Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

03.01.1986

Programmatisches Feigenblatt

Eine gute äußere Form kann bekanntlich - zumindest auf den ersten Blick - inhaltliche Mankos überspielen. Bei Lichte betrachtet entpuppt sich das dann meist als potemkinsches Dorf - das soeben vom Bundespostministerium vorgestellte "Mittelfristige Programm für den Ausbau der technischen Kommunikationssysteme" gibt hierfür ein gutes Beispiel ab.

Da ist eine ambitionierte Zielsetzung formuliert, die Erwartungen weckt: Das Programm will "mittelfristige Planungslinien für den Netz-, Endgeräte- und Anwendungsbereich" aufzeigen und die bisher schon qualitativ beschriebenen Entwicklungsschritte in puncto Schmal- und Breitband-ISDN sowie Einsatz von Glasfasertechnik konkretisieren. Das Motto "Mehr Planungssicherheit" schimmert allenthalben durch.

Aus der Sicht der heutigen Anwender enthält das Programm aber nicht viel Greifbares, was diese als Ausweg aus den real existierenden Netzengpässen sehen könnten. So findet sich übel das so wichtige Thema der Übergänge von den heutigen Fernmelde- und Datennetzen ins ISDN und umgekehrt ein ganzer Absatz in der Hochglanzbroschüre aus dem Hause Schwan-Schilling und der Begriff "Datex" taucht sage und schreibe einmal im gesamten Text auf. Kein Wort über technische Realisierungsmöglichkeiten, keine Silbe über zeitliche Vorstellungen der Post, etwa wann sie welche bestehenden Netze in das ISDN einbinden oder überführen will. Dafür ein ausführlicher Überblick über die Digitalisierung des Telefonnetzes und die Schritte auf dem Weg zum ISDN.

Viel Platz widmet die Post auch dem Thema "Nachfragepotential nach ISDN-Anschlüssen", ohne freilich auch hier sehr konkret zu werden. Da wird viel und gern mit Prognosen jongliert und sich ungern festgelegt, ein Sammelsurium von Gemeinplätzen. Immerhin ist beispielsweise zu erfahren, daß die Bundespost stark auf die multifunktionalen Arbeitsplätze und den sich daraus entwickelnden Kommunikationsbedarf setzt. Zur Unterstützung dieser Aussage dienen Untersuchungen und Erwartungen der einschlägigen Industrie, wobei sich die wichtigsten Nachrichtentechnik-Anbieter quasi im Proporz als Quelle berücksichtigt finden. So kann die Bundespost im Vorwort wenigstens darauf verweisen, das Programm sei mit der Branche abgestimmt.

Von Interesse wären beispielsweise auch konkrete Investitionssummen für das ISDN, vielleicht sogar nach Entwicklungsschritten beim Netzausbau, gewesen. Doch hier wollte man offenbar keine schlafenden Hunde wecken. Die Post wiederholt lediglich ihre Aussage, die ISDN-Infrastruktur "bedarfsorientiert" auszubauen.

Sicherlich - die technischen Innovationen sind so schnellebig, daß heute gemachte Aussagen morgen schon Schnee von gestern sind. Warum aber verschiebt man dann nicht die Veröffentlichung eines solchen Programms um ein oder zwei Jahre? Die Industrie hätte entsprechende Geräteerfahrungen in den Pilotprojekten gewinnen können, die Anwender hätten ein wenig klarer gesehen und auch die Post hätte sich einen größeren Gefallen getan als mit der jetzt veröffentlichten Hochglanzbroschüre, die höchstens als Feigenblatt, nicht aber als Programm zu charakterisieren ist.