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09.12.1977

Programmieren: Selbstverständlich wie Lesen und Schreiben

- Welche Möglichkeiten hat ein EDV-Greenhorn, sich über das Ausbildungsangebot objektiv zu informieren?

Sie sprechen ein sehr schwieriges Problem an. Wir werben in Tageszeitungen für unsere Lehrgänge unter anderem dadurch, daß wir sagen, kommen Sie zu unseren Informationsseminaren, die wir in größeren Städten in Deutschland kostenlos durchführen. Wir testen die Interessenten kostenlos und beraten sie unverbindlich. Diese Informationen geben wir Interessenten nicht nur unter verkäuferischen Standpunkten. Es gibt mehr als einen Studenten, dem wir geraten haben, einen anderen Beruf - und sogar welchen - zu ergreifen. Wir sind selbst daran interessiert, nur diejenigen Studenten zu bekommen, die sowohl in der Lage sind, in der EDV einen Beruf auszufüllen als auch motiviert sind, das zu tun.

- Können Sie sich das Ablehnen leisten, weil das CDI mit Gewinn oder wenigstens kostendeckend arbeitet? Oder sind Sie in den roten Zahlen?

Ich will Ihre Frage offen beantworten: Wir sind noch nicht in schwarzen Zahlen!

- Woran liegt das?

Wir sind mit unseren Seminargebühren einfach zu billig.

- Wollen oder können Sie die Preise nicht anheben?

Höhere Gebühren würde der Markt nicht akzeptieren. Wir gehören ohnehin schon zu den teuersten privaten Instituten. Überdies haben wir harte Konkurrenz von zwei Seiten. Da sind einmal die Hersteller, die ihre, zum Teil kostenlose EDV-Ausbildung als Marketing-Instrument für den Verkauf ihrer Hardware einsetzen. Und da sind zum anderen die von der Bundesregierung geförderten DV-Bildungszentren.

- Herstellerausbildung als Konkurrenz?

Wir halten uns schon immer darauf viel zugute, daß wir eine herstellerunabhängige Ausbildung betreiben. Natürlich benützen wir in unserem Institut eine Control-Data-Maschine für den Unterricht. Aber wir unterrichten - nehmen wir das Beispiel Programmierung - die Grundlagen, die Logik der Programmierung und dazu drei der gängigsten Programmiersprachen, nämlich IBM-Assembler, Cobol und Fortran. Sicher brauchen die Programmierer in ihrer ersten Stelle nicht das gesamte Spektrum dessen, was sie bei uns gelernt haben. Aber dadurch, daß sie einen umfassenderen Überblick haben, sind sie, so glauben wir, besser als andere, die eben nur On-the-Job-Training durchgemacht haben.

- Die Verantwortung der Ausbildungsinstitute endet für den, der den. Abschluß gemacht hat, in dem Moment, in dem er die Pforte verläßt: Das hat in der Vergangenheit, mal brutal ausgedrückt, zur Produktion eines EDV-Proletariats geführt, das der Markt nicht aufnehmen konnte. Es wurde einfach an der Praxis, an den Bedürfnissen vorbeiproduziert.

Zunächst einmal: Für uns endet die Verantwortung für den bei uns Studierenden nicht dann, wenn er unsere Pforten verläßt, sondern dann, wenn er einen seinen Wünschen und seiner Ausbildung gemäßen Job gefunden hat. Wir bieten auch noch einen sogenannten Postgraduate-Service an, den wir zwar nicht formalisiert haben, aber es kommt sehr oft vor, daß ehemalige Studenten bei uns anrufen und sagen, "ich bin rausgeflogen, ich habe keinen Job, könnt' ihr mir helfen", und wir tun das, wir halten das für unsere Pflicht. Das zum einen. Zum anderen: Es ist sehr schwer, die Entwicklung auf dem DV-Bildungssektor nur dem freien Markt zu überlassen. Denn es ist durchaus möglich, daß es unter den privaten Instituten Scharlatane gibt.

- Der "Goldrausch" ist vorbei. Nun gibt es aber eine ganze Menge Leute, die das immer noch nicht gemerkt haben.

Ja, das ist richtig. Aber wir sagen unseren Studenten nichts von einem Goldrausch, sondern wir sagen, es ist harte Knochenarbeit, in der EDV zu arbeiten. Allerdings sagen wir auch, die EDV hat noch eine Zukunft, und wer gut ausgebildet ist und bereit ist, hart zu arbeiten, hat noch eine gute Zukunft in der EDV.

- Würden Sie das generell oder nur für bestimmte EDV-Berufe gelten lassen?

Ich würde es generell stehen lassen, wobei es sicher innerhalb der EDV Strukturveränderungen gibt. Aber wer die EDV wählt, muß auch bereit sein, weiterzulernen und akzeptieren, daß sich auch hergebrachte Berufsbilder verändern. Ich möchte aber doch annehmen, daß in der EDV die Bereitschaft, neue Aufgaben anzugehen, größer ist, als in vielen anderen Bereichen.

- Ich darf eine frühere Aussage von Ihnen zitieren: "In der EDV kommt es auf gründliches EDV-Wissen an, Halb wissen oder Überblick ist nicht gefragt." Stimmt das noch?

Die Betonung liegt bei EDV. Leute deren Tätigkeit im wesentlichen EDV-gebunden ist, sollten gut ausgebildet sein. Leider ist dies bei vielen Informatik-Absolventen nicht der Fall. Andererseits braucht man im Umfeld der EDV, insbesondere bei den Benutzerabteilungen, Mitarbeiter, deren EDV-Kenntnisse weit unter dem Level derer liegen können, die unmittelbar in der EDV tätig sind.

- Sollten die Mitarbeiter der Fachabteilungen programmieren können?

Nein, sie müssen nicht programmieren können, müssen nicht ausgebildete Techniker oder Systemanalytiker sein. Aber sie sollten zumindestens die groben Anforderungen der EDV kennen und sie sollten auch die Terminologie beherrschen. Hier glauben wir eine Marktlücke erkannt zu haben. Wir haben für diesen Sachverhalt ein spezielles Seminar "Einführung in das Systemdenken der EDV" entwickelt das als Firmenseminar durchgeführt wird, und zwar für Mitarbeiter der Fachabteilungen. Das Problem in den meisten Firmen zwischen der EDV und den anderen Abteilungen ist die mangelnde Kommunikation. Die EDV-Leute haben in den Benutzerabteilungen keinen adäquaten Gesprächspartner, die Benutzerabteilungen wiederum sind voller Mißtrauen gegen die EDV, weil sie gewissen Anforderungen in der EDV (das dauert so und so lange, oder das geht nicht) hilflos gegenüberstehen.

- Wie kann dieser Kommunikationsmangel behoben werden?

Indem die Mitarbeiter in den Benutzerabteilungen auf ein Mindestniveau an EDV-Wissen gebracht werden. Insofern also meine Aussage von damals relativiert: In der EDV hochkarätige Fachleute - um die EDV herum genügt Teilwissen.

- Nun haben sich ganz generell durch die technische Entwicklung die Ausbildungsinhalte geändert. So ist heute mancher Wartungstechniker nur noch Modul-Wechsler und analog ist eben mancher Programmierer mit dem Bit nicht mehr per Du.

Stimmt. Sie haben das Beispiel des Modul-Auswechslers angesprochen, der nur den Fehler einkreist und dann das Teil auswechselt. Diese Leute sind unter dem Niveau dessen, was wir ausbilden. Man braucht auch diese, aber derjenige, den wir in Computertechnik ausbilden, der wird eben möglicherweise nur ganz zu Anfang als Modul- Auswechsler mißbraucht und steigt dann entweder in eine höhere Position auf, in der er die Modul-Auswechsler beaufsichtigt, oder er wird an schwierigere technische Probleme herangeführt.

- Die Hersteller behaupten, es werde immer leichter, mit dem Computer umzugehen und teilweise werben sie, "für unsere Maschinen ist kein Spezialist notwendig".

Es werden immer mehr und neue Anwendungen dazu kommen. Ich habe neulich in einer amerikanischen Fachzeitschrift gelesen, daß in den USA erst etwa zehn Prozent der möglichen EDV-Anwendungen realisiert sind. Es kommt also noch einiges an Anwendungen auf uns zu, in Bereichen, von denen wir uns noch gar nichts träumen lassen. Mit Sicherheit haben Sie in einem Punkt recht: Dort wo die EDV Routine geworden ist, braucht man keinen hochqualifizierten Mann, aber für diese neuen, spezialisierten Anwendungen sind hochqualifizierte Leute in verstärktem Maße nötig.

- Wir plädieren dafür, daß Software ingenieurmäßig entwickelt wird. Irgendwann sollte Software überhaupt maschinell erstellt werden.

Der Wunsch nach Software, die praktisch von selbst oder Software-Generatoren geschrieben wird, ist I schon alt und diese Forderung - zu Recht, meine ich - schon lange sehr vehement aufgestellt. Und ich glaube auch, auf beschränktem Gebiet wird das sicher einmal der Fall sein. Aber vorläufig sehe ich eben noch nicht, wie es zu verwirklichen wäre. Zudem wird dann die Breite des DV-Anwendungsbereiches so groß sein, daß es immer noch viele Gebiete gibt, wo simples Generieren der Software einfach nicht anwendbar ist.

- Nun glauben wir, daß für die von Ihnen geschilderten Anwendungsbereiche eine Handvoll Spezialisten reicht - wie überhaupt künftig der immer einfacher werdende Computer immer geringeres Fachwissen verlangt, um EDV sinnvoll anwenden zu können.

Das ist richtig. Ich vergleiche die EDV-Kenntnisse, und damit meine ich, entweder selbst programmieren zu können, zumindest aber ein Programm lesen zu können. Das ist mit der Fähigkeit des Lesens und des Schreibens zu vergleichen. Am Beginn der kulturellen Entwicklung, als die Schritt eben gerade erst erfunden war, war der Beruf des Schreibers noch ein angesehener Beruf, genauso wie anfangs der Beruf des Programmierers. Bei fortschreitender Entwicklung konnte jeder lesen und schreiben - und so sollte heutzutage jeder mit der EDV umgehen können.

Dr. Roland Henssler

(37), studierte Betriebswirtschaft an der Hochschule für Welthandel in Wien und promovierte in Volkswirtschaft, bevor er 1968 zur Robert Bosch GmbH, Stuttgart, ging. Dort war er auf Konzernebene verantwortlich für die Produktforschung. 1971 lockte ihn der Posten eines Marketing-Managers zu Control Data nach Brüssel, wo er - die Seminar-Aktivitäten der europäischen Control Data Institute ausbauen half. Seit 1973 ist er am CDI in Frankfurt, übernahm 1974 den Direktor-Posten.