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05.08.1977 - 

DIRLEWANGER - BERICHT

Programmier - System 1. Teil

Dr. Werner Dirlewanger, Institut für Informatik, Universität Stuttgart.

In der Aufsatzreihe wird eine DV-Anlage aufgefaßt als bestehend aus Hardware und der zugehörigen Systemsoftware. Die Systemsoftware wird - neueren Auffassungen entsprechend - unterteilt in Programmiersystem und Betriebssystem. Dabei ist das Betriebssystem derjenige Teil der zur Hardware gehörigen Ausstattung an Grundprogrammer, die im (weitesten Sinne) Benutzeraufträge verwalten und mittels der

Hardware bearbeiten. Programmiersystem dagegen ist derjenige Teil der zur Hardware gehörigen Ausstattung an Grundprogrammen, die (im weitesten Sinne) Benutzeraufträge in eine der Hardware verständliche Form umwandeln (also unter anderem Sprach-Compiler, Interpreter für Job-Control-Kommandos, Datenorganisation, Binder, Lader). Die Aufsatzreihe geht nach einem "top-down" vor, indem zuerst das Rechneräußere (Benutzerschnittstelle) und zuletzt das Rechnerinnere (Hardware) betrachtet wird. Demgemäß gibt es 3 Kapitel: Programmiersystem, Betriebssystem und Hardware.

Job-Control-Language (JCL) und Jobsteuerung

- Die JCL soll anhand einheitlicher Syntax entworfen und in sich konsistent sein, keinerlei Ausnahmeregelungen beinhalten, für Interaktiv-, Remote-Job-Entry- und Batch-Betriebe und- für alle Gerätearten (Bildschirmterminal, Schreibmaschinenterminal, RJE-Station) soweit logisch möglich völlig einheitlich sein.

- Die JCL soll leicht erlernbar sein.

- Durch geeignete Syntax und Default-Options sollen die am häufigsten benötigten Kommandofolgen kurz formulierbar und für ungeübte Benutzer schnell zugänglich sein.

- Es soll eine Kennung des Beginns jedes JCL-Kommandos geben. Sie soll beliebig undefinierbar sein. Sie muß abschaltbar sein.

- Die JCL-Kommandos sollen formatfrei sein. Für Parameter sollen wahlweise die Formen "mit Schlüsselwort" oder "Positionsparameter" möglich sein. Für Schlüsselworte soll es Standardabkürzungen geben. Aber auch vorn Benutzer einstellbare Abkürzungen, Default-Options und so weiter sollen möglich sein.

- Ein Syntax-Test eingegebener Kommandos oder von Kommandofolgen einschließlich gewisser Plausibilitätskontrollen soll auf Wunsch ausgeführt werden.

- Die Angabe von Datenträger und E/A-Gerät muß in allen JCL-Kommandos in völlig einheitlicher Form erfolgen.

- Die einschlägigen Taschenrechnerfunktionen sollen direkt per JCL aufgerufen werden können.

- Der vom DV-System für jeden einzugebenden Job zur Verfügung gestellte Platz ("Eingabegebiet") soll variabel sein und möglichst keinen festen oder vorangestellten Wert, haben. Ist letzteres doch der Fall dann muß der Benutzer die Größe durch ein JCL-Kommando jederzeit verändern können (sogar rekursive Aufrufe).

- Die JCL muß Sprachelemente zur Bildung von Schleifen und JCL-Unterprogrammen haben. Rückwärtssprünge müssen möglich sein.

- Die Substitution vorn beliebigen Teilzeichenfolgen in JCL-Kommandofolgen muß (per Rechenprogramm oder JCL-Kommandofolge) möglich sein.

- Die JCL muß Sprachmittel haben, mittels derer der Benutzer den Sprachumfang erweitern kann (self-extensibility) oder einschränken kann (private subset). Es muß automatisch für jeden Job die jeweils private Unter/Obermenge der JCL des Benutzers für den Job aktiviert werden (falls er nichts anderes angibt).

- Zwischen Benutzerprogrammen (in beliebiger Sprache) und JCL-Kommandofolgen sollen während des Joblaufs bequem Informationen ausgetauscht werden können (Kommando-Operator-Kommunikation).

- Programmablaufketten (Jobs) müssen per Programm in einer Programmiersprache oder per JCL erzeugt, in Files abgelegt, per Programm oder per JCL gestartet, gestoppt und dynamisch verändert werden können.

- Der Bearbeitungsmodus für einen Job soll beliebig zwischen Batch und Interaktivmodus gewechselt werden können; es darf keine feste Zuordnung JobTerminal geben (zum Beispiel werde ein Job am Terminal 1 begonnen, dann an Batchmodus gesetzt, vom Terminal 2 in Interaktivmodus zurückgeholt und interaktiv weiterbearbeitet).

- Kommunikation mit einem im Batch-Modus befindlichen Job konformieren über Stand der Bearbeitung, Weckdienst zur Ausgabe der Ergebnisse bestimmter Uhrzeit auf einem bestimmten Gerät) sind nötig.

- Rerun-Hilfen, das heißt Hilfsmittel, die dem Benutzer ein gezieltes Wiederaufsetzen seines Jobs nach einer Unterbrechung (vom Benutzer gewollte Unterbrechung im Falle der Bearbeitung des Jobs in Teilstücken oder vom Benutzer ungewollte Unterbrechung, etwa im Falle von Rechnerstörung) ermöglichen, müssen in einheitlicher Form und Leistung in allen Programmiersprachen verfügbar sein. Wünschenswert ist es, im Checkpoint das ursprüngliche Programm durch ein neues Compilat ersetzen zu können.

- Rerun-Hilfen müssen auch für alle Standard-Operatoren (SORT-MERGE) vorhanden

sein.

- Die vom Betriebssystem zum Zwecke des Rerun abgelegten Informationen über Zustand und Zwischenergebnisse eines unterbrochenen Laufs müssen dem Benutzer (per Sprachmittel der JCL) zugänglich sein.

- Der Rerun muß je nach Benutzerwunsch, automatisch (das heißt Weiterstart und Steuerung nach Laufunterbrechung per JCL) erfolgen oder aber vom Konsol-Operator gesteuert werden können.