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09.02.1979 - 

Software für Hobby-Computer:

Programme als Hardwarelückenbüßer

MÜNCHEN - Wieviele Hobby-Computer in Deutschland wirklich auch als solche, nämlich als Spielzeug, eingesetzt werden, sei dahingestellt. Das Image einer Liebhaberei tragen sie jedenfalls noch zu Unrecht. Hierzulande werden sie zum überwiegenden Teil für höchst ernsthafte Anwendungen gekauft. Das bestätigt eine Erhebung der Fachhochschule München. Mit dem entsprechenden Software-Angebot steht es inzwischen nicht mehr schlecht. Ein Besuch bei der Isidata GmbH in Hannover zeigt es.

Isidata hat bereits kurz nach Auftauchen der ersten Hobby-Computer in Deutschland damit begonnen, außer Spielprogrammen auch - mathematische und kommerzielle Programme zu entwickeln und anzubieten.

Das Team, bestehend aus Diplom-Mathematikern, Informatikern sowie einem Elektrotechniker, hat sich zuerst mathematischer Probleme und ihrer Lösung auf Hobby-Computern angenommen. Dabei waren Schwierigkeiten zu berücksichtigen, die bei größeren EDV-Systemen nicht ins Gewicht fallen:

- Numerische Stabilität - Das bedeutet, es muß ein Algorithmus ausgewählt werden, der die Maschinengenauigkeit berücksichtigt. Es sind rechner- und verfahrensbedingte Rundungsfehler beziehungsweise Darstellungsfehler zu beachten oder es müssen schwerwiegende Fehler, wie etwa Division durch Null abgefangen werden.

- Bequeme und sichere Eingabe - Bei Hobby-Computern ist es vor allen Dingen eine Folge von Bedienungsfehlern, wenn das Programm abbricht. Das muß bei kritischen Prozessen durch Rückfrage des Programmes verhindert werden. Deshalb ist es nötig, die Funktionstasten genau zu definieren, um Manipulationen an den Eingabetasten zu vermeiden.

- Problemlose Handhabung des Systems - Dazu gehört leichtes Laden der Programme, das Ausgeben von verständlichen Meldungen, die auch von dem, der das Programm nicht entwickelt hat, zu begreifen sind, geringe Einarbeitungszeit und eine ausreichende Bedienungsanleitung.

- Plausibilitätstest - Es müssen zum Beispiel formale Plausibilitätskontrollen (etwa der Eingabeformate) eingearbeitet werden, eine Überprüfung auf Verträglichkeit mit dem Algorithmus soll durchgeführt und eine zusätzliche Fehlermeldung, die über das Betriebssystem hinausgeht, hinzugefügt werden.

- Datenverwaltung - Eingegebene Daten müssen korrigierbar sein. Aus diesem Grunde müssen sie zum Beispiel auf Kassette oder Floppy-Disk übertragen werden und zurückgeladen werden können.

- Übersichtliche Darstellung der Ergebnisse - Die Programme für Hobby-Computer müssen, wie bei Groß-Rechnern, klare und informative Ausgaben bringen. Dabei ist auch die sinnvolle Ausgabenlänge bei Zahlendarstellungen wichtig. Zum Beispiel hat es keinen Sinn, wenn bei einem Geldbetrag 5 Stellen nach dem Komma ausgegeben werden.

- Hardware - Die Datenstrukturen müssen bei Hobby-Computern ganz besonders auf den Hardware-Ausbau (Speichergröße, Ausgabegeräte), wie Bildschirm, Drucker und Interface-Möglichkeiten angepaßt werden.

Isidata hat speziell noch weitere Probleme der Hard- und Software festgestellt, die sich zwar nicht eliminieren, aber durch -geschickte Programme ausgleichen lassen, das sind: Begrenzter Speicherplatz, fehlende Interpreter und Compiler, keine Debughilfen, mangelnde Peripherie-Ausstattung, und geringe Leistungsfähigkeit des gesamten Systems.

Trotzdem hat Isidata den Versuch unternommen, Software für kommerzielle Anwender zu entwickeln.

Mathematisch-technische Programme

Zu dieser Sorte gehören die meisten Programme von Isidata, einschließlich der Statistikprogramme. Da Mathematiker sie entwickelt haben, zeigt sich, daß gerade hier Lösungen gefunden wurden. die über das übliche Maß von Standard-Software herausragen.

So berechnet zum Beispiel das Programm "Statistik 2" für eine Anzahl von Wertepaaren (X, Y) folgende Größen: Arithmetisches Mittel in X - arithmetisches Mittel in Y - Standardabweichung von X - Standardabweichung von Y - Korrelationskoeffizient von X und Y - Regressionskoeffizient und -konstante etc.

Mit dem Programm Matrix lassen sich Matrizen-Operationen durchfuhren, wie Invertierung einer Matrix - Determinante einer Matrix - Summe zweier Matrizen - Differenz zweier Matrizen - etc.

Die Programme Maxflow und Opt lösen Probleme aus dem Operations-Research-Bereich.

Kommerzielle Programme

Im Bereich der kommerziellen Programme hat die Isidata noch nicht viel zu bieten. Das Programm zur Netzplantechnik (CPM) kann bis zu 20 Ereignisse und bis zu 400 Vorgänge bearbeiten. Ein Test des Programmes zeigt jedoch, daß hier Mathematiker am Werk waren, die unter anderem bei der Netzplantechnik folgende praktische Probleme nicht bedacht haben:

Die Anzahl der Knoten ist meist nicht von vornherein bekannt, die Knoten müssen unsortiert eingegeben werden können, eine Korrektur (Zufügung oder Streichung von Knoten in einem Netzplan) muß problemlos sein.

Diese Bedingungen, unter anderen, werden von dem vorgelegten Programm nicht erfüllt. Es ist zwar ein durchaus schätzenswerter Versuch selbst Netzplantechnik auf Hobby-Computern laufen zu lassen, zu einer Überarbeitung, eventuell mit Hilfe eines Betriebswirts sei jedoch geraten.

Bedienungsprogramme

Diese Programme (auf PET von Commodore bezogen) heißen Repeat, Insert und Delete. Repeat bewirkt, daß bei längerem Drücken einer Taste das entsprechende Zeichen automatisch wiederholt wird. Insert lädt auf Kassette gelistete Zeilen automatisch zu dem im Speicher befindlichen Programm hinzu; Delete löscht alle Zeichen zwischen zwei eingegebenen Zeilen automatisch.

Testergebnisse

Die Lösungen von mathematischen und technischen Problemen mit Hilfe von Programmen für Hobby-Computer sind sehr gut.

Kommerzielle Programme sind noch nicht in größerer Zahl vorhanden, das Programm CPM reicht für einen kommerziellen Benutzer nicht aus. Die Bedienungsfreundlichkeit wird durch besondere Dienstprogramme, speziell für den PET von Commodore, erhöht. Diese Programme sind sehr gut.

Die Spielprogramme sind von ausgezeichneter Qualität und regen zum Dauerspiel an.

Diese Qualifikationen stammen aus dem Testbericht des DVO-Instituts.

Informationen: Isidata GmbH, Lister Meile 23, 3000 Hannover.

*Klaus Jamin ist Professor an der Fachhochschule München.