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20.08.1982

Programmierer: Welche Vorbildung wird heute verlangt?

Eine Chance scheinen sie alle zu haben: die erfahrenen Programmierer, die Trainees aus dem eigenen Unternehmen, aber auch Hochschulabgänger ohne Praxis. Im Hause Osram, München, wird großer Wert auf Programmierer mit Erfahrung gelegt. DV-Leiter Wolfgang Rumpf ist überzeugt, daß es leichter sei, einem Softwerker Unternehmenskenntnisse beizubringen als einem "Fachbereichler" Programmierer-Know-how einzupauken. Im Münchner Systemhaus 2 KB Software hingegen haben Hochschulabgänger den Vorzug. Und in der Bertelsmann-DV-Abteilung in Gütersloh bekommen die Bewerber aus den eigenen Reihen die größten Chancen. ih

Wolfgang Rumpf, Leiter DV/Org., Osram GmbH, München

Momentan suchen wir erfahrene Programmierer, da wir einen Engpaß bei der Programmierung und Softentwicklung haben. Wir planen in nahezu allen Unternehmensbereichen größere Projekte und können es uns nicht leisten, Kapazitäten dadurch zu binden, daß beispielsweise Hochschulabgänger erst intern ausgebildet werden. Ausbilden heißt in diesem Fall, die neuen Mitarbeiter nicht so sehr mit dem Handwerkszeug des Programmierens, sondern mehr mit den äußeren Gegebenheiten unseres Hauses sowie der Branche vertraut zu machen.

Bei der Entscheidung, ob Trainees aus dem eigenen Haus genommen werden sollen, steht man vor dem Problem, daß sie zwar die Osram-Internas kennen, aber die Programmierung noch lernen müssen. Wir haben jedoch die Erfahrung gemacht, daß es einfacher ist, jemandem, der das Programmierhandwerk beherrscht, die Unternehmenskenntnisse beizubringen als umgekehrt. Würden wir einen Trainee einstellen, müßte er zunächst an einem umfassenden Datenverarbeitungskurs teilnehmen.

Derzeit ist uns jedoch vielmehr daran gelegen, qualifizierte Organisationsprogrammierer einsetzen zu können. Bei Hochschulabgängern ist es generell fraglich, ob sie langfristig überhaupt als Programmierer arbeiten wollen. Meist wollen sie allenfalls in die Organisation oder Systemanalyse und benutzen die Programmierung lediglich als Sprungbrett.

Peter Klinkenberg, Geschäftsführer, 2 KB Software GmbH, München

Als Softwarehaus haben wir folgende Anforderungen an unser Personal: hohe fachliche Qualifikation, Flexibilität und Vielseitigkeit, Einsatzfreude und Belastbarkeit sowie betriebswirtschaftliche Kenntnisse.

Eine Rumpfmannschaft, die aus Mitarbeitern mit den oben genannten Qualifikationsmerkmalen besteht, ist unbedingte Voraussetzung für das erfolgreiche Bestehen am Markt.

Bei Aufkommen eines zusätzlichen Personalbedarfs müßten derzeit eigentlich genügend derartige Mitarbeiter am Personalmarkt zu finden sein. Zwar bietet der Markt ausreichend viele Bewerber, die einige der geforderten Kriterien erfüllen oder sogar übererfüllen, die aber andererseits durch die lange Berufstätigkeit mit einhergehender Spezialisierung nicht ohne weiteres in der Lage sind, sich auf die zusätzlichen Anforderungen eines vielseitigen Softwarehauses einzustellen. Darüber hinaus sind die Gehaltsvorstellungen dieser Spezialisten oft überzogen, besonders dann, wenn sie vorher freiberuflich tätig waren.

Aus den genannten Gründen haben wir uns zu folgender Vorgehensweise entschlossen:

Die Personalsuche konzentriert sich auf Berufsanfänger mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluß, vornehmlich aus den Bereichen Informatik, Wirtschaftsinformatik und Mathematik.

Nach der Einstellung wird der neue Mitarbeiter sofort in ein von einem erfahrenen Projektleiter geführtes Team eingegliedert. Schon während der Probezeit (sechs Monate) hat er damit die Möglichkeit, durch Training-on-the-Job die für das jeweilige Projekt erforderlichen Fachkenntnisse zu erwerben und darüber hinaus seine durch die Hochschulausbildung erworbene Qualifikation unter Beweis zu stellen.

Zusätzlich zeigen sich seine Eigenschaften bezüglich Einsatzfreude, Belastbarkeit, Auffassungsgabe und Fähigkeit zur Teamarbeit.

Im Verlauf der Probezeit muß sich somit herausstellen, ob der neue Mitarbeiter nach einer vertretbaren Zeit die anfangs genannten Anforderungen erfüllen wird.

Diese Vorgehensweise den Vorteil, daß der Mitarbeiter innerhalb kurzer Zeit mit den verschiedensten Problemen konfrontiert wird und dadurch sehr schnell an praxisbezogener Erfahrung gewinnt. Dadurch wird er in die Lage versetzt, relativ schnell Projekte in eigener Verantwortung durchzuführen.

Karlheinz Hebestreit, Mitglied des EDV-Leistungskreises der Zentralen Bertelsmann Datenverarbeitung, Gütersloh

Die Rekrutierung des Nachwuchses für Aufgaben der EDV kann nicht losgelöst von ihrer Verwendung betrachtet werden.

Im Rechenzentrum ist der qualifizierte Praktiker gefragt. Hier muß, insbesondere bei differenzierter Infrastruktur und komplexen Datennetzen, Hand angelegt werden. Bei Bedarf an Klimaschrank ebenso wie am Kanal des Rechners. Zudem gehen die Hersteller mehr und mehr dazu über, ihren Kunden das Equipment bei Lieferung auf die Rampe zu stellen; die Installation besorgen wir dann selbst.

Gewissenhaftigkeit, Zuverlässigkeit, Belastbarkeit und praktische Erfahrung sind

unabdingbare Einstellungsvoraussetzungen.

Die Anforderungen in der Software des modernen Software-Engineerings sind ungleich komplexer. Ohne Spezialwissen, Systematik und ein hohes Maß an Kreativität ist ein erfolgreiches Arbeiten kaum mehr möglich. Dazu kommt, daß im Projekt normaler Größe alle diese Anforderungen von einer Person zu erbringen sind. Je näher die Software der Hardware kommt (Datenbank, Betriebssystem, TP-Monitore), ist dieses Teilgebiet nur noch ausschließlich von Spezialisten zu überschauen.

Entsprechend diesem Spektrum der dargelegten Aufgaben rekrutiert die Zentrale Bertelsmann Datenverarbeitung ihren Mitarbeiterbedarf. Selbstverständlich haben Bewerber aus den eigenen Reihen stets den Vorzug. Daneben werden entsprechend dem Bedarf die qualifizierten EDV-Mitarbeiter vom Markt eingestellt. Diese sind tendenziell nach unserer Erfahrung mehr und mehr Hochschüler. Eine Bestätigung dieser Tendenz, daß Hochschüler zunehmend stärker in die EDV streben, haben wir auf unsere letzte Inseratsserie erlebt. Von insgesamt 260 Bewerbern verfügten mehr als 160 über einen Hochschulabschluß.

Dabei habe ich mehr und mehr den Eindruck, daß Hochschulabsolventen in EDV-technischen Spezialgebieten, wie beispielsweise Datenbankbetriebssystem und TP, doch schon sehr praxisnah von der Hochschule ausgebildet werden. Wenn wir derzeit allerdings einen gesetzten Praktiker zur Realisierung von betriebswirtschaftlichen Projekten suchen, finden wir solchen nur sehr selten unter den Hochschulabsolventen.

Sowohl vom Bedarf als auch vom Markt scheint mir die EDV zunehmend stärker eine Domäne von Hochschulabsolventen zu werden. Ob das so sein muß und ob das gut ist, bleibt abzuwarten.