbar. Hier kurz seine Eindrücke:

Eine ungeliebte stumpfsinnige Massenarbeit: Die Aufgabe wird nur als Mengenproblem angesehen. Oftmals werden dafür "reine Umstellungsknechte" eingesetzt. Die Aufgabe wird geringer qualifiziert eingestuft als zum Beispiel der Einsatz von Datenbanken. Das Ergebnis sind Planüberschreitungen und instabile Programmsysteme.

Ein mühsamer und dump-reicher Prozeß

Alle Programme werden in aufwendiger, manueller Arbeit so lange geändert, bis sie dem Soll-Zustand entsprechend formalfehlerfrei sind. Oft werden die Veränderungen nicht dokumentiert, geschweige denn der alte Zustand aufbewahrt oder eine komplette Alt-Neu-Gegenüberstellung gemacht.

Wenn keine kompletten Testdaten vorhanden waren (wo gibt es das schon?), werden dann ganze Programm-Komplexe mit echten Daten getestet (= parallel verarbeitet). Bis zum gewünschten Endergebnis schließt sich deshalb jetzt ein mühevoller, iterativer und dump-reicher Prozeß an.

Hier gerät oft der Zeit- und Aufwandplan ins Rutschen. Um zu retten, was zu retten ist, wird dann nur noch oberflächlich getestet. Übersehene Fehler zeigen sich jedoch viel später, aber um so folgenschwerer.

Typische Probleme hierbei sind: Vorzeichen-Konventionen, Feld-Ausrichtungen, trickreiche Programmierung mit Nebenwirkungen, unterschiedliches Verhalten von Sprach-Umwandler oder Maschine vorher und nachher... Viele Fehler lauern auch in einem formalfehlerfreien Programm.

Jede Umstellung ist gleich - im Grundsatz; jede Umstellung ist anders

- im Detail. Das hier beschriebene planvolle Nacheinander ist für alle Umstellungen gleich. Anders sind jedesmal die Fallstricke. Dies erkennen wir durch Vorab-Umstellung eines kleinen, typischen Teilkomplexes. Alle durchgeführten Änderungen sind festzuhalten. Die Programme werden einzeln und im Zusammenspiel getestet. Auch Zwischen-Dateien werden auf richtiges Ergebnis geprüft.

Jetzt wissen wir, wie bei der weiteren Umstellung vorzugehen ist. Nötige Anpassungs-Module werden jetzt erstellt. Nun kann die weitere Umstellung die bekannten Probleme formal mit beseitigen.

Umsetz-Programme und Programmierungshilfen erleichtern die Umstellung.

Dies Verfahren der Gesamtumstellung eines Teilkomplexes kann mehrmals wiederholt werden. Die weiteren neuen Erkenntnisse fließen in die Vorbereitung des nächsten Komplexes mit ein. Dadurch muß jeder Fehler nur einmal gemacht werden.

Kalkulierbares Risiko

Oft sind Dateien vor und nach Umstellungen nicht völlig kompatibel. Das Umsetzen sollte nicht durch ein Utility geschehen. Der Aufwand für speziell erstellte Umsetzprogramme zahlt sich aus, denn die Abstimm- und Prüfmöglichkeiten sind größer; Schnittstellen-probleme alt/neu können hierbei außerdem leichter gelöst werden.

Kleine Komplexe sind überschaubar. Die Umstellung in Teilkomplexen

- bringt schneller echte Produktivität im neuen System;

- beteiligt den Benutzer schneller am Neuen;

- beschränkt Probleme auf den Teilkomplex, in dem sie auftreten;

- macht unvermeidbare Plan-Abweichungen eher sichtbar und besser beherrschbar.

Planvolle Umstellung ergibt ein kalkulierbares Risiko. Dieses Verfahren bringt auch noch nicht das EDV-Paradies; denn Umstellungen bedeuten immer Aufwand. Dieser Weg führt aber zum geringsten Risiko und zur größten Ruhe und Effizienz bei allen Beteiligten - und das ist schon ein Vorteil.